Wasserwanzen balzen am lautesten

Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße haben Wissenschaftler nun die bislang größten Krachmacher entdeckt

Haben Sie schon einmal Wasserwanzen singen hören? Angeblich können balzende Männchen der Art Micronecta scholtzi unter Wasser so laute Geräusche - oder Gesänge - erzeugen, dass sie außerhalb noch zu hören sind, obgleich vom Wasser praktisch 99 Prozent der Lautstärke verschluckt wird. Die Frequenz der Lockgesänge (10 kHz) , mit denen sie im Rahmen der sexuellen Selektion die Aufmerksamkeit der Weibchen locken und wohl die Konkurrenten übertrumpfen wollen, ist auch für das menschliche Ohr hörbar. Allerdings scheinen die Männchen auch im Chor singen zu können. Möglicherweise erlaubt das einen noch besseren Vergleich.

Micronecta scholtzi. Bild: PLoS

Die französischen und britischen Wissenschaftler glauben, mit den in einem Fluss bei Paris eingesammelten und im Labor beobachteten Wasserwanzen, die immerhin in der Spitze 99,2 dB, manchmal sogar mehr als 100 dB an Lautstärke in einem Meter Entfernung produzieren können, die bislang lautesten Lebewesen gefunden zu haben, geht man von der Körpergröße aus. Dabei sind sie durchschnittlich gerade einmal 2,2 mm groß. Ihre "Lieder" haben gewissermaßen 3 Strophen.

Normalerweise benötigen Lebewesen für laute Töne große Körper, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Artikel, der in der Open Source Publikation PLoS One erschienen ist. Deswegen gehören Elefanten oder Wale zu den Tieren, die die lautesten Töne erzeugen können. Allerdings nicht, wenn man die Lautstärke mit der Körpergröße vergleicht - oder andere Beispiele wie Grillen oder Zikaden nimmt. Verglichen haben die Wissenschaftler Lautstärke relativ zur Körpergröße bei insgesamt 227 Lebewesen. Kann also durchaus sein, dass es noch bessere Krachmacher im Wasser gibt, da besonders hier die Akustik der Lebewesen noch nicht so gut untersucht worden ist.

Der in drei Teile untergliederte Balzgesang. Bild: PLoS

Die Wasserwanzen erzeugen ähnlich wie Grillen ihre Laute durch Stridulationsorgane, bei denen also Körperteile zur Lauterzeugung gegeneinander gerieben werden. Bei den Wasserwanzen ist der Pars stridens (Schrillleiste) gerade einmal 50 Mikrometer groß, was der Dicke eines menschlichen Haars entspricht. Die Mikromechanik der Lauterzeugung ist im Detail unbekannt und damit also auch das Geheimnis, wie mittels einer so winzigen Fläche solch laute Töne erzeugt werden können. Die Wissenschaftler wollen dies näher untersuchen, schließlich könnte dies auch für die Technik interessant sein. (Florian Rötzer)