"Wegen" oder "mit" COVID-19?

Mit Sars-CoV-2-Viren infizierte Zelle mit Zeichen der Apoptosis. Bild: NIAID/CC BY-2.0

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten steigt weiter dramatisch

Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland, die positiv auf das neue Coronavirus getestet wurden, ist in den letzten Wochen stark gestiegen. Zuletzt sehr stark gestiegen ist auch das Interesse an der Frage, wie viele dieser Menschen "wirklich" wegen COVID-19 behandelt werden müssen.

Anfang Oktober befanden sich laut Angaben des "Intensivregisters" der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) noch 362 Patienten mit COVID-19 auf den Intensivstationen (Stand: 01.10.). Ende Oktober waren es bereits 1944 coronapositive Intensivpatienten (Stand: 31.10.). Mitte November waren 3299 Patienten (Stand: 13.11.), die positiv auf COVID-19 getestet wurden, bundesweit in intensivmedizinischer Behandlung.

Diese Daten scheinen zu belegen, dass frühere Befürchtungen berechtigt waren, dass mit einer zweiten Corona-Welle der Druck auf das Gesundheitssystem stark zunehmen werde. Dennoch ist in letzter Zeit der Widerspruch derer deutlicher zu hören, die COVID-19 nicht für ein nennenswertes medizinisches Risiko halten und eine steigende Zahl positiver Coronafälle im Wesentlichen als ein Ergebnis vermehrter Coronatests betrachten. Ihnen zufolge gibt es viele Menschen, die "mit", aber nur wenige, die wirklich "an" dem Coronavirus erkranken.

Wie Prof. Christian Karagiannidis, der Sprecher des "Intensivregisters", gegenüber Telepolis mitteilt, zeichne sich mittlerweile ein deutlicheres Bild der tatsächlichen Verteilung der Patienten auf den Intensivstationen ab. Er schätzt, nachdem er Rückmeldungen vieler deutscher Intensivstationen erhalten habe, dass mehr als 90 Prozent der coronapositiven Intensivpatienten "wegen" COVID-19 behandelt werden müssen und aufgrund dieser Virusinfektion sehr ernsthaft erkrankt sind.

Weniger als 10 Prozent der positiven Fälle auf den Intensivstationen, so Karagiannidis, der als Lungenfacharzt an der Lungenklinik Köln-Merheim tätig ist, würden hauptsächlich wegen anderer schwerwiegender Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlagfall behandelt und seien zusätzlich auf COVID-19 positiv getestet worden. Aber selbst diese Patienten unterlägen aufgrund der Coronainfektion einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko.

Dass die Gesamtzahl der belegten Intensivbetten nicht gestiegen und die Kapazitätsgrenzen der Intensivstationen noch nicht erreicht worden seien, liege daran, dass das OP-Programm in etlichen Kliniken verschoben worden sei. Damit gebe es weniger intensivpflichtige Patienten. Aufgrund zunehmenden Personalmangels sei es zu Bettensperrungen gekommen. (Thomas Schuster)