Warum wird ausgerechnet das Dach von Skripals Haus abgebaut und erneuert?

Britische Seltsamkeiten: Das Militär baut wie um einen havarierten Reaktor ein Gerüst, um über vier Monate die Dächer von Haus und Garage auszutauschen, die Kontamination soll an der Türklinke geschehen sein

Blickt man dieser Tage nach Großbritannien, wirkt nicht nur das Getue um den Brexit reichlich seltsam und unüberlegt. Es ist fast schon ein bisschen lästig, das immer wieder zu dokumentieren, aber es scheint notwendig zu sein, weil andere Medien nur das vorgegebene Narrativ wiederholen und, aus welchen Gründen auch immer, eine kritische Berichterstattung eingestellt haben.

Da finanziert eben jene Regierung, die den Brexit umsetzen will, der sich angeblich auch durch russische Beeinflussung beim Referendum knapp durchsetzen konnte, die Integrity Inititiative, die für antirussische Stimmung sorgen soll. Und dann gibt es immer weiter, seltsame Informationseskapaden der britischen Regierung und mancher Medien, wenn es darum geht, die Russen für den seltsamerweise nichttödlichen Nervengiftanschlag mit Nowitschok auf die Skripals just dann verantwortlich zu machen, als die Tochter ihren Vater besuchte.

Viele Fragen bleiben beim Skripal-Anschlag unbeantwortet. Es ist nicht einmal klar, ob die Skripals sich tatsächlich beide beim Verlassen des Hauses an der Klinke mit dem angeblich dort angebrachten Nowitschok an einem regnerischen Tag kontaminiert haben und dann noch Stunden in Salisbury in zwei Kneipen verbrachten, bis sie auf einer Parkbank zusammenbrachen. Sehr seltsam ist auch, dass die beiden Skripals, angeblich wieder gesundet, weiter unter Verschluss gehalten werden.

Über den britischen Telegraph wurde gerade die Nachricht in die Welt gesetzt, dass es ihnen gut gehe, sie mit Freunden und Verwandten in Kontakt stünden, sie sich weitgehend frei bewegen könnten und letztlich alles von ihrer Entscheidung abhänge. Daran kann man tatsächlich zweifeln (Skripals: Alles ist gut, auch wenn sie in Isolation bleiben). Der russische Botschafter machte dies auch prompt in einem inszenierten Frage-Antwort-Spiel, bei dem man sich auch fragen kann, was das soll. Die Mutter von Sergei habe nicht mit ihm oder Julia seit März 2018 sprechen dürfen, zudem verweigere die britische Regierung einen konsularischen Besuch der russischen Bürger. Man wolle so ihren Aufenthaltsort verbergen. Nach der russischen Botschaft sei dies ein Zeichen dafür, dass die Skripals "gewaltsam" festgehalten werden, "während die wahren Umstände des Vorfalls am 4. März noch nicht geklärt sind".

Seltsam mutet nun auch an, was mit dem Haus von Skripal in Salisbury geschehen soll, das angeblich bereits über Monate hinweg dekontaminiert worden ist. Britische Medien berichten, dass nach einem Brief von Tracy Daszkiewicz, zuständig für öffentliche Gesundheitsvorsorge im Wiltshire Council, an die Nachbarn von Skripal nun das Militär die Dächer von Haus und Garage von Skripal aufwendig entfernen will. Der Vorgang soll vier Monate dauern.

Man muss sich schon fragen, ob das Dach irgendwie kontaminiert worden sein könnte, wenn die Täter angeblich das Nervengift an der Klinke angebracht haben sollen - man muss davon ausgehen, dass dies außen geschehen sein soll, da von einem Einbruch nicht die Rede war. Wenn die beiden Skripals sich beim Verlassen des Hauses an der Klinke kontaminiert haben sollen, könnte man sich auch fragen, warum denn beide sie berührt haben sollen. Aber es könnte ja sein, dass etwa Sergei seiner Tochter im Anschluss die Hand gegeben haben könnte … Dazu war das Nervengift nicht einmal tödlich. Kriecht es von der Türklinke über die Wände auf die Dachbalken? Verteilt es sich über die Luft? Oder soll mit dem aufwendigen Vorgehen die Gefährlichkeit betont werden?

Zunächst soll wohl ein Gerüst errichtet werden, um das gesamte Gebäude abzudecken. Das soll einen Monat dauern. Dann sollen die Dächer innerhalb von zwei Wochen entfernt werden. Alle Teile würden eingepackt und versiegelt werden, bevor sie weggebracht werden. Und dann sollen Haus und Garage neue Dächer erhalten. Sonderlich beeindruckend ist das Haus nicht. Warum wird es nicht gleich ganz abgerissen? Warum reicht es nicht, die Haustür auszuwechseln? Den Nachbarn wird versichert, das Risiko des Vorhabens sei gering. Was soll denn auch passieren können?

Die Erklärung ist, so berichtet BBC, dass eine Kontamination von der Tür zum Dach gelangt sein könnte. Die Dachbalken seien aus Holz, das sei schwieriger zu reinigen. Wie das Nervengift von der Klinke, die die Skripals beim Verlassen des Hauses berührt haben, zum Dach gelangt sein könnte, bleibt das Geheimnis der britischen Behörden.

Noch würde das Haus Skripal gehören, es sei nicht klar, ob er zurückkehren wolle. Der Stadtrat wolle nur sicherstellen, dass das Haus, falls es verkauft werden sollte, auch ein Privathaus bleibt. Die Gemeinde habe auch das Vorkaufsrecht. Im Juni hieß es noch, die Regierung wolle das Haus von Skripal, dessen Auto und persönliche Gegenstände für 350.000 Pfund (fast 400.000 Euro) kaufen. Warum nicht mehr? Auch das ist alles wirr, auffällig eben auch, dass die britischen Medien - staatstreu? - offenbar nicht nachfragen. (Florian Rötzer)

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