Was stellt für Kampfroboter ein "akzeptables Maschinenverhalten" dar?

Immerhin beschäftigt sich ein Bericht des britischen Verteidigungsministeriums mit den heiklen Fragen des Roboterkriegs, gibt aber keine Antworten und vermeidet die Diskussion entscheidender Probleme

Der Drohnenkrieg, den die USA seit Jahren zuerst gelegentlich im Irak oder in Jemen, dann aber vor allem im pakistanischen Grenzgebiet führt, ist nur der Auftakt. Der massive Einsatz von ferngesteuerten Kampfrobotern in der Luft, auf der Erde, auf und unter dem Wasser in weiteren Konflikten wird kommen, wann die ersten autonomen Kampfroboter auftauchen, ist eine Frage der Zeit und der Rüstungsspirale.

Piloten von Drohnen am sicheren Arbeitsplatz fern vom Kriegsschauplatz, in dem sie Menschen verfolgen, angreifen und töten. Bild: MoD

Man darf nicht vergessen, dass die Technik, die nun die reichen Staaten schützt und Teile ihrer bewaffneten Kräfte ersetzt, bald nicht nur anderen staatlichen Akteuren, sondern auch Aufständischen, bewaffneten Gruppen, kriminellen Organisationen und Terroristen zur Verfügung stehen wird. Dann wird alle Zurückhaltung fallen, die möglicherweise noch herrscht, auch wenn die mit den Drohnen realisierte Strategie der gezielten Tötung nicht von Kämpfern, sondern auch nur von Verdächtigen.

Ob die USA mit dem Einsatz der bewaffneten Drohnen in Pakistan gegen internationale Abkommen wie die Genfer Konventionen verstoßen, zumal Pakistan offiziell kein Kriegsgebiet ist, ist umstritten (Terroristische Journalisten?). Wenn nichtstaatliche Akteure ferngesteuerte Waffensysteme einsetzen, werden internationale Abkommen vermutlich zur Makulatur, wie dies auch jetzt bei Terroranschlägen der Fall ist. Umgekehrt ist zu erwarten, dass in einem solchen Fall auch die Bekämpfung mutmaßlicher Terroristen noch bestehende rechtliche und moralische Grenzen überschreiten wird. Die Hisbollah hatte bereits unbewaffnete Überwachungsdrohnen, vermutlich aus Iran, gegen Israel eingesetzt, wenn auch nur als symbolische Geste. Weil ferngesteuerte Kampfsysteme relativ billig und effektiv sind, vor allem auch helfen, das Leben der eigenen Kräfte zu schonen, werden sie weiterhin massenhaft entwickelt, produziert und gekauft werden und die Schwelle zum militärischen Konflikt auch allgemein senken.

Die Kampfdrohne Reaper, die den Roboterkrieg möglich machte und auch vom britischen Militär eingesetzt wird. Bild: MoD

Immerhin setzt sich nun auch ein Bericht des britischen Verteidigungsministeriums mit der Zukunft des Krieges auseinander, wenn Drohnen, vor allem bewaffnete Drohnen, mehr und mehr das Feld übernehmen - vor allem in den urbanen, dicht besiedelten Kampfgebieten, in denen die Kriege in der Zukunft stattfinden werden. Jetzt schon würden Drohnen eine "zentrale Rolle in der modernen Kriegsführung" spielen, so dass, wenn eine gewisse Schwelle überschritten werde, sich eine militärische Revolution ereigne.

Obgleich diese Zukunft vor Augen liege, seien wichtige Fragen noch unbeantwortet, weswegen man sich vielleicht "unwillentlich auf einer Reise in eine Terminator ähnliche Wirklichkeit" befindet. Dringlich wird gemahnt, dass Großbritannien angesichts einer immer schnelleren technischen Entwicklung zur Klarheit darüber kommen müsse, "was in der Zukunft ein akzeptables Maschinenverhalten sein" wird. Die Zeit dafür werde knapp, wenn es nicht schon zu spät sei.

The most likely scenario between now and 2030 is of a manned/ unmanned mix that sees a slow but steady increase in the unmanned element.

Beschränkt wird der Bericht, der vom Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC) verfasst wurde, allerdings dadurch, dass vornehmlich Drohnen diskutiert werden, nicht aber andere (Kampf)Roboter. Klar wird gesagt, dass unbemannte Systeme vor allem deswegen begehrt sind, weil sie Kosten und die Gefahren für das eigene Personal reduzieren (sollen). In weiten Teilen werden Vor- und Nachteile von Drohnen gegenüber Flugzeugen diskutiert, die von Piloten an Bord gesteuert werden. Breit wird auch geschildert welche Drohnen es gibt, welche Systeme gerade entwickelt werden und welche Eigenschaften sie haben müssten, beispielsweise in Schwärmen zu agieren und mit anderen Systemen und Techniken interoperabel zu sein. Zudem entstehen neue Anforderungen, wenn (größere) Drohnen nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch im zivilen Luftraum eingesetzt werden.

"Nano- und Mikrosysteme besitzen das Potenzial, die Kriegsführung zu revolutionieren." Bild: MoD

Rechtlich gesehen würde sich der Einsatz von ferngesteuerten Drohnen nicht von normalen Flugzeugen unterscheiden, zumal die Genfer Konventionen alle Waffensysteme abdecken. Allerdings werden es große technische Neuerungen für automatisierte und autonome Systeme geben müssen, um beispielsweise sicherzustellen, dass nur militärische Ziele angegriffen und zivile Opfer möglichst vermieden werden. Interessant aber ist schon die Frage, ob der Pilot, der eine bewaffnete Drohne in Afghanistan von seinem Arbeitsplatz in den USA im Fernkrieg steuert, ein legitimes Ziel für einen Taliban-Sympathisanten wäre, wenn er von der Arbeit nach Hause geht. Würde ein solcher Angriff "eine militärische Aktion nach dem internationalen Recht oder einen Mord nach den Gesetzen des jeweiligen Staates" darstellen?

Insgesamt werden eher Fragen aufgeworfen, als dass sie beantwortet werden. Kampfroboter könnten dazu führen, dass leichter und mehr Kriege oder Interventionen ausgeführt werden. Andererseits könnte der Einsatz von Kampfrobotern als feige erscheinen und zu mehr Kollateralschäden führen, so dass der Widerstand verstärkt würde. Wenn die Kriegsführung mit den technischen Mitteln für die Menschen zu komplex würde und man deswegen mehr und mehr autonome Systeme einsetzt, dann könnte dies auch wieder Hass und Ablehnung schüren, vermuten die Autoren des Berichts.

Der von BAE Systems im Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums entwickelte Prototyp der Kampf- und Aufklärungsdrohne Mantis. Bild: MoD

Moralisch sei es ein Problem, weil Künstliche Intelligenz keine Empathie habe, weil für sie ein Schulbus und ein Panzer dasselbe sei, weil sie keine Zwecke verfolge, sondern nur Befehle verfolge. Militärisch werden in der Tat wohl die effektivsten Killermaschinen gewünscht, die sich stur an irgendwelche Regeln und Befehle halten, Man könnte allerdings die Killermaschinen, die es ja übrigens auch unter Menschen gibt, wie Kriege immer deutlich machen, zumindest theoretisch auch reflexiver und emotionaler machen, womit sie eben autonomer werden und möglicherweise der Steuerung entgleiten. Dann aber wäre der Vorteil dahin, denn eine maschinelle Intelligenz im Krieg nach den Autoren auch besitzt, nämlich ohne Emotionen und ganz cool zu handeln, wodurch die "Kriegsführung ethischer und legaler" werden könne.

Diskutiert wird zwar, dass die Gegner in asymmetrischen Konflikten - an symmetrische Kriege will man offenbar nicht wirklich denken - Mittel gegen Drohnen und andere Roboter sowie den Fernkrieg finden werden, aber man lässt auch außer Acht, dass der Gegner selbst Kampfroboter einsetzen könnte. Die Perspektive würde die weitere Aufrüstung sehr viel weniger plausibel und die Szenarien sehr viel komplexer machen. Dann würden die Kriege, die man in der Ferne führt, nicht nur Terroranschläge durch menschliche Gegner in der Heimat oder anderen Orten bewirken können, sondern eben auch durch ferngesteuerte oder autonome Roboter.

Welche Folgen dies hätte, daran scheint man lieber nicht denken zu wollen - und will auch niemand darauf stoßen. Daher gibt man u.a. nur zu bedenken, dass die eigenen Kampfroboter auch durch Cyberangriffe beeinträchtigt werden könnten oder dass es noch ungeklärte "rechtliche, ethische und moralische" Probleme gibt. Der Tenor scheint zu sein: Wir haben ja alles angesprochen, der Zug aber ist abgefahren - und schließlich setzt man weiter auf Drohnen und andere Robotsysteme. (Florian Rötzer)

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