We are not alone!

Die Zeitschrift Nature glaubt nicht, dass wir allein sind und würdigt in ihrer neuesten Ausgabe die Suche nach außerirdischem Leben

Die Chance, dass wir im Universum die einzige intelligente Lebensform sind, ist sehr klein. Die Sonne, um die unser Planet Erde kreist, ist nur einer von über 400 Milliarden Sternen in unserer Galaxis. Und unsere Milchstrasse hat einen Durchmesser von ca. 100'000 Lichtjahren. Aber da draußen sind noch weitere Milliarden von Galaxien. Eine unglaublich große Zahl von Sonnen, und zumindest um einige davon müssen aller Wahrscheinlichkeit nach Planeten kreisen, die ähnliche Bedingungen wie die Erde bieten.

Nach der Entzifferung des menschlichen Genoms wissen wir zudem, dass wir evolutionär nicht sehr weit vom Fadenwurm entfernt sind. Dort, wo sich Einzeller entwickeln können, wird es sicher bald danach höher entwickeltes Leben geben. Ob das allerdings Ferengi, Vulkanier, Andorianer oder Klingonen sein werden, ist eher fragwürdig. Biochemiker wie Harold Morowitz von der George Mason University in Virginia vermuten, dass sie uns sehr ähnlich sein werden, wenn ein ähnliches Entwicklungsstadium erreicht ist. In der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Morowitzs Team vergangenes Jahr ihre Untersuchungen zum Stoffwechsel, die zeigen, dass es auf molekularer Ebene nur wenig Alternativen zu Leben in irdischer Form gibt. Das gilt jedenfalls für alle Lebewesen, die auf Wasser und Kohlenstoff basieren.

Wahrscheinlich werden wir irgendwo in unserem Sonnensystem oder in der Milchstrasse auf Spuren von Leben stoßen. Vielleicht wird es grüner Schleim sein, einfache Algen oder ein Fadenwurm. Die kürzlich beendete Mission der NASA-Sonde Global Surveyor (Vom Sonnenwind verweht) hat Reste eines Magnetfeldes nachgewiesen und deutliche Bilder von ehemaligem Wasser auf der Oberfläche geliefert. Die NASA plant eine Mission Mars 2005, um erneut den roten Planeten auf organische Spuren zu untersuchen. Das Landfahrzeug, der Mars Organic Detector, wird mit einem Roboter ausgestattet, der 100-fach empfindlicher ist als der der Viking-Missionen. Sollte es Mikroorganismen geben, wird der Detector sie finden, denn er wird wieder Bodenproben in Form mineralischen Staubs, Regolith genannt, entnehmen. Das Mars-Regolith wird dann automatisierten chemischen Analysen unterzogen, und erhitzt, um die entweichenden Gase mit der Gaschromotographie-Massenspektrometrie (GS-MS) zu untersuchen. Wie Jeffrey L. Bada von der University of California in San Diego gerade in "Proceedings of the National Academy of Sciences USA" (3/2001) berichtet, kommt es dabei auf besondere Genauigkeit und Empfindlichkeit an - so wie die Viking-Sonden funktionierten, konnten sie keine verbindlichen Analysen über organisches Material liefern.

Die Expansion des Alls seit dem Urknall könnte auch ein Zeitproblem aufwerfen, über das zunehmend diskutiert wird. Planeten anderer Sonnensysteme könnten leicht 1,8 Milliarden Jahre älter sein als die Erde, die mit ihren geschätzten 4,6 Milliarden Geburtstagen im Universum eher ein Youngster ist. Zivilisationen sind möglicherweise längst schon wider vergangen, oder zumindest auf einem völlig anderen Entwicklungsstand als unsere, selbst wenn es Menschen wie wir sind. Möglicherweise sind Radio hören, Funksignale senden oder Fernsehen für sie fast vergessene Technik-Relikte ihrer Ahnen.

Die Astrobiologie sieht auch neue Chancen für Leben im Weltall, nachdem verschiedenste Sterntrabanten katalogisiert werden konnten (Existenz von Aliens immer wahrscheinlicher). Die Liste der bestätigten Planeten wird ständig erweitert und dort, wo sie um Sonnen kreisen, könnte potentiell immer Flora und Fauna entstehen.

Nicht nur viele Kinder glauben, dass Außerirdische bereits die Erde besucht haben, oder zumindest in unserer Atmosphäre mit ihren Raumschiffen gekreuzt sind. Bisher liegt aber kein wissenschaftlicher Beweis einer Begegnung mit ET vor. Außer man glaubt Erich von Däniken, Whitley Strieber oder einem der anderen, die Berichte von Sichtungen und Entführungen zusammen getragen haben. Das Bedürfnis des Menschen, im Universum nicht allein zu sein, ist mächtig und die UFO-Gruppen haben nicht selten beinahe einen Sektencharakter. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb blühen die UFO-Gruppen weltweit. Skeptiker haben umsonst immer wieder angebliche Sichtungen fliegender Untertassen als Wetterballons, Leichtflugzeuge oder astronomische Phänomene identifiziert, die Gläubigen bringt das nicht aus der Ruhe. "We are not alone" hängt nicht nur im FBI-Büro der X-Akten-Spezialisten, sondern ist eine Art ideologisches Bekenntnis. Die definitiv Religiösen unter den UFOlogen glauben sogar, dass eine übermächtige Rasse kommen und uns erretten wird.

Aber auch seriöse Wissenschaftler gruppieren sich, um Sichtungen zu untersuchen. Sie fordern, dass möglichst alle Berichte wissenschaftlich-methodisch untersucht und nicht sofort als Spinnerei abgetan werden. Das Mutual UFO Network (Loving The Alien) und sein deutschsprachiger Ableger die "Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Erscheinungen MUFON-CES e.V." sehen die UFO-Frage eher nüchtern, nämlich als ungeklärte Fragen, die eine Antwort der Wissenschaft einfordern.

Realistischer ist in jedem Fall die Forschung von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence). SETI sucht mit verschiedenen Methoden seit 1960 nach außerirdischer Intelligenz. 1959 veröffentlichten die Physiker Philip Morrison und Guiseppe Cocconi in Nature einen Artikel mit dem Titel "Auf der Suche nach interstellarer Kommunikation". Sie dachten öffentlich über die Möglichkeit nach, kommunikationsbereite Zivilisationen im All mit Hilfe von Radioteleskopen aufzuspüren. Frank Drake, der heute Präsident des SETI-Instituts und des Projekts Phoenix ist, begann 1960 interstellare Radiosignale zu belauschen. Das Projekt OZMA, benannt nach der Königin des Zauberlandes Oz, suchte auf der 21cm-Wellenlänge, da dies die Wellenlänge des Wasserstoffatoms ist und Wasserstoff das häufigste Element im Universum. Intelligenz - wo auch immer im All - müsste eigentlich ebenfalls auf die Idee kommen, diese Frequenz zu nutzen, um in Kontakt zu kommen. Das war jedenfalls die Überlegung.

Mit dem 26 Meter Howard Tatel-Radioteleskop wurde das Spektrum um 1420 MHz nach sich wiederholenden Mustern abgehört. Erfolglos. Gerichtet war das Teleskop auf die Sternsyteme Tau Ceti und Epsilon Eridani. Trotzdem gaben die Forscher nicht auf, der Astronom Carl Sagan entwickelte die Drake-Gleichung (N = R * fp * ne * fl * fi * ft * fc* L, vgl. Renommierte American Astronomical Society zeichnet Alienforscher aus), um die Wahrscheinlichkeit anderer intelligenter Zivilisationen abzuschätzen. Alle diese Berechnungen beruhten auf der Wahrscheinlichkeit, denn die Existenz von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems konnte erst 1995 empirisch bewiesen werden. Das SETI-Programm wurde fortgeführt, ausgewählte Sternensysteme wurden von über 90 Projekten weltweit in den letzten 40 Jahren belauscht. NASA-Antennen suchten den gesamten Himmel innerhalb des Mikrowellenfensters zwischen 1 GHz und 10 GHz ab. Zudem wurden bestimmte, möglichst nahe Sterne gezielt angepeilt. Nach nur einem Jahr strich der Kongress in Washington die Gelder für HRMS, die Suche nach ET's steht eben nicht an vorderer Stelle im Staats-Etat.

Viele Wissenschaftler, die an HMRS beteiligt waren, wollten aber nicht so schnell wieder aufgeben. Sie schlossen sich zusammen und versuchten private Gelder zur Weiterführung der Forschungen zu mobilisieren. Das gelang ihnen auch und Phoenix erhob sich aus der Asche. Die Sponsoren-Liste ist beeindruckend. Seit 1995 laufen nun die neuen Versuche die kommunikative Stecknadel im galaktischen Heuhaufen zu finden. Das Phoenix-Projekt nutzt die 64-Meter-Antenne des Parkes Observatory in New South Wales, Australien und seit 1998 periodisch das größten Radioteleskop der Welt, das NAIC-Arecibo-Teleskop in Puerto Rico (SETI-Forschung im Umbruch). Es werden nur ausgesuchte Sterne in relativer Nähe zur Erde gescannt, alle sind im Umkreis von 200 Lichtjahren. Bis heute gibt es keine Botschaften intelligenter ET's.

Die neueste SETI-Strategie ist es, nicht nur Radiowellen nachzuspüren, sondern auch Lichtdetektoren einzusetzen. Jetzt werden 2500 sonnennahe Sterne mit einem 1,5-Meter-Teleskop nach Laserblitzen abgesucht. Optical-SETI ist ein neuer Ansatz, nachdem die akustischen Ansätze bisher kein Signal auffingen (ET & Co werden nun auch auf optischem Wege gesucht). Kurzwellige Laserimpulse sind sehr geeignet, um Informationen sehr dicht in ihnen zu verpacken und dieses Licht durchdringt dunkle Materie genauso unproblematisch wie Gaswolken. Gebündelt kann ein Laserlichtstrahl 1000mal heller als die Sonne sein - allerdings wird er auch nur sehr punktuell wahrgenommen werden können, wenn er ankommt.

Die Suche im Radiobereich wird fortgesetzt, der Fortschritt der Elektronik erlaubt einen wachsenden Frequenzbereich abzutasten und so vielleicht eine Botschaft zu empfangen. Die Fülle der laufenden SETI-Programme wäre nicht möglich, wenn es SETI@home nicht gebe. Die vorhandenen und genutzten Großcomputer wie der an der UC Berkeley analysieren die Daten in Echtzeit. Dabei vernachlässigen sie aber die schwächeren Signale und prüfen nicht alle Signal-Typen auf großer Bandbreite. Diese Datenfülle ist selbst für Großrechner nicht mehr zu bewältigen. So entstand die Idee, statt eines gigantischen Supercomputers viele kleine Rechner zu benutzen, die simultan die Daten analysieren. Diese Idee war die Geburt von SETI@home.

Statt den klassischen Fischen, Sternen oder Flying Windows kann der SETI-Bildschirmschoner eingesetzt werden. Und das auf Millionen von privaten Computern, wenn der Besitzer gerade nicht daran arbeitet. Der Bildschirmschoner lädt sich über das Internet eine Dateneinheit herunter und analysiert sie offline, immer auf der Suche nach neuen Lebensformen. Anschließend schickt er sie wieder übers Netz an SETI zurück. Will der Eigentümer an seinem Gerät arbeiten, deaktiviert sich das Programm automatisch - wie ein herkömmlicher Bildschirmschoner. SETI@home hat das ganze SETI-Programm ungeheuer populär werden lassen. Schließlich kann jetzt jeder dabei sein, wenn in die unendlichen Weiten des Weltraums aufgebrochen wird.

Das SETI-System bearbeitet mehr als 100 Millionen Frequenz-Kanäle gleichzeitig, die Units werden auf diese Weise aufgeteilt und die fast 2,8 Millionen privaten Helfer werden zum virtuellen Supercomputer vernetzt. Die SETI@home-Software liegt inzwischen für mehr als 50 Rechnerarten und Betriebssysteme vor. Menschen aller Altersgruppen aus über 200 Ländern nehmen an dem Projekt teil. Die Homepage bietet einfache Erklärungen in verschiedenen Sprachen, damit auch der ungeübte Nutzer nicht überfordert ist. Inzwischen gibt es zahlreiche Teams, die sich gefunden haben und sich wiederum untereinander durch Websites, Schwarze Bretter und Chaträume verlinken.

Trotz aller Bemühungen von SETI und der Begeisterung der UFO-Gläubigen haben wir bisher kein bewiesenes Signal einer extraterrestischen Lebensform. Wen wir mal nicht davon ausgehen, dass eine oberste Direktive den Außerirdischen die Einmischungen in unsere Kultur, also die Kontaktaufnahme untersagt, bleibt die Frage - are we alone?

Wir strecken unser technisch vergrößertes Ohr dem All entgegen - tun die da draußen vielleicht das Gleiche? Hören alle aufmerksam hin, aber keiner sendet? Bisher hat es nur wenige Versuche gegeben, die Existenz der Menschheit ins Universum zu verkünden. Die Arecibo-Botschaft wurde 1974 als ausgeklügelte Botschaft in Richtung Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules abgesandt. Bis heute haben wir nichts gehört, allerdings ist der Sternhaufen auch 25'000 Jahre entfernt.

1999 wurde dann Cosmic Call (Vor 25 Jahren wurde die erste Botschaft in den Weltraum gesendet) drei Tage lang zu Sonnen geschickt, die nur 60 Lichtjahre entfernt sind. Wieder wurde ein digitales Bild kodiert, um anderen intelligenten Wesen, die das Radio-Paketempfangen sollen, unser Sonnensystem, das Leben auf der Erde und unser mathematisches Wissen zu verdeutlichen.

Viele Experten stehen der Idee, die Menschheit derartig im All bekannt zu machen, kritisch gegenüber. Immerhin ist es möglich, dass die Wesen, die irgendwo in den Tiefen der Sternencluster von uns erfahren, bösartig und aggressiv sind. Eroberungsfeldzüge gehören vielleicht nicht nur zur Geschichte der Menschheit.

Wenn da draußen schon intergalaktische Truppen kreisen, brauchen sie sich uns nur genügend zu nähern. Denn in jedem Fall senden wir konstant Funksprüche zu Raumsonden und Satelliten, Signale gehen von militärischen Radaranlagen aus und natürlich flimmern rund um die Uhr unsere Fernsehprogramme. Vielleicht macht das aber auch gutartige Wesen wie die Vulkanier letztlich auf uns aufmerksam, und sie kommen angeflogen, um den ersten Kontakt zu machen. Vorausgesetzt, ihr Zivilisationsstand ist nicht Millionen Jahre evolutionär von unserem entfernt, und Big Brother, Buffy oder der Musikantenstadl haben sie nicht zu sehr abgeschreckt. (Andrea Naica-Loebell)

Anzeige