Warum kein Pfand auf Hundefutter ?

Eine Wegwerfvermeidungsabgabe für Elektrogeräte wirkt nur auf den ersten Blick wie eine gute Idee

Seit Jahren wird in unregelmäßigen Abständen beklagt, dass Elektrokleingeräte im Hausmüll entsorgt werden oder sich zuhause in Schubladen ansammeln. Dadurch gingen der Wirtschaft wertvolle Rohstoffe verloren. Daher empfehle sich ein Pfandsystem für Elektrogeräte. Damit könne ein Anreiz geschaffen werden, dass die Elektrogeräte ihren Weg ins Recycling finden.

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"Der verlorene Schatz. Deutschland gehen die Rohstoffe aus. Dabei liegen sie im Müll - und könnten gehoben werden, titelte die Zeit im Mai 2012. Im Februar 2014 legte sie mit der Meldung: "Die Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, befürwortet eine Pfandpflicht für kleine Elektro- und Elektronikgeräte, wie zum Beispiel Handys" nach. "Wir wissen", so Thieme, "dass Millionen Alt-Handys in Schubladen liegen. Die Rohstoffe darin können zurückgewonnen werden."

In welchem Umfang Smartphones über den Haushaltsmüll entsorgt werden, ist unbekannt. Die großen Müllentsorger haben dazu keine Zahlen oder wollen sie nicht kommunizieren. Da in den kommunalen Recyclinghöfen nur wenige der mobilen Geräte abgegeben werden, nimmt man an, dass sie im Hausmüll landen. Möglicherweise schlummern sie bis zum nächsten Umzug in einer Schublade.

Wer jetzt fordert, dass der Verbraucher sein abgelegtes Smartphone nicht in einer heimischen Schublade zur letzten Ruhe bettet, muss ihm einen Anreiz geben, dass er sein Gerät gezielt dem Recycling zuführt. Und da steht das Pfand auf Elektrogeräte ganz unvermittelt wieder im Mittelpunkt. Diesmal wird es an den angeblich unschuldig weißen Geräten von Apple festgemacht: "Ein Pfand auf Elektrogeräte muss her."

Kinderarbeit bei der Coltan-Gewinnung im Kongo zählt mit Sicherheit zu den erschreckenden Schritten der Wertschöpfungskette mobiler Elektronikprodukte, keine Frage. Die Frage, ob es besser wäre, wenn die Bevölkerung im Kongo anstelle der Arbeit im Dreck des Coltan-Abbaus gar keine Arbeit habe, weil Coltan aus dem Recycling den Markt beherrscht, klingt zynisch, bleibt aber auf Jahre hinaus doch eher hypothetisch.

Denn noch lohnt sich das Recycling der Rohstoffe in einem Smartphone kaum. So wird das Lithium in den Lithium-Ionen-Akkus der Handys bis heute nicht wiederverwertet, sondern verbrannt oder thermisch recycled. Wenn es noch positiver beschrieben werden soll, nennt man den letzten Schritt dann "energetisches Recycling" in der Annahme, dass die Verwertung in einem Müllkraftwerk erfolgt, wie sie die Stadtreinigung von Peking gerade in großer Stückzahl in Deutschland aufkauft.

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