Weltstatus mit der Brechstange?

Singapur will mit dem Intelligent-Nation-Plan, dem Forschungspark Biopolis und anderen ehrgeizigen Projekten zu einer führenden Wissensgesellschaft werden

Majulah Singapura - Vorwärts, Singapur!

Nach 12 Flugstunden ab Frankfurt am Main erreicht man mit Singapur eine der saubersten Städte der Welt. Obwohl die in Beton gegossene Willenserklärung zur Erlangung eines der bedeutendsten Wirtschafts- und Wissenschaftsplätze der Erde nicht unbedingt das Klischee Südostasiens verkörpert, zählt Singapur für viele der Reisenden zu den schönsten und faszinierendsten Metropolen der Welt.

Eigentlich hatte Thomas Dick 1988 nur kurze Zeit bleiben wollen. Als er dann aber keinen angemessenen Job in Deutschland fand und ihm die National University of Singapore einen Laborleiterposten anbot, war die Entscheidung schnell gefallen. Richtig fassen kann der Ex - Heidelberger, der seit 2003 nach Wirkstoffen gegen die Tuberkulose sucht, das Tempo immer noch nicht: "Hier passiert alles viel schneller und entschlossener als in Deutschland", sagt Dick und etwas Wehmut liegt in seinem Blick. Singapur wird gern als das Boston Ostasiens bezeichnet. Es ist noch ein sehr junger Staat - fast 42 Jahre ist das Land von England unabhängig. Rund 4,5 Millionen Menschen leben hier auf 683 Quadratkilometern, was ein opulentes Viertel des Saarlandes ausmacht. Obwohl für europäische Begriffe etwas zu ordnungsliebend, kann es durchaus als wirtschaftlich erfolgreich, wohlhabend und technisch hochentwickelt bezeichnet werden.

In diesem Zwergstaat ist jeder Quadratmeter zu wertvoll, als dass man seine Entwicklung dem Zufall überlassen würde. Der Staat kümmert sich um die elementaren Funktionen wie Städtebau, Verkehrsinfrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung. Hier genießen Marktwirtschaft und beruflicher Ehrgeiz allererste Priorität. Alles basiert auf kompetenten Analysen, ist auf Gewinn und maximale Effizienz getrimmt, flexibel und nicht zuletzt vom Ziel beherrscht, das Wohl der Gemeinschaft zu fördern.

Mit dieser Erkenntnis hat das Land z. B. einen IT-Plan aufgestellt, der auf fast zehn Jahre (bis 2015) ausgelegt und von einem Investment von mehreren Milliarden Singapur-Dollar gekrönt ist. Dieser neue „Intelligent Nation“-Plan stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Ziele wie: Breitband überall, jederzeit und auf jedem Gerät, Zugang zum Internet auch für ärmere Familien und Installation eines neuen Kabelnetzwerk (Glasfaser) für Geschwindigkeiten von 1 GBit/s sollen etwa 80.000 neue Jobs entstehen lassen. Die Exportumsätze der Infocomm-Industrie sollen sich von derzeit umgerechnet etwa 11 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro fast verdreifachen.

Standort für Biotechnologie

Zusätzlich zum iN2015-Plan, wie er offiziell heißt, versucht sich Singapur mit Milliardeninvestitionen und Wissenschaftlern aus aller Welt zu einem Magneten für Biotechnologie zu entwickeln. Man war schließlich schon einmal mit der Elektronik- und Kommunikationsbranche auf die Nase gefallen. Ansehnliche Kapitalinvestitionen im Biosektor wecken jetzt lokale Ambitionen und internationales Interesse. Singapur könnte dabei zum Modell für Standortorientierung in biomedizinischer und biotechnologischer Forschung werden, berichtet "Nature" (Bd. 412, S. 370-371).

Die einzige natürliche Ressource, über die der Stadtstaat verfügt, ist die Intelligenz seiner Menschen. So bemüht er sich, seinen Nachbarn immer eine geistige Nasenlänge voraus zu sein. Also investiert man in forschungsintensive, aber gleichzeitig gewinnbringende Bereiche, wie: Pharmazie, Bio- und Nanotechnologie und Medizintechnik - man setzt auf "Life Sciences“. China, Indien, Südkorea und Taiwan haben ebenfalls die Biotechnologie als Wachstumsmarkt entdeckt. In dieser Konkurrenz zu bestehen, ist nicht einfach. Auf Grund der geografischen Gegebenheiten besitzt Singapur nur einen sehr kleinen Binnenmarkt. Dazu fehlt es an Erfahrung mit den so genannten angewandten Wissenschaften, deren Forschungsergebnisse sich schnell und gewinnbringend in industriell verwertbare Produkte umwandeln lassen. Über die nächsten fünf Jahre will sich das Land zum führenden Biotechnologiezentrum Asiens entwickeln und dabei besonders dem Industriegiganten Japan das Fürchten lehren. Der südostasiatische Stadtstaat hat mit der Ankündigung aufhorchen lassen, dass die Forschungsausgaben bis 2010 verdoppelt werden, denn die aufstrebenden Konkurrenten China, Indien, Südkorea und Taiwan warten nicht. Aber auch Länder wie Israel, Dubai und Brasilien haben die Wissenschaft als Schlüssel für zukünftige wirtschaftliche Erfolge entdeckt und finden in Singapur einen aufmerksamen Beobachter.

Entsprechend sind die Erwartungen groß: Anderen Entwicklungsländern will man in Sachen internationale Konkurrenzfähigkeit Wege weisen und gleichzeitig zum Zentrum eines künftigen panasiatischen Forschungsnetzwerks werden. Nicht zuletzt gilt Singapur für westliche Pharma- und Biotech-Konzerne als Tor zum äußerst lukrativen Asien-Markt.

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