Warum sind die USA verrückt geworden?

Bild: Pentagon

Ein Versuch, die politisch-militärische Hysterie im Fall Skripal einzuordnen und danach zu handeln - Ein Gastkommentar

Der Giftanschlag auf den ehemaligen Agenten Sergej Skripal und die Folgen ist seit Tagen beherrschendes Thema der Berichterstattung, auch bei Telepolis. Der Autor versucht dabei, die Ereignisse in einen allgemeineren Kontext einzuordnen, die in den hier verlinkten, teils ausgezeichneten Artikeln schon besprochen wurden.

Zu dem Mordanschlag gibt es zunächst viele technischen Fragen, die in den Leitmedien weitgehend unerwähnt bleiben. Hierzu hat sich hochkompetent der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, in seinem Blog geäußert, brisante Fakten recherchiert und eine Reihe von Fragen gestellt ( deutsche Übersetzung bei den Nachdenkseiten).

Murray weist nach, dass die Beschuldigungen der britischen Regierung einer sachlichen Grundlage entbehren und wohl gegen den Widerstand der Wissenschaftler im Versuchslabor Porton Down erfolgten. Ebenfalls ausgeblendet aus der Mainstream-Berichterstattung sind kriminalistische Fragen wie nach dem derzeitigen Umfeld des Täters, seiner Tätigkeit und nach möglichen Motiven. Es ist doch bemerkenswert, dass Sergej Skripal anscheinend Kontakt zu Christopher Steele hatte, dem Ersteller des berüchtigten Trump-Dossiers. Hinsichtlich der Beschuldigung der russischen Regierung schließt sich die Frage nach dem Motiv der Ausführung an. Warum jetzt, warum überhaupt, warum ausgerechnet auf so spektakuläre Weise? Können Geheimdienste Morde etwa nicht mehr unauffällig erledigen?

Der politische Durchknall

Mit der Formulierung, es gebe "keine andere plausible Erklärung" als die russische Täterschaft, verwendet auch vom Auswärtigen Amt, beginnt endgültig das pathologische Denken. Es spricht nicht nur rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn, dass Russland seine Unschuld zu beweisen habe; der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper hätte die These der Täterschaft als nicht falsifizierbare Ideologie eingeordnet - gibt es denn in westlichen Ermittlerköpfen noch irgendetwas, das Russland entlasten könnte?

Fakt ist, dass es eine ganze Reihe von Ländern, aber vor allem eine unübersehbare Anzahl von Kriminellen gibt, die Zugang zu dem Gift haben konnten. Wenn Russland auf diese vielen denkbaren Alternativen hinweist, wird entgegnet, es "stifte Verwirrung" mit "sich widersprechenden Geschichten". Geht es noch dümmer?

Ja. Denn bisher ist dieser Anschlag nicht mehr und nicht weniger als ein ungelöster Kriminalfall. Ihm eine politisch-militärische Dimension anzudichten, wie es jetzt geschieht, ist vielleicht die allergrößte Absurdität in dem derzeit aufgeführten Theater.

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