Weiterhin schlechte Luft und Verschwendung von Milliarden

Heftige Kritik an der Vergabe von Zertifikaten im Emissionshandel

Wie viele Menschen tatsächlich daran glaubten, dass der Emissionshandel zu Einsparungen des Kohlendioxidausschusses führt, dass er den Einsatz von erneuerbaren Energien fördert und Projekte, welche die Energie effizienter zu nutzen verstehen, ist nicht bekannt. Anzunehmen ist jedoch, dass neuere Erkenntnisse aus Stanford und Untersuchungen der Watchdog-Organisation International Rivers das Überleben dieses Glaubens ernsthaft gefährden. Denn, so ermitteln Kritiker des UN-Programms im Zusammenhang mit dem Emissionshandel, hinter der Kulisse der Geschäfte mit umweltverträglichen Projekten stünden Korruption, Verschwendung von Geldern in Milliardenhöhe und steigende Treibhausgasemissionen.

Das Prinzip des "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung", im englischen: "Clean Development Mechanism (CDM), besteht darin, dass Industrieländer ihre höhere CO2-Emission mit Zertifikaten, die für eingespartes Kohlendioxid stehen, kompensieren. Diese Zertifikate (Certified Emission Reductions -CERs) können für Projekte, z.B. für den Bau von Anlagen, erworben werden, deren veranschlagter CO2-Ausstoß unterhalb einer bestimmten Referenzgröße liegt. Mit solchen Zertifikaten – ein CER steht für eine Tonne Kohlendioxid, das nicht in die Luft ausgestoßen wurde, sondern "eingespart" - , können sich Industrienationen von ihren hohen Ausstoßwerten "runterkaufen", um die vereinbarten Klima-Ziele zu erreichen.

Im Rahmen des "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung", der ins Kyoto-Protokoll aufgenommen wurde, vergibt die UN für CDM-Projekte CER-Papiere in beträchtlicher Höhe. Laut Guardian wächst der entsprechende Markt schnell. Gegenwärtig soll er 20 Milliarden Dollar im Jahr wert sein, erwartet wird für die nächsten vier Jahre ein Wachstum auf 100 Milliarden. Mehr als 1000 Projekte sollen bis dato als geeignet erklärt worden sein, weitere 2000 werden derzeit geprüft.

Und mehr als 3000 solcher Projekte, teils sind sie schon angenommen, teils werden die Anträge für den CDM noch überprüft, wurden laut der englischen Zeitung von zwei Professoren der Universität Stanford genauer unter die Lupe genommen. Die Abhandlung von Michael Wara und David G. Victor kommt dabei zum Ergebnis, dass es ganz so aussieht, als ob bei einem bis zu zwei Drittel der Projekte faktisch gar keine Kohlendioxidersparnis vorliege und die Mehrheit der Projekte "sowieso" realisiert würden, also auch ohne Hilfe der UN.

So haben die beiden Wissenschaftler herausgefunden, dass beinahe jedes neue Kraftwerk in China, das von Wasser, Wind oder Naturgas betrieben wird, im CDM-Programms aufgenommen werden will, obwohl es ohnehin chinesische Politik sei, solche Unternehmungen zu unterstützen. Das UN-Programm würde demnach von geschickten Geschäftsleuten unterwandert, die sich somit Gelder beschaffen würden, die sie sonst nicht bekommen würden:

Traders are finding ways of gaining credits that they would never have had before. You will never know accurately, but rich countries are clearly overpaying by a massive amount.

David G. Victor

Nach Informationen der US-Organisation International Rivers waren ungefähr drei Viertel aller registrierten CDM-Projekte zur Zeit ihrer Bewilligung schon fertiggestellt, was für die Verfasser der entsprechenden Studie, die zu diesem Ergebnis kam, nahelegt, dass das CDM-Geld für die Finanzierung nicht nötig gewesen sei.

Zum anderen würden im CDM-Rahmen auch fragwürdige Projekte gefördert, was den Klimaschutz betrifft, so würde auch für die marginale Verbesserung eines großen Kohlekraftwerks im indischen Gudscharat Zertifikate beantragt, obwohl das Kraftwerk zu den 16 weltweit größten Treibhausgasproduzenten zähle:

A massive 4,000MW coal plant on the coast of Gujarat, India, is expected soon to apply for CERs. The plant will spew into the atmosphere 26m tonnes of CO2 per year for at least 25 years. It will be India's third - and the world's 16th - largest source of CO2 emissions.

Dokumente, welche den Antrag für CDM-Verfahren begründen, würden genügend Lügen enthalten, die Leute erröten lassen würden, die im Immobilienkreditwesen arbeiteten, kritisiert International Rivers, Insider aus der Industrie würden bestätigen, dass "betrügerische Behauptungen" in CDM-Anträgen Standard seien; es sei zudem nahezu unmöglich, den Absichten der Bewerber auf den Grund zu gehen, werden Vertreter der International Emissions Trading Association (IETA) zitiert.

Industry representatives have complained that "good storytellers" can get a project approved, "while bad storytellers may fail even if the project is really additional".

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