Warum Trump gegen die Begrenzung der Ölförderung eintritt

Die durch den Austritt Katars weiter geschwächte Opec will eine Drosselung erreichen, was Saudi-Arabien notwendig braucht

Die im Ölkartell Opec (noch) zusammengeschlossenen Länder haben am Donnerstag erneut über eine Förderbegrenzung verhandelt, um den Ölpreis zu stabilisieren oder ihn sogar wieder etwas zum Steigen zu bringen. Obwohl sich schon vor der Sitzung am Donnerstag in Wien diverse Opec-Länder für eine neue Drosselung ausgesprochen hatten, wurde letztlich keine Einigung erzielt. Am Freitag soll nun weiterverhandelt werden. "Wir werden eine Senkung haben", hatte der Ölminister des Omans vor dem Treffen noch überzeugt. Wie Mohammed bin Hamad Al-Rumhi hatte sich auch Nigeria und andere Länder für eine Förderbegrenzung ausgesprochen.

Die Opec, die gerade durch den Austritt von Katar weiter an Bedeutung verloren hat, ist mit dem Preisverfall in den letzten Monaten gar nicht zufrieden. Schließlich hängt die Ökonomie in diversen Förderländern, vor allem in Saudi-Arabien oder Venezuela, fast komplett am Öl. In Venezuela kollabiert die Wirtschaft längst, obwohl der Ölpreis in den letzten Jahren wieder gestiegen ist.

In Saudi-Arabien sieht es wegen hoher Geldreserven zwar noch deutlich besser aus, aber die Tendenz ist fatal. So hatten die Saudis, als 2015 der Ölpreis in die Knie gegangen war, schon ein Rekord-Haushaltsdefizit von knapp 100 Milliarden US-Dollar hingelegt. Das waren mehr als 20% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Mit den wieder gestiegenen Ölpreisen und zuvor im Land völlig unbekannten Sparprogrammen konnten die Defizite in den folgenden Jahren aber nur begrenzt werden. 2016 waren es noch 79 Milliarden und 2017 noch immer gut 50 Milliarden. Für das laufende Jahr sah das Budget einen Fehlbetrag von immer noch 52 Milliarden Dollar und damit weiterhin fast 9% des Haushalts vor.

Man muss kein Mathematik-Künstler sein, stellt man dieses enorme Defizit ins Verhältnis zur Ölpreisentwicklung, um festzustellen, dass Saudi-Arabien ein massives strukturelles Problem hat. Das hohe Defizit erklärt sich 2015 noch einigermaßen, da der Ölpreis zum Teil sogar unter die Marke von 30 US-Dollar pro Barrel gefallen war. Obwohl sich der Ölpreis 2016 schon deutlich stabilisiert hat und vor allem 2017 und 2018 stark gestiegen ist, weist das Wüstenland aber weiter ein sehr hohes Defizit auf, auch weil es sich einen teuren blutigen Krieg im Jemen leistet.

Man beachte, dass Anfang Oktober diesen Jahres ein Barrel sogar deutlich mehr als 80 Dollar gekostet hat, während dafür Anfang des Monats immer noch gut 60 Dollar hingeblättert werden mussten. Bisher wurde allseits davon ausgegangen, dass die Saudis einen Ölpreis zwischen 60 und 70 Dollar für einen ausgeglichen Haushalt brauchen. Das ist offensichtlich Geschichte. Zwar wurde ein solcher Preis 2018 in etwa erzielt, trotz allem rechnet die Regierung weiter mit einem massiven Defizit von 9 %. Somit müsste der Preis eher über 80 Dollar liegen, um einen in etwa ausgeglichenen Haushalt zu erhalten.

Für 2018 könnte das Defizit der Saudis noch deutlich höher als erwartet ausfallen, wenn der Ölpreis weiter in die Knie geht. Am Donnerstag ist er angesichts der erwarteten und ausgebliebenen Förderkürzung wieder deutlich eingebrochen. Die Nordseesorte Brent ist unter die Marke von 60 Dollar gefallen und für die US-Sorte WTI werden gerade noch gut 50 Dollar gezahlt.

Es ist kein Wunder, dass die Scheichs besorgt sind und deshalb erneut an der Fördermenge drehen wollen, um den Preis wenigstens zu stabilisieren oder erneut etwas in die Höhe zu schrauben. Doch, wie Telepolis schon mehrfach festgestellt hat, macht das Ölkartell, das immer mehr an Einfluss verliert, immer stärker die Rechnung ohne den Wirt. Gerade noch ein Drittel der gesamten Ölförderung kommt aus Opec-Mitgliedsstaaten. Nach dem Ausscheiden von Katar ist die Quote weiter gesunken und damit der Einfluss des Kartells auf den weltweiten Ölpreis. Ein großer Player ist inzwischen Russland geworden. Mit Russland verhandelt die Opec auch, um das Land in die Förderkürzung erneut einzubinden. 300.000 Barrel weniger Öl soll das auf den Markt spülen, heißt es aus gut informierten Kreisen.

Aber die Opec macht vor allem die Rechnung ohne die USA. Denn das Land ist inzwischen zum weltweit größten Produzenten aufgestiegen und hat sogar Russland von der Spitzenposition verdrängt und die Saudis sogar auf Rang 3 verwiesen. Das Problem der Opec ist, dass das Kartell mit der bisherigen Förderbegrenzung, und der damit einhergehenden Stabilisierung der Preise, die Fracking-Industrie in Nordamerika vor dem Ruin gerettet hat. Die aufgeblähte Kreditblase platzte letztlich nicht. Die Fracker haben, auch weil zwischenzeitlich durch gestiegenes Wirtschaftswachstum die Nachfrage nach Öl angetrieben hat, Geschäfte wie nie zuvor gemacht.

Die USA haben die einstige Förderkürzung der Opec-Staaten und von Russland nur neue Marktanteile hinzugewonnen. Schon im Sommer 2016 stabilisierte sich die Ölförderung in den USA bei 8,4 Millionen Barrel täglich. Ende 2017 waren es fast wieder 9,7 Millionen Barrel und damit war die Opec-Kürzung fast allein durch die USA kompensiert worden. Die in den letzten beiden Jahren relativ hohen Preise, zudem hatten die Fracker in der Krise die Kosten massiv gesenkt und die Ausbeute aus den Bohrungen erhöht, haben dafür gesorgt, dass die Förderung in den USA ständig neue Rekorde erreicht. Inzwischen werden sogar 11,7 Millionen Barrel pro Tag produziert, so viel wie nie zuvor.

Die Produktion wurde allein im letzten Jahr um eine größere Menge ausgeweitet, als die, um die die Opec sie einst gekürzt hatte. Seit dem Zwischentief im Sommer 2016 wurde die Produktion in den USA fast um 50% erhöht. Dagegen misst sich auch eine erneute geplante Opec-Förderkürzung, die zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Barrel liegen soll, nur sehr bescheiden aus. Das Ölkartell hat erneut die Dynamik der Fracking-Industrie unterschätzt und die eigene Kraft völlig überschätzt.

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