Was kann Clubhouse?

Über keine Social-Media-App wird derzeitig heißer diskutiert als über Clubhouse. Doch was hat es damit auf sich und ist der Hype gerechtfertigt?

Seit einem heiß diskutierten Auftritt des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow bei einer Debatte von Clubhaus ist diese Social-Media-App in aller Munde. Auch wenn deren Konzept vielversprechend sein mag, gibt es viel zu kritisieren.

Clubhouse ist zunächst einmal eine rein Audio-basierte Social-Media-App. Das ist der erste entscheidende Unterschied zu Facebook, Twitter und Co. Anstelle von Bildern, Videos, Kommentaren und Likes gibt es in der Clubhouse-App lediglich virtuelle "Rooms". Hier finden oftmals themenbasierte Diskussionen statt, denen man beitreten oder folgen kann. Sofern man denn eine Einladung erhalten hat. Denn bisher es nur möglich, Clubhouse beizutreten, wenn man ein "Invite" von einem Clubhouse-Mitglied erhält. Die Exklusivität des Einladungsprinzips ist mit Sicherheit ein Grund für den aufbrandenden Hype.

Die App soll den Austausch zwischen Menschen ermöglichen, die gleiche Interessen verfolgen. Offene Diskussionen mit Experten stehen neben virtuellen Panels und Podcasts in einer neuen Form. Durch die reine Audio-Funktion können sich Gleichgesinnte auf spontanem Wege unkompliziert untereinander austauschen und Anschluss finden. Das scheint gerade in Corona-Zeiten für viele Menschen einen Nerv getroffen zu haben.

Die Vernetzung kann dabei auch in geschlossenen Räumen stattfinden. In der App gibt es unterschiedliche Rollen der User: Moderatoren, die Diskussionen leiten und User zu Sprechern machen können. Sprecher, die an Diskussionen teilnehmen und Wortbeiträge leisten können. Und Zuhörer, die jede Diskussion verfolgenkönnen auch ohne eigene Wortbeiträge zu leisten. Wer doch etwas beitragen will, signalisiert den Moderatoren per Knopfdruck den Wunsch für einen Wortbeitrag. Zudem können Diskussionen im Voraus geplant und mittels Kalenderfunktion einer Vielzahl an Nutzern angekündigt werden.

Auch wenn Clubhouse erst kürzlich zum Gesprächsthema in Deutschland wurde, ist sie nicht ganz neu. Bereits vor einem Jahr ging sie online und wurde im Mai 2020 bereits mit satten 100 Millionen US-Dollar bewertet, obwohl erst 1.500 Nutzer registriert waren. Derzeitig gibt es rund 600.000 aktive Nutzer. Entwickelt wurde Clubhouse von den Gründern Paul Davison und Rohan Seth mit ihrer Firma Alpha Exploration Co. Davison geriet bereits mit seiner Erfindung Foto-App "Shorts" in die Schlagzeilen. Sie forderte User auf, ihre gesamte Fotomediathek sichtbar für jeden öffentlich zu stellen. Mittlerweile ist der Service nicht mehr existent.

Nicht alle sind im Club(house) willkommen

Die Exklusivität bezieht sich allerdings nicht nur auf das Einladungsprinzip, sondern auch auf das Betriebssystem. Denn die App funktioniert lediglich mit dem Betriebssystem iOs, also mit einem IPhone. Android-User schauen hingegen komplett in die Röhre. Der Ausschluss eines Großteils der Bevölkerung, der sich kein teures Apple-Produkt leisten können, ist natürlich bedenklich. Wer durch die virtuellen Räume von Clubhouse streift, merkt schnell, dass der Ausschluss gewollt ist.

Der Austausch mit Größen aus Politik, Musik, Wirtschaft oder Tech- und Gründerszene suggeriert Nähe und das Gefühl, Teil einer besonderen Community zu sein. Da ist es nicht weithergeholt, wenn manch einer von Clubhouse als neuem Treffpunkt der Eliten spricht, wo man unter sich ist, weit weg von lästigen, hasserfüllten Nutzern und Schlagabtauschen auf Twitter.

Doch die App schließt nicht nur im Voraus Android-User aus. Denn wer auf Clubhouse an Diskussionen teilnehmen möchte, muss immer live dabei sein. Es muss also Zeit zum Zuhören und Mitreden aufgebracht werden, die viele Menschen durch beispielsweise Lohn- oder Care-Arbeit nicht aufbringen können. Durch die rein Audio-basierte App können Gehörlose oder hörgeschädigte Menschen ebenso wenig teilhaben. Solange der Ausschluss der Vielen mit dem Exklusivitätsprinzip aufrechtherhalten wird, muss die App weiterhin kritisch betrachtet werden. Erst recht, wenn die App im Wahljahr 2021 als Plattform für Austausch, Diskussion und Diskursteilhabe gelobt wird.

Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die fehlende Moderation seitens der Betreiber innerhalb der virtuellen Räume. Hatespeech und Belästigungen sind auf Social-Media-Plattformen leider derzeitig allgegenwärtig und machen auch vor Clubhouse nicht halt. Der Betreiber greift hier weder moderierend in Diskussionen ein, noch gibt es für User die Möglichkeit, Verstöße auf der Plattform unmittelbar zu melden. Laut den letzten Meldungen soll dieser Problematik mittels neuer Meldefunktionen und eigener Community-Guidelines entgegengewirkt werden. Wie die Umsetzung tatsächlich abläuft, bleibt abzuwarten.