Warum ist die erste Million E-Mobiles in Deutschland immer noch nicht auf der Straße?

Die lokalen Stromnetze scheinen die aktuelle Zahl der E-Mobile nicht zu fürchten

In den meisten Fällen sollte das lokale Stromnetz auch über ausreichende Kapazitäten verfügen. Die jeweils zuständigen Netzbetreiber halten sich da jedoch mit verbindlichen Aussagen gerne zurück. Zu ungewiss ist die absehbare Auslastung durch das Laden von E-Mobilen und die mögliche Gleichzeitigkeit des Ladebeginns nach Feierabend derzeit noch kein Problem. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass mit der Rückkehr nach Hause neben dem Fahrzeug-Ladebeginn auch die Waschmaschine und der Elektroherd fast gleichzeitig in Aktion treten und Strom benötigen, scheint bei den geringen E-Mobil-Beständen weniger Sorge zu bereiten als die Unregelmäßigkeit der Einspeisungen der Erneuerbaren.

Bei der Frage, wie viele Schnelladestationen in einem konkreten Ortsnetz realisierbar sind, werden die Netzbetreiber gerne ziemlich einsilbig. Denn da kommen die bestehenden Netze gerne an ihre Belastungsgrenzen. Man kann nun die Netzkapazitäten ausbauen, aber dies bindet Kapital, das sich über die Durchleitungsgebühren nicht zeitnah refinanzieren lässt. Dazu ist die Bestandsdichte bei den E-Kfz noch immer viel zu gering und die Regulierung der Durchleitungskosten lässt nur wenig finanziellen Spielraum.

Mehr als 50 Prozent der Haushalte in Deutschland wohnen nicht im Eigenheim, sondern in einem Mehrfamilienhaus. Und wer nun das Pech hat und in einem Mehrfamilienhaus wohnt, hat durchaus schlechte Karten, wenn er seinen Garagenplatz über Nacht zum Aufladen seines E-Fahrzeuges nutzen will.

So muss bei Eigentumswohnungen die Eigentümergemeinschaft der Installation des Ladepunktes zustimmen und sich an den Kosten der Installation beteiligen. Welche Hindernisläufe ein potentieller E-Fahrzeug-Halter hinter sich bringen muss, wurde kürzlich unter dem Titel Wie kommt der Strom in die Tiefgarage? ausführlich geschildert.

Es scheint offensichtlich noch längere Zeit zu dauern, bis auch die Mehrheit der deutschen Haushalte, die nicht das Glück hat, im Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhaus mit eigenem Fahrzeugstellplatz am Haus zu wohnen, als Kunde für ein E-Mobil infrage kommt. (Christoph Jehle)

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