Warum Nordkorea die USA an der Nase herumführen kann

Reaktion auf den Abschuss einer nordkoreanischen Rakete. Bild: DoD

Das Pentagon weiß nicht, ob es nordkoreanische Raketen wirklich mit seinem Raketenabwehrschild abschießen kann

Die Rhetorik und Sprache der nordkoreanischen Nachrichtenmedien kommt wie aus einer vergangenen Welt. Die Uhr scheint stehengeblieben zu sein in der Propaganda aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Propaganda findet man selbstverständlich auch in den Medien, zumal den staatlichen, anderer Länder, aber kaum wird so dick aufgetragen wie in Nordkorea. Auch die Chef-Nachrichtensprecherin des nordkoreanischen Fernsehens zelebriert überschwänglich jeden vermeintlichen Erfolg und gerät gelegentlich in Verzückung.

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Jetzt verkündet die Zeitung Rodong Sinmun gerade, dass Nordkorea "aus Showdown mit den von den USA geführten Imperialisten siegreich" hervorgeht. Das verdanke sich der eigenen Entwicklung und dem Glauben an die eigene Stärke, womit man die größten Erfolge unter den schlechtesten Bedingungen erreichen könne. Die Haltung des koreanischen Volkes gegen den USA sei klar, so lange die nukleare Bedrohung nicht vollständig entfernt wird, "wird es unveränderlich den Weg des Ausbaus der nuklearen Streitkraft folgen", wobei immer wieder darauf verwiesen, alles aus einer Kraft zu leisten.

Natürlich wird die Mitteilung des UN-Sicherheitsrats nach dem Abschuss einer neuen Langstreckenrakete auf den Atomwaffentest mit einer Wasserstoffbombe kritisiert. Je mehr die USA "und deren Vasallen" Druck ausüben und Sanktionen erlassen, desto schneller werde Nordkorea seine nukleare Streitmacht vervollständigen. Am Freitag feuerte Nordkorea erneut eine Langstreckenrakete ab, die mit einer maximalen Höhe 770 km über Japan hinweg 3700 km weit flog. Das ist deutlich weiter, weil in einer flacheren Flugbahn als mit der letzten Rakete, die nach 1000 km ins Meer stürzte, nachdem sie eine Höhe von 3700 km erreicht hatte.

Man freut sich nach dem Atomwaffentest.

Obgleich die USA in Südkorea das THAAD-Raketenabwehrsystem stationiert haben und Kriegsschiffe der Amerikaner, Japaner und Südkoreaner vor Ort sind, die mit dem US-Raketenabwehrsystem Aegis und mit SM-3-Raketen ausgerüstet sind, wurde keine der Raketen abgeschossen. Das Pentagon sagt, Kim Jong-uns "Geschenkpakete" hätten keine Gefahr dargestellt. So sah auch das japanische Militär für Japan keine Gefahr, auch wenn die Raketen über das Land flogen[Link auf https://www.heise.de/tp/features/Warum-wurde-kein-Versuch-gemacht-die-nordkoreanische-Rakete-abzuschiessen-3817115.html].

Man könnte annehmen, die USA und die unter dem Raketenabwehrschirm der Amerikaner stehenden Alliierten würden gerne vermeiden, einen Test des Systems unter Realbedingungen durchzuführen. Die Chance besteht ganz realistisch, was auch die Testversuche unter genau bekannten und vereinfachten Bedingungen immer wieder zeigen, dass ein Abschussversuch scheitern könnte. Das wäre nicht nur eine Blamage für die amerikanische Technik, sondern würde dem Vertrauen in das teure Raketenabwehrsystem, für das die USA letztlich auch den Konflikt mit Russland provoziert haben, in den USA und in anderen Ländern ebenso drastisch beeinträchtigen wie die Glaubwürdigkeit der Abschreckung. Das würde nicht zuletzt das Drohpotenzial Nordkoreas stärken und die Gefahr für das Land senken, dass die USA womöglich doch einen militärischen Angriff starten könnten.

Zunächst hat US-Präsident Donald Trump auf Twitter erklärt, er habe mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon über den "Raketenmann" gesprochen, allerdings hat er wohl keine wirklichen Ideen, wie die USA mit Nordkorea umgehen sollten, zudem bereitete Trump seinen Coup für die UN-Generalversammlung vor, wo er gestern verkündete, dass kein Staat über Gebühr finanziell belastet werden dürfe. Trump will die Vereinten Nationen reformieren und entbürokratisieren, vor allem soll weniger Geld fließen, was die humanitäre Hilfe einschränken würde.

Die Amerikaner haben nach dem letzten Raketenabschuss der Nordkoreaner auch wieder mit einer militärischen Provokation reagiert und damit das Eskalationsspiel fortgesetzt. Am Montag flogen 4 F-35B Lightning II Tarnkampfflugzeuge mit 2 strategischen Bombern des Typs B-1B Lancer vom US-Stützpunkt auf Guam mit japanischen und südkoreanischen Kampfflugzeugen über Korea, um die mächtige Abwehr gegen Nordkorea zu demonstrieren, wie das Pazifikkommando (PACOM) erklärte. Mit "live munition" wurde ein Militärübungsgelände für Angriffsübungen bombardiert, dann flog man auch noch in Formation nahe der demilitarisierten Zone (DMZ), um noch mehr mit den Muskeln nach Nordkorea zu drohen.

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