Warum die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen kein Problem sind

Es genügt, Cookies wegzuwerfen, um unter dem Radar von Facebook und Co zu bleiben

Die Wogen der Aufregung schlagen hoch (wir haben ja sonst keine Probleme): Facebook, unsere hassgeliebte Online-Eckkneipe, in der jeder Mensch ganz schnell zum Teenager wird, will unser Online-Verhalten noch präziser vermarkten (s. z.B.: Facebook startet die totale Kontrolle). Außer, wir benutzen die Soziale Plattform nicht länger, dann erhält das Zuckerberg-Imperium deutlich weniger Daten über uns (aber deutlich mehr als Null, weil unsere Freunde ja Daten produzieren, die uns mit betreffen).

Die "Daten", die Facebook da vermarkten will, sind weniger unsere eigenen Äußerungen, Kontakte und Konversationen auf der Plattform selbst, sondern unser sonstiges Surfverhalten. Wie geht das? Seit Erfindung des WWW gibt jede Webseite dem Besucher eine winzigkleine Textdatei, die dann in einen Ordner auf dem Computer gespeichert wird. Der blümerante Name dieser winzigen Texte: Cookies. In diesen Cookies steht drin, dass man die Seite schon mal besucht hat, damit man zum Beispiel beim nächsten Besuch schon als alter Bekannter begrüßt werden kann. Natürlich können besuchte Webseiten nicht nur ihre eigenen Cookies lesen, sondern auch die anderer Webseiten. Und sie können aus diesen Informationen eine Art Interessenprofil zusammenstellen und dieses Profil für viel Geld an werbetreibende Firmen verkaufen. Das ist eine zentrale Einnahmequelle für Facebook, Google, Yahoo und andere große Plattformen.

Und wenn man nicht möchte, dass man vordefinierte Werbung und Suchergebnisse angezeigt bekommt? Dann stellt man seinen Browser so ein, dass er die Cookies des aktuellen Internetbesuchs beim Schließen des Programms wegwirft. Wie macht man das? Im Browsermenü: Bearbeiten - Einstellungen - Privatsphäre/Datenschutz - Cookies - beim Beenden löschen. Prompt weiß Facebook beim nächsten Besuch nicht, was wir besonders mögen, und zeigt uns irgendwelche wirren Werbeeinblendungen. Sich durch die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook zu wursteln, lohnt sich übrigens auch - dort sind ein paar Häkchen zu setzen, die unser Leben ein klein wenig privater machen.

Ja, aber? Ist es denn beim Stand der Technik denn nicht etwa möglich, einen Internetnutzer auch ohne Cookies zu erkennen? Ja, natürlich. Mit Hilfe von IP-Adresse (Ort, an dem man den Cyberspace betritt) und Browser-Fingerabdruck (alle Einstellungen des Browsers, installierte Schriftarten, Plugins, Betriebssystemversion etc.) kann man jeden Surfer eindeutig identifizieren. Wo ist der Unterschied zum Cookie? Die Webseiten-Besuchs-Infos werden auf dem Computer (oder Smartphone) des Nutzers gespeichert und können von dort abgerufen werden (außer, sie sind gelöscht). Die Identitätsdaten (IP-Adresse, Browser-Fingerprint) enthalten dagegen keine Informationen über besuchte Webseiten - was für die Werbewirtschaft viel interessanter ist als mein gerade verwendetes Betriebssystem.

Das Interesse könnte man natürlich auch ohne Cookies stillen, indem man für jeden Internetnutzer IP-Adresse, Fingerprint und zugeordnete Webseitenbesuche speichert. Aber das wäre bereits eine Vorratsdatenspeicherung, für privatwirtschaftliche Unternehmen illegal (nur Geheimdienste können sich einfach so über geltendes Recht hinwegsetzen) und, was noch viel wichtiger ist, furchtbar teuer. Google müsste dann, ebenso wie Facebook und jede andere werbeflächenverkaufende Internetfirma, drei Milliarden Nutzer speichern (so viele werden es Ende 2014 sein) und dazu deren zugeordnete Bewegungsprofile (also die Inhalte aller Cookies). Lohnt sich nicht. Das kann - aus Kostengründen - nicht mal die NSA.

Also? Es genügt, Cookies wegzuwerfen, um unter dem Radar von Facebook und Co zu bleiben. Gegen den Rechtsbruch durch unsere Geheimdienste müssen wir natürlich trotzdem vorgehen. Oder hat man je davon gehört, dass exponentiell zunehmende totalitäre Überwachungsmittel zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit geführt hätten? Vor Facebook und Google muss dagegen niemand Angst haben, die sind von der Macht der Konsumenten abhängig. Das allgemeine Verwerten von Cookies war übrigens vorher schon technisch möglich und wurde auch genutzt. Nur steht es jetzt in den AGB. Eigentlich nett von Facebook, oder?

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