Welt auf Band

Der lange Weg zum Aufnahmegerät

Angesichts der ständigen Urheberrechts-Debatten wird das Aufzeichnen von externen Tonquellen natürlicher oder maschineller Herkunft immer problematischer. Wenigstens selbst produzierte Geräusche sollten aber nach wie vor straflos aufnehmbar sein. Begibt man sich aber zur Weihnachtszeit in einen Elektronik-Fachmarkt, um ein passendes Gerät in Profi-Qualität zu erwerben, entwickelt sich das zum langwierigen Such-Parcours, der letztlich wieder einmal im Internet endet.

Für dieses Weihnachtsfest hatte ich die Aufgabe, einer alten Dame ein Aufnahmegerät zu beschaffen. Es sollte mittels Mikrofon sowohl Sprache als auch Klavierspiel aufnehmen können, relativ klein sein, portabel und handlich und dennoch mit gut erkennbaren und leicht bedienbaren Tasten. "So wie die, die die Polizei beim Verhör verwendet", war die außerordentlich hilfreiche Beschreibung. Außerdem sollte das Gerät einen eingebauten Lautsprecher zur Kontrolle der Aufnahmen haben.

Old School in massivem Metall mit analogem VU-Meter: das Sony TC-D5M (Bild: Olivia Adler)

Versuchsweise präsentierte ich ihr meinen Minidisc-Recorder (ein Sony MZ-R30 von 1997), mit dessen Bedienung sie aber überfordert war. Die Tasten sind winzig, und um aufnehmen zu können, muss man eine Taste gleichzeitig drücken und schieben, was auch für den technik-versierten Anwender nicht unkompliziert ist, für einen alten Menschen aber schon gar nicht mehr machbar.

Also kein MD-Recorder – oder wenn, dann einer mit großen Tasten. So gebrieft, trat ich den Weg zum örtlichen Elektronik-Fachmarkt an. Aber die Ausbeute war kümmerlich: lediglich ein sehr einfacher Kassettenrecorder (Elta 5001, 39 Euro) war im Angebot und ein MD-Recorder inkl. 1GB-Speicher für 299 Euro. Der Verkäufer erklärte, das würde jetzt alles mit MP3-Playern gemacht, und zu dem Kassettenrecorder könne er mir nicht raten, der sei tatsächlich nicht sehr hochwertig. Wenigstens war er ehrlich. Der MD-Recorder kam auch nicht in Frage, weil nicht senioren-tauglich in der Bedienung. Was mir in den Läden begegnete, bewegte sich in einer Preisspanne von 50-80 Euro und machte alles keinen wirklich soliden, hochwertigen Eindruck – und die Aufnahmequalität sollte ja auch stimmen, was bedeutete: Anschlussmöglichkeit für ein externes Stereo-Mikrofon, und steuerbarer Aufnahmepegel.

Aber wofür gibt es Internet und Auktionsplattformen... ich erinnerte mich an ein robustes, unverwüstliches Aufnahmegerät, das ich während eines Radiopraktikums kennengelernt hatte. Und tatsächlich, ein Besuch bei Ebay mit den Suchbegriffen "Aufnahmegerät" und "Reporter" brachte Aufklärung: das Sony TC-D5, das es sowohl in der Ausführung M als auch in der Ausführung Pro II gibt. Im Wesentlichen unterscheiden sich die beiden Ausführungen in den Mikrofonanschlüssen. Anscheinend war ich nicht der einzige Mensch, der die Vorzüge dieser klassischen Geräte schätzt, denn ich wurde regelmäßig überboten, meine persönliche Preis-Schmerzgrenze ging immer höher – zwischen 160 Euro und 370 Euro ist alles drin, je nach Zustand, Ausführung und Lieferumfang des Gerätes. Neu ist es vereinzelt noch für um die 1000 Euro erhältlich.

Parallel hatte ich aber über eine Internet-Community Kontakt zu einem alten Radiokollegen aufgenommen und konnte auf diesem Weg direkt ein gebrauchtes Sony TC-D5 erwerben, so dass Weihnachten gerettet und die alte Dame glücklich war.

So weit, so gut... unbeantwortet blieb aber die Frage, was heutiger Stand der Technik für portable Aufnahmegeräte ist. Vier Elektronik-Großmärkte und ein Fachgeschäft konnten die Frage nicht befriedigend beantworten. In zwei Fällen wurde ich an die MP3-Player verwiesen. Als ich dann gespielt naiv fragte, ob MP3 nicht nach wie vor ein komprimiertes und daher qualitativ schlechteres Dateiformat sei, stockte der Verkäufer und schickte mich in die Büroabteilung, zu den Diktiergeräten. Die sind natürlich besonders für Musikaufnahmen großartig geeignet...

Auch den Radiojournalisten befragte ich zum Thema und erfuhr, dass seine Kollegen entweder mit dem Sony-Klassiker arbeiten oder mit MD-Recordern, auch wenn die langsam aus den Läden verschwinden, weil sich das Format anscheinend nicht durchgesetzt hat. Nur: ein echter Nachfolger ist nicht in Sicht, denn Harddiskrecording ist kein Argument: wer will denn ständig ein Notebook mit sich herumschleppen, wenn es ein handlicher MD-Recorder auch tut? Das Thema MP3 kann ich wegen der qualitativen Einschränkungen in diesem Zusammenhang schon erst recht nicht ernst nehmen.

Profi-Merkmal manuelle Aussteuerung: Bei portablen Consumer-Geräten nicht zu finden (Bild: Olivia Adler)

Anwendungsbereiche gibt es nach wie vor genug, z. B. für Sehbehinderte, wie ich bei der Netzrecherche erfuhr. Auf der Website der Viersinn-Gesellschaft findet sich daher auch eine ausführliche Auflistung verschiedener Aufnahmegeräte. Auch Bioakustiker benötigen hochwertige Aufnahmegeräte, wobei hier von MD-Recordern abgeraten wird, da auch die MD mit Datenkompression arbeitet und damit wertvolle Informationen bereits bei der Aufnahme verloren gehen können.

Die MD scheint im Aussterben begriffen, jedenfalls wenn man nach den Warenangeboten in den Elektronikmärkten geht, aber Totgesagte leben länger: im Minidiscforum tauschen sich die Freunde der kleinen, patent verpackten Silberscheibe aus. Bei meinen Recherchen habe ich auch keine ernstzunehmende Alternative zu den Aufnahmemedien Kassette und MD gefunden. Und der Besuch im letzten großen Elektronik-Discounter brachte mich ins Grübeln: Berge von DVD-Playern, Flachbildschirmen, MP3-Playern, Stereoanlagen... wer nur konsumieren will, hat reiche Auswahl. Wer sich seinen akustischen Reim auf die Welt selbst machen will, muss schon etwas länger suchen und wird in den großen Mediatempeln nicht fündig.

Hier eine Auswahl an Geräten, die mir bei der Recherche begegneten:

Sony TCM-939 Diktiergerät: Standard-Kompakt-Kassettenrecorder für einfache Sprachaufzeichnung, Mikrofon anschließbar, aber kein Aufnahmeregler, Preis im Fachhandel um 50 Euro.

Panasonic RQ-2102 E Kassettenrecorder, im Funktionsumfang dem Sony TCM-939 vergleichbar. Preis im Fachhandel um 50 Euro

Sangean Versacorder: Stereo-Kassettenrecorder mit Uhr und Timer. Besonderes Merkmal: ein Telefonanschluss, der Mitschnitte von Telefongesprächen möglich macht. Außerdem ermöglicht das Gerät Longplay-Verfahren, was die Aufnahmekapazität erhöht, Preis im Fachhandel um 80 Euro.

Sony MZ-B100 MD-Diktiergerät mit integriertem Stereo-Mikrofon und eingebautem Lautsprecher, Longplaymodus, externes Mikrofon anschließbar, Preis im Fachhandel um 380 Euro.

(Olivia Adler)

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