Weißes Haus: "Das Klima hat sich verändert und es verändert sich immer"

Der von 13 US-Behörden eben vorgelegte Klimabericht bestätigt die primär von Menschen verursachte Klimaerwärmung, das Weiße Haus ließ ihn offenbar unverändert passieren

Kurz vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz in Bonn haben 13 US-Behörden am Freitag den Vierten Nationalen Klimabericht mit fast 500 Seiten veröffentlicht, in dem die Wissenschaft vom Klimawandel mit besonderer Berücksichtigung der USA "amtlich" eingeschätzt wird. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Klimaerwärmung im wesentlichen von Menschen verursacht wurde und zu Extremwettereignissen führt.

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Global habe sich die Temperatur an der Erdoberfläche seit 1901 durchschnittlich um 1 Grad Celsius erhöht, heißt es ganz zu Beginn: "Diese Zeit ist jetzt die wärmste in der Geschichte der modernen Zivilisation. In den letzten Jahre gab es rekordbrechende, mit dem Klima verbundene Wetterextreme, und die letzten drei Jahre waren die wärmsten Jahre nach Beginn der Aufzeichnungen auf der Erde. Diese Trends werden sich erwartungsgemäß über Klima-Zeitskalen fortsetzen." Es wird danach also wärmer werden, zudem werden Wetterextreme zunehmen. Das ist die Botschaft.

Für die US-Regierung unter Donald Trump, der gerne über die Klimaerwärmung spottete, diese etwa als chinesische Erfindung ausgab und schon mal vom "global warming hoax" sprach, kommt der Bericht nach der Ankündigung des Präsidenten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, vermutlich unpassend. Gleichwohl wurde er vom Weißen Haus genehmigt, man wollte wohl vermeiden, von der Wissenschaftlergemeinde und so vielen Regierungsbehörden als Gegner der Wissenschaft kritisiert zu werden oder neue alternative Fakten zu präsentieren. Allerdings hatte Trump das Pariser Abkommen deswegen kritisiert, weil es in diesem angeblich weniger um das Klima als um die Umverteilung des amerikanischen Reichtums an andere Länder ginge. Dabei hatte er vor allem den Green Climate Fund im Auge. Zudem würde er eh nicht viel bewirken.

Gleichzeitig versprach er, dass die USA unter ihm das "sauberste und umweltfreundlichste Land auf der Erde bleiben" würden. Zwar sprach er davon, neu verhandeln zu wollen, aber da ging es nur um Fairness gegenüber den USA, von irgendwelche Klimazielen war nicht die Rede, auch nicht davon, was seine Regierung gegen die Erwärmung oder für die Anpassung tun werde. Die Umweltbehörde soll schrumpfen, von der Website wurden viele Hinweise auf Klimawandel entfernt, weil man, so eine Pressemitteilung, die Website upgedated habe, um "den Ansatz der neuen Führung widerzuspiegeln". Allgemein scheint es der Ansatz im Weißen Haus zu sein, die Klimaerwärmung nicht strikt zu leugnen, aber über ihre Ursachen möglichst nicht zu sprechen.

Die Haltung machte der Sprecher des Weißen Hauses Raj Shah in Bezug auf den Bericht deutlich, den man möglichst herunterspielen will. Hätte man sich gegen dessen Veröffentlichung gesperrt oder größere Eingriffe vorgenommen, wäre die Aufmerksamkeit deutlich höher ausgefallen. So sagte Shah: "Das Klima hat sich verändert und es verändert sich immer. Wie der Bericht sagt, hängt die Größenordnung des künftigen Klimawandels signifikant von der 'verbleibenden Unsicherheit über die Empfindlichkeit des irdischen Klimas für Emissionen ab'." Ohne auf die Folgen einzugehen, fuhr er fort, dass in den USA die CO2-Emissionen gesunken seien, dass sie bis 2040 konstant blieben und weiter als Anteil der Weltemissionen zurückgingen. Da ist also eigentlich nichts zu tun und alles in Ordnung.

1990 hatte der Kongress den Global Change Research Act verabschiedet und der damalige Präsident George H.W. Bush diesen in Kraft gesetzt, nach dem ein United States Global Change Research Program (USGCRP) eingerichtet und alle vier Jahre über Folgen globaler Veränderungen (Klima, Ozeane, Ökosysteme, Landnutzung etc.) für die Umwelt, die Gesundheit, die Sicherheit und die Wirtschaft ein Bericht erstellt werden muss. Im Rahmen dessen wird auch in einem eigenständigen Bericht die wissenschaftliche Grundlage der Klimaforschung bewertet. Zwar hatte man erst einmal das Wort Klimawandel oder Klimaerwärmung vermieden, die aber maßgeblich für die globalen Veränderungen wurden und blieben.

In dem Bericht heißt es, dass es für die Erwärmung während des letzten Jahrhunderts "keine überzeugende Erklärung" für eine Alternative zur primär menschengemachten Verursachung gebe, die von den Beobachtungsdaten und den "Tausenden von Studien" bestätigt würde, die Veränderungen auf der Erdoberfläche, in der Atmosphäre und bei den Meerestemperaturen, schmelzende Gletscher, schrumpfende Schnee- und Meereseisbedeckung, steigende Meeresspiegel, Versauerung der Ozeane und zunehmenden atmosphärischen Wasserdampf dokumentieren. Die Sonne würde nur eine geringe Rolle spielen, Vulkanausbrüche keine.

In den USA habe es markante Veränderungen bei den Temperaturextremen gegeben. Die heißen Temperaturrekorde würden etwa in den letzten beiden Jahrzehnten bei weitem die kalten Temperaturrekorde übersteigen. Die Zahl und Intensität extremer Hitzeperioden und von starken Niederschlägen würden weltweit zunehmen und könnten als physikalische Reaktionen auf ein sich erwärmendes Klima erwartet werden. Klimamodelle würden mit diesen Trends übereinstimmen. Vor allem in den Städten werden die Temperaturen noch schneller ansteigen als auf dem Land.

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Eis-Fjord Ilulissat, Grönland. Bild: Greenland Travel

Die Oberflächentemperatur in der Arktis habe sich nach dem Bericht in den vergangenen 50 Jahren doppelt so stark erhöht als die globale Durchschnittstemperatur. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass die sich beschleunigende arktische Erwärmung "signifikante" Folgen für die USA haben werden. Wenn das Eis auf dem Land und im Meer schmilzt steige der Meeresspiegel und gefährde die Menschen an den Küsten, während die niedrigeren Temperaturen des Wassers die Meeresökologie verändere.

Der Bericht schließt sich den Erkenntnissen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) oder "Weltklimarats" an. Man könne jetzt noch dafür sorgen, dass die Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts nur 2 Grad zunimmt, wenn sofort etwas getan würde. Dann würde die Temperatur aber immer noch um 0,6 Grad ansteigen. Dass es auch dann weiter wärmer wird, wird als sicher angenommen, wie stark die Erwärmung würde, sei aber nicht so klar. Finden keine größeren Bemühungen zur Reduktion der Emissionen statt, würde die jährliche globale Durchschnittstemperatur, bezogen auf vorindustrielle Zeiten, um 5 Grad oder mehr ansteigen. (Florian Rötzer)

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