Weidetiere helfen, das Klima zu schützen

Moderne Milchrinderzucht - eine Sackgasse?

Nicht nur die Ökoleistungen, auch der ökonomische Wert fruchtbaren Grünlandes im Milchviehbetrieb wird unterschätzt: So kann eine Kuh alleine aus dem Grundfutter aus hochwertigem Gras und Klee das Zehnfache ihres Körpergewichtes an Milch pro Jahr bilden. 1

Aber nur dann, wenn sie in der Lage ist, Gras in Milch umzusetzen. Die moderne, an Kraftfutter gewöhnte Milchkuh, die zeitlebens mit Getreide, Mais, Gerste und Sojaschrot gefüttert wird und die täglich 40 bis 50 Liter Milch geben muss, wird von einem Gang auf die Weide nicht annähernd dieselbe Leistung liefern.

So steigerten Holstein-Friesian-Kühe ihre Leistung von 1990 bis heute von durchschnittlich 4700 auf 7600 Kilo Milch. Eine Kuh gibt inzwischen mehr Milch, als ihr Organismus verkraften kann. Das geht soweit, dass sie den gewaltigen Energiebedarf ihrer eigenen Milchproduktion mit der Nahrungsaufnahme nicht mehr decken kann. Nach maximal drei Jahren Milchproduktion magern die Kühe stark ab und und gehen mit einem Durchschnittsalter von fünf Jahren zum Schlachter. Diese Art von Tierzucht ist nicht nur Tierquälerei, síe macht auch ökonomisch keinen Sinn.

Holstein-Rinder. Bild: Laptaria cu caimac / CC-BY-SA-4.0

"Bodenunabhängige Tierproduktion" mit Gülle-Überschüssen

Um die wachsende Zahl an Nutztieren in industrieller Massentierhaltung satt zu bekommen, werden mehr als Zwei Drittel der in der EU verfütterten Proteine importiert. Seit den 1970er Jahren geht die Intensivierung der Tierhaltung mit verstärktem Anbau von Mais und Soja einher. Rund die Hälfte der weltweiten Getreideernte wird für den Futtertrog produziert.

Längst kann der Feldfutterbau in Regionen, in denen besonders viele Nutztiere auf engstem Raum zusammengepfercht sind, den immensen Futterbedarf nicht mehr decken. Nur dank des importierten Kraffutters erreichen Masttiere innerhalb weniger Wochen ihr "optimales" Schlachtgewicht.

Währenddessen nimmt der ökologische Fußabdruck in der Tierproduktion mit seiner energieaufwändigen Produktion von Kraftfutter und der weltweiten Expansion der Milch- und Fleisch-Konzerne dramatisch zu. So werden Nutztiere zu Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht.

Die wachsenden Güllemengen müssen irgendwo entsorgt werden. Jahrzehntelang hat man die nährstoffreiche Brühe unkontrolliert auf Äcker und Grünland gekippt - bis Experten eine zu hohe Nitratbelastung in den Gewässern feststellten. Hinzu kam die abnehmende biologische Vielfalt der Böden und die Emissionen aus Lachgas und synthetischen Stickstoffdüngern. Zwar soll mit der neuen Düngeverordnung die Ausbringmenge flüssiger organischer Düngemittel auf Grün- und Ackerland auf 80 Kilo Stickstoff pro Hektar begrenzt werden.

Doch wie soll das gehen, wenn die Tierzahl in den Ställen unverändert hoch bleibt? Hätte man vor Jahren die Zahl der Nutztiere begrenzt, kritisiert der Agrarwissenschaftler Onno Poppinga, lägen die Stickstoffüberschüsse heute nicht bundesweit bei mehr als 100 Kilogramm je Hektar. Darüber hinaus bedeuten die Überschüsse für die Landwirte auch einen finanziellen Verlust von etwa 1,8 Milliarden Euro.

Extensive Beweidung schützt das Klima

Ein Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche ist Ackerland, zwei Drittel Grasland. Bezogen auf die gesamte Erdoberfläche sind mehr als 40 Prozent Grasland. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass 100 Millionen Menschen in Trockengebieten und weitere 100 Millionen Menschen in anderen Klimazonen auf Weidetiere als einzige vorhandene Einkommensquelle angewiesen sind.

Zudem liefern Feuchtwiesen, Steppen und Savannen die größte Nährstoffbasis zur Proteinbildung, wie eine Studie bereits vor 20 Jahren nachwies.

Im Rahmen einer Kurzstudie im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland bringen Umweltorganisationen eine Reihe von Ideen zur Minderung von Treibhausgasen ein. Stickstoffeinträge sollen reduziert, mehr Humus in Mineralböden aufgebaut, landwirtschaftlich genutzte Moore renaturiert und Dauergrünland flächenmäßig vergrößert werden.

Würden Lebensmittelabfälle reduziert und weniger Tiere gehalten, heißt es zum Beispiel, ließen sich 7,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Da hinein passt das Konzept der extensiven Grünlandbeweidung. Ausreichend Platz für glückliche Kühe im Freiland - das entspricht auch den arteigenen Bedürfnissen von Wiederkäuern. Funktionieren kann das nur, wenn sich die Zahl der Nutztiere deutlich verringert. Denn Grünland ist nicht unbgegrenzt vorhanden. Vor allem müssten wir konsequenterweise unseren Konsum von Fleisch- und Milchprodukten deutlich einschränken. (Susanne Aigner)