Wasserkrieg um Palästina

Betroffen sind neben Dschenin Dörfer bei Salvit und Nablus. Hellbraun und Grün ist die Area C eingezeichnet. Karte: B'Tselem

Israelisches Unternehmen sperrt palästinensischen Städten und Dörfern im Westjordanland die Wasserversorgung

Wie das palästinensische Außenministerium Ende vergangener Woche mitteilte, verurteilt Rami Hamdallah, Premierminister von Palästina, die Entscheidung des israelischen Wasserunternehmens Mekorot, mehreren palästinensischen Städten und Dörfern im Norden des Westjordanlandes die Wasserversorgung abzustellen. Wegen der Maßnahme haben Zehntausende Palästinenser während des Fastenmonats Ramadan keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Israel möchte auf diese Weise verhindern, dass Palästinenser ein Leben in Würde führen können, während illegale israelische Siedlungen eine ununterbrochene Wasserversorgung genießen, so Hamdallah. Man stiehlt das Wasser und zwingt Palästinenser damit große Summen auszugeben, um ihr eigenes Wasser zurückzukaufen, teilte der Premierminister nach Angaben des Außenministeriums in einer Stellungnahme weiter mit.

Betroffen sind neben Dschenin Dörfer bei Salvit und Nablus. Hellbraun und Grün ist die Area C eingezeichnet. Karte: B'Tselem

Jamal Dajani, Direktor für Medien und Kommunikation im Außenministerium, sprach von einem "unmenschlichen und abscheulichen" Vorgehen des israelischen Wasserkonzerns und einem Wasserkrieg gegen Palästina. Es würde Israel nicht ausreichen, sich Land und Ressourcen anzueignen, "sie verweigern den Palästinensern auch ihr Recht auf Wasser", so Dajani. Dazu siehe auch den Amnesty-Bericht Troubled Waters.

Update: Israel widersprach der Darstellung und erklärte, man habe die Wasserversorgung sogar erhöht. Es habe nur einen kurzzeitigen Ausfall wegen einer beschädigten Röhre gegeben.

Überdies fordert das palästinensische Außenministerium die Festnahme des Rabbiners Shlomo Mlmad, Vorsitzender des sogenannten Rats der Rabbiner im Westjordanland, nachdem dieser israelische Siedler dazu aufgefordert haben soll, das Wasser der Palästinenser zu vergiften, wie die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA unter Berufung auf die israelische Nichtregierungsorganisation "Breaking the Silence" mitteilt (diese Meldung wurde allerdings später als Hoax gewertet, siehe Update am Ende des Textes. Einf.d.Red.)

Ziel sei es, durch das Vergiften des Wassers im Westjordanland, die Palästinenser aus ihren Städten und Gemeinden zu vertreiben, damit die Siedler das Land übernehmen können, zitiert WAFA Yehuda Shaul von "Breaking the Silence". Das palästinensische Außenministerium macht die israelische Regierung für die Konsequenzen solcher Forderungen verantwortlich und bezeichnete den Aufruf des Rabbiners als Anstiftung zum Mord.

Rund 500.000 jüdische Siedler leben aufgrund der expansiven israelischen Siedlungspolitik in über 100 Siedlungen, errichtet seit 1967, in den besetzten Gebieten, was die Gründung eines palästinensischen Staates zunehmend erschwert.

Update: Die Meldung über den Rabbi ist höchstwahrscheinlich ein von interessierter Seite in die Welt gesetztes Gerücht, berichtet Richard Silverstein. Es erweckt zunächst Glaubwürdigkeit, weil Siedler tatsächlich bereits Brunnen vergiftet haben.

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