Wem nutzt die Frauenquote?

Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland nach Zeit und Geschlecht: Leiharbeit nimmt durch die inzwischen fünf Gesetzesreformen immer weiter zu. In den letzten zwanzig Jahren verzehnfachte sich die Anzahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter. Davon sind vor allem Männer betroffen (70%, innerer Kreis), während es am gesamten Arbeitsmarkt keine Geschlechtsunterschiede mehr gibt (äußerer Kreis). Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2016 (leicht modifiziert)

Wie uns Arbeitspolitik als Feminismus verkauft wird

Vor rund einem Jahr feierten Politikerinnen die Verabschiedung einer Frauenquote, allen voran Familienministerin Manuela Schwesig. Während diese Maßnahme so gut wie niemandem nutzt, auch nicht der Mehrheit der Frauen, äußert sich in der Begründung deutliche Männerfeindlichkeit. Zudem wird die Unterdrückung von Frauen kollektiviert, die von Männern individualisiert. Der Feminismus begann früher als Emanzipationsbewegung, ist heute aber in großen Teilen Arbeitspolitik geworden. Mit Blick auf Trends der Demografie und Wohlstandsverteilung ist das nur logisch.

Wer seine Kräfte für die Förderung des Weltfriedens einsetzen will, der verstehe, dass dieses Ziel am schnellsten durch das Frauenwahlrecht erreicht wird. Denn mit einem Parlament, das zum Teil aufgrund der Stimmen von Frauen zusammengestellt ist, wird der Staatshaushalt nicht mehr mit einer jährlich steigenden Anzahl von Millionen für Kriegsmaterial und den Heeresunterhalt belastet werden können.

Aletta H. Jacobs, 1899

Aletta Jacobs (1854-1929) war eine niederländische Feministin der "ersten Welle" (ca. 1850-1940). Nachdem sie für das Studium noch eine persönliche Genehmigung des Innenministers brauchte, wurde sie dort 1878 die erste Hochschulabsolventin. 1879 promovierte sie mit einer Doktorarbeit über die Lokalisierung von Erkrankungen im Gehirn. Die erste Ärztin des Landes kümmerte sich um die Sexualaufklärung von Frauen und die medizinische Versorgung von Randgruppen, beispielsweise Prostituierten.

Über das Leben und Wirken dieser beeindruckenden Frau habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben (Aletta Jacobs - A Dutch Feminist). Mir geht es hier um ihre Voraussage, mit der sie sich - leider - geirrt hat: Sobald Frauen wählen dürften, würden sich keine Kriege mehr finanzieren lassen.

Im Deutschland der Gegenwart hat die erste Verteidigungsministerin der Geschichte Anfang 2016 eine Aufstockung des Wehretats angekündigt: 130 Milliarden zusätzlich sollen in den kommenden zehn Jahren für die Bundeswehr ausgegeben werden. Man muss also nicht erst die ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin bemühen, um Frauen in Machtpositionen zu finden, die sich für die Rüstung starkmachen.

Erst vor einem Jahr hielt die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig vor dem Bundesrat eine Rede über das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen". Kurz darauf, nachdem die starre Frauenquote für über hundert Unternehmen verabschiedet wurde, sprach sie von einem historischen Moment: 2015 sei der letzte Internationale Frauentag ohne Frauenquote gewesen.

Die schiefe Verteilung der Geschlechter in Führungspositionen kann man nicht abstreiten. Mit der Quote von mindestens 30 Prozent wird sich das in den nächsten Jahren ändern. Die entscheidende Frage ist: Wird die Gesellschaft dadurch besser? Oder konkreter für die berufliche Welt: Werden die Arbeitsbedingungen besser? Und wenn ja, für wen?

Meine These ist, dass sich bestehende Ungerechtigkeiten durch die Frauenquote nicht ändern werden. Um meinen Gedanken mit dem eingangs erwähnten Bild von Aletta Jacobs militärisch auf den Punkt zu bringen: Ob die Gewehrkugel, die dich ins Herz trifft, dank einer männlichen oder weiblichen Wählerstimme finanziert wird, ändert nichts daran, dass dich eine Kugel ins Herz trifft.

Wenn heutige Feministinnen in einem Punkt Recht haben, und vieles spricht dafür, dann geht es bei der Vergabe von Führungspositionen nicht mit rechten Dingen zu. Stellen werden nämlich aufgrund von Faktoren vergeben, die nichts mit der beruflichen Eignung zu tun haben. Das nennt man Diskriminierung.

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