Was Impfgegner wirklich überzeugt

Überwunden geglaubte Infektionskrankheiten feiern in den Industriestaaten ein Comeback, weil die Impfraten sinken. Was hilft gegen irrationale Ängste?

Im vergangenen Herbst erlebte Berlin eine Welle von Masern-Infektionen, die bis ins Frühjahr 2015 andauerte und eine deutlich vierstellige Zahl von Erkrankten zählte. Ein Kleinkind verstarb an den Folgen der Krankheit, die 2015 in Deutschland eigentlich schon ausgerottet sein sollte. Die Epidemie hat eine Diskussion neu angefacht, die sich rund um die moralische oder gar rechtliche Pflicht dreht, sein Kind einem minimalen Risiko auszusetzen, um damit ein circa 1000 Mal höheres Risiko abzuwenden.

Doch wie überzeugt man Impfgegner von den Vorteilen der Immunisierung, wenn Daten und Fakten nicht helfen? Dazu liefert jetzt ein Artikel in den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften interessante Ansätze. Die Forscher haben nämlich verglichen, mit welcher Art von Maßnahme besorgte Eltern am ehesten ihre Meinung ändern.

Nachdem eine frühere Studie bereits gezeigt hatte, dass weder sachliche Information über die tatsächlichen Impfrisiken noch drastische Warnungen vor den Folgen der Krankheit zu dauerhaftem Erfolg führen, haben die Wissenschaftler nun eine etwas andere Herangehensweise gewählt.

Nach einer Online-Befragung erhielten Eltern unterschiedliche Informationen. Eine Kontrollgruppe bekam Material zu lesen, das mit dem Thema gar nicht zu tun hatte. Eine andere Gruppe befasste sich mit Informationen zum Thema Impfrisiko, während eine dritte Gruppe den Bericht einer Mutter über die Masern-Erkrankung ihres Kindes las.

Tatsächlich veränderte sich in einer nachfolgenden Befragung nur bei der letzten Gruppe die Bereitschaft, die eigenen Kinder impfen zu lassen. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass abstrakte Informationen offenbar weniger wirkungsvoll sind als emotionale Bilder, die sich auf die elterliche Sorge um den Nachwuchs beziehen. Die stärksten Veränderungen ergaben sich demnach bei den Befragten, die sich zuvor besonders skeptisch gezeigt hatten. (Matthias Matting)

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