Warnung vor einem nordkoreanischen EMP-Angriff auf die USA

Vor dem angeblich erfolgreichen unterirdischen Atomwaffentest Anfang September ließ sich Kim Jong-un die neue Wasserstoffbombe demonstrativ vorführen. Es handele sich, so hieß es, um eine "multifunktionale thermonukleare Atombombe mit großer Vernichtungskraft". Sie könne auch in großen Höhen für einen EMP-Angriff gezündet werden.Bild: Rodong Sinmun

In einer Anhörung vor einem Kongressausschuss über die Bedrohung durch Nordkorea wurden die verheerenden Folgen einer auch nur primitiven EMP-Atombombe ausgebreitet

Am vergangenen Donnerstag fand in einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses eine Anhörung darüber statt, welche Bedrohung Nordkorea für das Land darstellt. Kim Jong-un hatte gedroht, dass nordkoreanische Langstreckenraketen mit Atomsprengköpfen die USA im Fall eines Konflikts erreichen und verwüsten könnten. Gefragt wurde, ob dies nur eine leere Drohung oder eine ernsthafte Gefahr sei. Da US-Präsident Donald Trump Nordkorea ständig mit militärischen Angriffen droht und Nordkorea desto stärker auf den Besitz von Atomwaffen drängt, ist eine Kriegsgefahr nicht von der Hand zu weisen. Wenn Trump zudem mit dem Iran-Abkommen hadert, wird sich Nordkorea um so weniger auf ein Abkommen zur Abrüstung der Atomwaffen einlassen.

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Hervorgehoben wurde in der Anhörung die Bedrohung durch Cyberwar-Angriffe auf die amerikanische Infrastruktur. Zwar kenne man die Kapazitäten nicht, aber Nordkorea habe viel Geld in den Ausbau der Cyberkriegsführung investiert und würde eine einige tausend Mann starke "Cyberarmee" unterhalten. Um sich zu finanzieren, habe das nordkoreanische Regime überdies Cyberkriminalität ausgebaut. So könne Nordkorea hinter dem WannaCry-Erpressungsangriff stecken. 2016 soll Nordkorea zudem 81 Millionen US-Dollar von der Zentralbank von Bangladesch durch einen Cyberangriff gestohlen und 2014 Sony Pictures angegriffen haben. Zudem ging es um die Bedrohung durch die Langstreckenraketen und Atombomben, aber auch durch chemische und biologische Waffen.

Zur Sprache kam auch die Bedrohung durch eine nukleare EMP-Bombe. Kim Jong-un hatte davor gewarnt, dass Nordkorea eine solche einsetzen könnte. Es würde sich um eine Atombombe handeln, die in großer Höhe über den USA explodiert, so dass sie Menschen und Dingen auf der Erde nicht gefährlich würde. Der dadurch entfachte elektromagnetische Impuls würde jedoch alle ungesicherten Stromnetze und elektrischen und elektronischen Geräte ausschalten. Dadurch würde besonders in einem hochentwickelten Land wie den USA kaum mehr etwas funktionieren. Die betroffene Region würde im Dunklen verschwinden, die digitale Infrastruktur wäre lahmgelegt.

Ein Horrorszenario, das in den USA kursiert, nachdem das Pentagon in den 1960er Jahren einen Test mit einer Atombombe (Starfisch Prime 1962) durchgeführt hatte und die weitreichenden Folgen in einem Radius von 1300 km beobachten konnte. Die Sowjetunion habe mehrere Tests über Kasachstan durchgeführt. Die Folgen eines nuklearen EMP-Angriffs wären heute mit der modernen Elektronik weitaus schwerwiegender als damals, sie sei, wie man aus Simulationen ableiten kann, bis zu einer Million mal stärker gefährdet als die Elektronik des Jahres 1962.

Dem Ausschuss schilderten William R. Graham und Peter Vincent Pry von der vom Kongress 2001 eingesetzten Kommission zur Bewertung der Bedrohung der USA durch einen EMP-Angriff die erwarteten Folgen. Und die wären nach seiner Sicht drastisch. Jede Cyberwar-Strategie, wie sie Russland, China, Iran und Nordkorea verfolgen - die USA selbstverständlich auch - schließe EMP-Angriffe ein. Beide beklagten sich, dass die Gelder für die Kommission vom Pentagon just zu der Zeit gestrichen wurden, als Nordkorea angeblich eine Wasserstoffbombe testete und diese als EMP-Waffe gegen die USA bezeichnete.

Möglicherweise habe Nordkorea bereits bis zu 60 nukleare Sprengköpfe, würden US-Geheimdienste sagen. Die Kommission habe schon lange vor einem EMP-Angriff seitens Nordkorea gewarnt, was aber keine Konsequenzen gehabt hätte, da die Geheimdienste die Entwicklung der Langstreckenraketen, die Zahl der Atomwaffen und die Miniaturisierung der Sprengköpfe unterschätzt hätten.

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