"Warum Krieg?"

Gigantisches PR-Budget für eine militärische Heilslehre

Es kann ja nur Zufall sein, wenn es zu einem Personalaustausch in beiden Richtungen (Politik/Kriegskonzerne) kommt oder ein örtliches Quantitätsmedium zeitgleich zu Protesten vor einer Rüstungskonzernzentrale ein seitenfüllendes Interview aus dem Ärmel zaubert, das den Chef des Rüstungskonzerns am Ende als großen Menschenfreund erweist.

Wenn die Friedensbewegung im Lande nur über den Bruchteil des PR-Budgets eines einzelnen großen Rüstungskonzerns verfügen würde, wäre die Mehrheit der Werkstätten, in denen man den zigtausendfachen Menschentod für eigene Anwendung und Export produziert, längst geschlossen. Indessen geht es keineswegs vorrangig um Gefälligkeiten und Geschenkpäckchen, die unterm Konferenztisch die Seiten wechseln.

Die Basis des Kriegsapparates reproduziert sich über einen geistig-kulturellen Überbau, der viel tiefer ansetzt als einzelne Propagandakampagnen. Es handelt sich bei der militärischen Heilslehre um eine sehr robuste Zivilreligion. Man muss dieser Konfession angehören, um im Tempel des öffentlichen Geschehens - oder bei staatskirchlichen Massenevents - als ernstzunehmende Persönlichkeit zu gelten. Irgendwie weiß jeder, dass die Militärreligion auch im letzten Vierteljahrhundert nur ein Unheil nach dem anderen bewirkt hat.

Aber man lässt es den Regierenden ohne weiteres durchgehen, dass sie in ihren Dokumenten die Liste eines unaufhörlichen Bankrotts unterschlagen. Als die Billion, die man für Gewalteskalation und Leidensmaximierung im Endlos-Afghanistankrieg ausgegeben hat, schon fast erreicht war, spukten die Märchen vom Brunnenbau am Hindukusch noch immer in vielen Köpfen herum.

"Kriege werden nicht geführt, um Menschenleben zu retten"

Manche Menschen glauben unverdrossen, es ließen sich mit US-amerikanischen, russischen oder sonstigen Bomben aus der Luft menschenfreundliche Werke vollbringen. Das beweist aber lediglich, wie tief der Aktivitätsgrad der menschlichen Großhirnrinde herabgesetzt werden kann.

Kriege werden nicht geführt, um die Weltherrschaft einer Religion durchzusetzen. (Alle diesbezüglichen Erscheinungen lassen sich leicht als Epiphänomene einer ganz andersartigen Kriegsbasis entzaubern.) - Kriege werden nicht geführt, um Menschen zu schützen oder Menschenrechte durchzusetzen. Dies gilt schon wegen der Untauglichkeit des Mittels "Krieg", das nur mehr Schutzlosigkeit und Verachtung von Menschenrechten bewirkt.

In den Doktrinen der mächtigen Militärkomplexe ist uneigennütziger Menschenschutz aber auch gar nicht vorgesehen. - Kriege werden nicht geführt, um Menschleben zu retten. Vielmehr nehmen sich die Budgets für Lebensrettung im Vergleich zum Weltrüstungshaushalt wie eine Trinkgeldkasse aus. Kleine Beträge würden gebraucht, um Millionen Menschen vor einem Tod durch Unterversorgung zu bewahren. Die notwendigen Beträge kommen bei Bettelaktionen regelmäßig nicht zusammen.

Beim Hochrüstungswahn ist auf wundersame Weise immer genug Geld da. - Kriege werden schon gar nicht geführt, um die UN-Charta durchzusetzen und das Völkerrecht zu stärken. Vielmehr ist keine der mächtigen Militärnationen daran interessiert, die Vereinten Nationen noch zu unseren Lebezeiten zu demokratisieren und mit den zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Mitteln auszustatten. Jüngst hat es sich gar im deutschen Fernsehen erwiesen, dass eine Militärministerin mit den grundlegenden Sachverhalten des Völkerrechts offenbar gar nicht vertraut zu sein braucht.

Für uns Westeuropäer ist die Zeitspanne ohne Bomben vor der Haustür ein großes Geschenk. Im Licht der menschlichen Geschichte handelt es sich allerdings nur um ein paar Jahrzehntchen, was im Atomzeitalter weniger als wenig ist. Gute Friedensnachrichten auf dem Globus sind rar dieser Tage.

Eine praktische Fußnote

Auch deshalb zum Abschluss dieser Notizen nun doch noch eine praktische Fußnote, nämlich ein Link zu den örtlichen Terminen des bundesweiten Ostermarsches für den Frieden von Samstag bis Montag.

Ob die Berichterstattung wie gewohnt zumeist unfreundlich ausfällt oder nicht, ist nicht das Wichtigste. Bedeutsam hingegen wird sein, dass Pazifisten und Antimilitaristen sich auf ermutigende Weise verständigen können. (Peter Bürger)

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