Warum Facebook schuld ist an Fake News

Facebook

Eine technische Betrachtung: Wenn die Optimierung von Werbeeinnahmen zur gefährlichen Verzerrung von subjektiver Realität führt, lassen sich trotzdem einfache Gegenmaßnahmen einrichten

Zunächst: Ja, ist schuld. Aber lassen Sie uns die Frage etwas weniger vereinfacht betrachten. Das Warum und Wie ist allerdings relativ einfach zu verstehen. Die derzeit weltgrößte Social Media Plattform (rund 60% aller Internetnutzer auf der Erde haben einen Facebook-Account) versucht, ihre Benutzer möglichst vollständig zufrieden zu stellen, indem sie thematisch passende Nachrichten aus dem Strom aller gelikten und befreundeten Seiten und Personen auswählt.

Wenn Sie also mehrere Posts mit Katzenbildern drin angesehen haben, versucht Facebook, Ihnen möglichst nur noch süße Tierbilder zu zeigen, damit Sie ab sofort stündlich auf der Plattform nachsehen und damit fleißig zielgruppendefinierte Werbeaufrufe generieren. Damit verdient FB-Chef Mark Zuckerberg dann weitere Milliarden. Allerdings gilt dieses Themenvorsortieren auch bei Chemtrails, Holocaustleugnung und Ausländerhass. Es gibt tatsächlich eine Wahlmöglichkeit, diese Vorschlagsfunktion (links oben unter Ihrem eigenen Namen) im Menüpunkt "News Feed" zu deaktivieren, so dass nicht mehr die von FB thematisch selektierten "Top-Meldungen", sondern "Neueste Meldungen" angezeigt werden. Also chronologisch von allen "Freunden" und "gelikten Seiten" gepostete Äußerungen. Die dazu angebotenen "Einstellungen" beziehen sich ausschließlich auf die "Top-Meldungen".

Wenn man manuell von den vorsortierten auf die chronologischen, also nicht thematisch sortierten Posts umschaltet, stellt Facebook das innerhalb von Stunden oder Tagen wieder zurück. Man muss das also ständig machen, um nicht in einer von Facebook zu Werbezwecken generierten Filterblase zu treiben. Innerhalb dieser Filterblase ist allerdings immer alles völlig eindeutig: Egal, ob man Katzenbilder mag, Fußball oder Reden von Höcke, Goebbels und Trump - es passt immer alles zusammen, die eigene Meinung wird wieder und wieder bestätigt, und selbst die wildeste Spekulation wird von Zuckerbergs Werbeplattform einer soliden, faktengestützten Quelle vorgezogen, wenn sie ins Strickmuster der ursprünglich und in Folge weiter geklickten Meinung passt.

Ohne diese Eigenschaft des weltgrößten Social Networks hätten es also auch die aus der Luft gegriffenen, echten Fake News (im Gegensatz zur um sich greifenden Sitte, alles als Fake News zu bezeichnen, was nicht mit der eigenen Meinung korreliert) weit schwerer. Lügen kann man im Internet dann weiterhin, aber die Ausbreitung von Hetzpropaganda wäre stark verlangsamt.

Wenn also eine Regierung etwas gegen diese Art der Stimmungsmache unternehmen will, dann wäre ein Verbot der Vorselektierung von Posts (wie im oben beschriebenen Fall) ein wichtiger Schritt hin zu einer Wiederherstellung von Meinungsvielfalt und Vernunft. Andere Social Networks verzichten auf diese Art von Werbeoptimierung und sind daher weit weniger an der Verbreitung von Fake News beteiligt als Facebook (und machen prompt weniger Gewinn). Hier ist also eine einfache, gezielte Änderung möglich. (Fritz Effenberger)

Anzeige