Warum die Bitcoin-Apokalypse ausbleibt

Es gibt keinen permanent steigenden Stromverbrauch, der zum Crash der Kryptowährung führen wird. Replik zum Artikel "Der Bitcoin-Crash ist programmiert" von Christian Kreiß

"Der Bitcoin-Crash ist programmiert", schrieb der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Aalen, Christian Kreiß, am Donnerstag vergangener Woche auf Telepolis. Obgleich der Titel zunächst brisantes erwarten ließ, ist der Artikel von Herrn Kreiß an vielen Stellen inhaltlich fehlerhaft.

Diese fachlichen Fehler verleiteten den Autor wohl zu der Überschrift, die leider ebenso falsch ist. Ich werde im Folgenden daher einige der aufgestellten Behauptungen korrigieren.

Hierbei beziehe ich mich ausdrücklich nur auf die fachlichen Fehler in Kreiß' Argumentation, seine Zahlenangaben habe ich nicht überprüft. Zudem bin ich auch der Meinung bin, dass das Bitcoin-Netzwerk wesentlich zu viel Strom verbraucht. Ich versuche daher, die wirklichen Gründe dafür darzulegen und Alternativen aufzuzeigen.

Bitcoin-Crash? Die falsche Grundannahme von Christian Kreiß

Die Grundannahme im Artikel von Herrn Kreiß lautet, dass der Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks aufgrund seiner Programmierung stetig ansteige. "Der permanent wachsende Stromverbrauch ist ein Konstruktionsfehler von Bitcoin", schreibt er.

Das ist aber nicht der Fall. Der Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks variiert mit dem Wert des Gesamtnetzwerks. Steigt der Wert aller Bitcoins an, nimmt mittelbar auch der Stromverbrauch zu. Sinkt aber der Wert des Netzwerks, dann reduziert sich auch der Stromverbrauch.

Warum Ponzi- und Schneeballsysteme mit Bitcoin nichts zu tun haben

Aus dieser falschen Grundannahme folgert der Autor, dass es sich bei Bitcoin um ein "Schneeballsystem" beziehungsweise ein "Ponzisystem" handelt. Der Autor verwendet diese Begriffe synonym, weshalb hier zwei Richtigstellungen notwendig sind.

Erstens bezeichnet ein Ponzisystem ein wertloses Unternehmen, bei dem frühe Anleger versprochene Renditen aus Einlagen späterer Anleger enthalten. Die späteren Anleger gehen leer aus. Der betrügerische Unternehmer verschwindet in der Regel mit den Einlagen der frühen Anleger.

Das trifft auf das Bitcoin-Netzwerk aus mehreren Gründen nicht zu.

Der Wert des Bitcoins berechnet sich streng nach Angebot und Nachfrage. Da der Kurs in den letzten Jahren tendenziell gestiegen ist, haben frühe Anleger einen Gewinn gemacht.

Es werden keine Renditen ausgezahlt. Die Gewinne der frühen Anleger sind keine Renditen, sondern sind ein Resultat von Wertsteigerungen. Diese wurden in den meisten Fällen nicht realisiert. Das lange Halten der frühen Anleger führt zur Verknappung der Bitcoins und damit zum steigenden Preis. Sollte es zu einem Bitcoin-Crash kommen, verlieren die meisten frühen Anleger ebenfalls.

Das Asset selbst, der Bitcoin, ist frei handelbar und kann jederzeit verkauft werden. Der Autor suggeriert, dass Anleger immer nur neu erschaffene Bitcoins kaufen. Das stimmt nicht. In den 24 Stunden bevor dieser Artikel verfasst wurde, sind 900 Bitcoins erschaffen und 663.000 Bitcoins gehandelt worden.

Als Schneeballsystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die eine ständig wachsende Anzahl von Teilnehmern benötigen. Das wird in der Regel über Provisionen für das Werben neuer Teilnehmer erreicht, die dann ihrerseits Provisionen von neu geworbenen Teilnehmern erhalten.

Die Provisionen addieren sich auf, sodass derjenige, der das System gestartet hat, bei jedem neuen Teilnehmer eine Zahlung erhält. Das System bricht zusammen, wenn der Preis aufgrund der vielen Provisionen zu hoch wird und keine neuen Teilnehmer zu finden sind.

Das Bitcoin-Netzwerk ist aber auch kein Schneeballsystem. Niemand erhält Provisionen für das Werben neuer Teilnehmer.

Da es eine endliche Anzahl Bitcoins gibt und der Bitcoin frei gehandelt wird, berechnet sich der Wert eines Bitcoins jederzeit nach Angebot und Nachfrage. Sollte die Nachfrage sinken, beispielsweise dadurch, dass keine neuen Anleger am Markt sind, sinkt der Bitcoin-Preis sofort auf ein Niveau, auf dem wieder Anleger angesprochen werden.

An dieser Stelle wird das Grundmissverständnis des Autors Kreiß deutlich: Er geht grundlos davon aus, dass der Betrieb des Bitcoin-Netzwerks stetig mehr Strom verbraucht und daher immer teurer wird.

Wenn in einem solchen Szenario die Anleger ausblieben und der Preis sinken würde, könnte der Strom nicht mehr bezahlt werden und das Netzwerk würde zusammenbrechen. Dies ist aber nicht der Fall, da sich der Stromverbrauch dem Wert des Bitcoins anpasst.