Warnung: Emails und SMS gefährden Ihre Intelligenz!

Nach einer britischen Studie senkt die permanente und suchthafte Anbindung an den Informationsfluss die Intelligenz und die Arbeitsproduktivität

Will man einer Studie glauben, die von britischen Psychologen im Auftrag von Hewlett-Packard durchgeführt wurde, dann sollte man sich bei der Verwendung von SMS und Emails womöglich stärker zurück halten und öfter deren Benutzung ganz einstellen, um die eigene Intelligenz nicht absacken zu lassen. Wer viele Emails und SMS schreibt und liest, dem wird eine "Infomanie" bescheinigt. Diese könne dem Intelligenzquotienten mehr schaden als regelmäßiges Kiffen.

Der Intelligenzquotient soll bei Marihuana-Rauchern durchschnittlich um vier Prozent zurück gehen. Bei den nach Informationen oder nach Kommunikation Süchtigen soll der Rückgang gar bis zu zehn Prozent betragen, wollen die britischen Psychologen vom Institute of Psychiatry an der University of London in ihrer Studie herausgefunden haben.

Ständig am Handy oder Computer zu hängen und den Informationsfluss zu beobachten, erfordere eine permanente Aufmerksamkeitsleistung und gleiche einer Sucht. Diese bringe ähnliche Folgen wie häufiger Schlafmangel mit sich, meinen die Forscher. Ob die Untersuchung wirklich ernst genommen werden kann, muss allerdings dahin gestellt bleiben. Unklar ist beispielsweise, wie der angebliche Rückgang des Intelligenzquotienten festgestellt wurde. Möglicherweise fallen ja auch die weniger "Intelligenten" nur den Verführungen und dem Stress anheim, ständig online und erreichbar zu sein? Aber Titel wie Emails sind schlimmer als Drogen, Emails 'pose threat to IQ' oder eben: "Warnung: Emails und SMS gefährden Ihre Intelligenz" sind eben verführerisch und ziehen vermutlich die Aufmerksamkeit auf sich, was wohl auch mit der Zweck der Studie ist.

Die Erkenntnis über den möglichen Rückgang der Intelligenz war allerdings nur ein Nebenaspekt der Studie, die das Phänomen der "Infomanie", also der allgemeinen Sucht, permanent mit dem Informationsstrom mitzuschwimmen, zum Gegenstand hatte. Zum Problem werde diese "Infomanie" bei erwachsenen Angestellten, vor allem bei Männern. Für die Studie wurden allerdings auch nur 1.100 Erwachsene und keine Jugendlichen befragt. Zudem unterzogen sich 80 Freiwillige Tests.

62 Prozent der Befragten erklärten, dass sie Emails und SMS andauernd überprüfen und auch arbeitsbezogene Mitteilungen in ihrer Freizeit und im Urlaub beantworten. Die Hälfte sagte, sie würden eine Email sofort beantworten, ein Fünftel würde dafür auch ein Treffen oder das Essen unterbrechen. Und 90 Prozent sagten, dass Kollegen, die eine SMS oder Email während eines Gesprächs beantworteten, sehr unhöflich seien. Gleichzeitig meinte jedoch ein Drittel, dass man dies dennoch machen könne und dass dies auch ein effizientes Verhalten demonstriere.

Der Rückgang der Intelligenz wird nach den Psychologen durch die "always on"-Technik mit verursacht. Diese führe dazu, dass die Menschen ständig von ihren Beschäftigungen, die Konzentration verlangen, abgelenkt werden. Ihre Aufmerksamkeit ist gewissermaßen stets im Bereitschaftszustand, um schnell reagieren zu können. Das dadurch entstehende Multitasking, das auch bei geschäftlichen Besprechungen oder anderen Gesprächen für Ablenkung sorgt, senkt die Produktivität und mindert die Beteiligung am sozialen Leben.

Arbeitgeber sollten darauf achten, so der Psychologe Glenn Wilson, dass die Angestellten einen anderen Arbeitsstil finden, der die "Infomanie" nicht fördert. Wenn die Angestellten Informations- und Kommunikationsmittel erhalten, um stets erreichbar zu sein, müssten auch Richtlinien für deren Gebrauch aufgestellt werden, um die Belastung nicht unnötig zu steigern. Er schlägt beispielsweise vor, Emails und SMS in Leerzeiten oder Arbeitspausen wie beim Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln zu lesen und die Geräte auszuschalten, wenn Besprechungen stattfinden.

Die Beeinträchtigung dauert nur so lange wie die Ablenkung. Aber man muss die Frage stellen, ob unsere gegenwärtige Obsession mit der konstanten Kommunikation die Konzentration und die geistige Leistungskraft langfristig schädigen können.

Glenn Wilson

David Smith von Hewlett Packard kommentiert, nach der Studien bestünde die Gefahr, dass wir in einer Gesellschaft landen, die rund um die Uhr aktiv ist. Das sei auch deswegen besorgniserregend, weil dies die Leistung und die Konzentration der Menschen gefährdet und damit die Wirtschaft schädigt. Hewlett Packard stelle allerdings auch solche Techniken her, aber das sei so, als würde man einen Wagen, der 200 Stundenkilometer fahren kann, auf den Markt bringen und gleichzeitig von den Fahrern verlangen, diesen nur innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung zu nutzen: Die Menschen müssten, so die Schlussfolgerung, die alles beim Alten lässt, die Always-on-Technik, die auch Produktivitätsvorteile mit sich bringen, eben verantwortlich nutzen. Das Beispiel des Autofahrens im Hinblick auf Fahrer und Industrie dürfte allerdings in diesem Kontext kaum überzeugen. (Florian Rötzer)

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