Warum Frauen ältere Männer und diese jüngere Frauen vorziehen

Nach einer Studie haben Frauen mit einem vier Jahre älteren Partner und Männer mit einer sechs Jahre jüngeren Partnerin den größten Reproduktionserfolg

Dass Männer lieber jüngere Frauen haben, diese wiederum nicht unbedingt auf körperliche Attraktivität und Jugend, sondern auf Einkommen und soziale Stellung bei der Wahl des Geschlechtspartners setzen, ist keine neue Einsicht. Wissenschaftler der Universität Wien haben nun versucht, dieses Paarungsverhalten evolutionsbiologisch zu untermauern. Dafür haben sie die Alterdifferenz von Paaren mit ihrer Kinderzahl in Verbindung gesetzt.

Ob die Kinderzahl als Maß des geglückten Paarungsverhaltes bei Menschen tatsächlich große Aussagekraft besitzt, mag dahingestellt sein. Schließlich spielen in das Knüpfen einer Beziehung, in deren Aufrechterhaltung und den Entschluss, überhaupt und viele Kinder zu kriegen, viele Faktoren aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Kontext ein. Nur aus der Sicht der biologischen Evolution könnte die Zahl der Nachkommen, also der Reproduktionserfolg, durchaus als das Ergebnis einer geglückten Sexualpartnerschaft verstanden werden.

Martin Fieder vom Institut für Anthropologie und Susanne Huber vom Veterinärmedizinischen Institut der Universität Wien haben für ihre Studie Parental age difference and offspring count in humans, die in den "Biology Letters" der britischen Royal Society erschienen ist, die Aussagekraft allerdings noch weiter eingeschränkt. Analysiert wurden von ihnen die Daten von über 11.000 "post-reproduktiven" Männern und Frauen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren aus Schweden. Berücksichtigt wurden dabei Paare, die seit Geburt ihres ersten Kindes bis zum Abschluss der Zeugungsfähigkeit, was eigentlich nur auf die Frauen zutrifft, zusammen geblieben waren. Wer also wechselnde Beziehungen und daraus entstehenden Kindern hat, wurde nicht berücksichtigt, wodurch neben der Zahl der Nachkommen auch feste Paarbeziehungen als Erfolg im Rahmen der sexuellen Selektion als Erfolg gelten. Wer hingegen mehrere Kinder von mehr als einem Partner hat, kann zwar seine bzw. ihre Gene ebenso erfolgreich weiter geben wie nachkommensfreudige feste Paare, fällt aber aus der Bewertung der Altersdifferenz heraus.

Nach der Auswertung der Anthropologen haben jedenfalls Männer mit durchschnittlich 2,2 Kindern die meisten Nachkommen, wenn sie ungefähr sechs Jahre älter als ihre Partnerinnen sind, während bei Frauen die Männer etwa vier Jahre älter sein müssten. In einer zweiten Studie eruierten sie die Alterdifferenz, wenn nach dem ersten Kind sich die Beziehung aufgelöst hat und neue Partner gefunden wurden. Nach einer Auflösung der Beziehung suchen im Allgemeinen Frauen und Männer jüngere Partner als bei der ersten Partnerwahl, wobei die zweiten Männer bei den Frauen in aller Regel weiterhin älter als sie selbst sind. Das würde ebenfalls die allgemeine Beobachtung stärken, dass älter werdende Männer zunehmend jüngere Frauen suchen, während ältere Frauen eher gleichaltrige Männer bevorzugen.

Die in allen Kulturen vorherrschende Entscheidung für einen jüngeren bzw. älteren Partner, so die Wissenschaftler, könnte ein evolutionär erworbenes Verhalten sein, weil dies der biologischen Fitness diene. So könne man die Neigung der älteren Männer zu jüngeren Frauen als Kompensation für ihre durch das Alter sinkende Fruchtbarkeit interpretieren. Ähnlich sei das bei den Frauen, die auch die Alterdifferenz verkleinern und jüngere Sexualpartner suchen, weil auch das einen Ausgleich der zurückgehenden Reproduktionsfähigkeit der Frauen darstelle. Aber es gäbe noch zahlreiche alternative Deutungsmöglichkeiten der durch diese Studie eigentlich nur bestätigten Alterspräferenz im menschlichen Paarungsverhalten.

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