Wendet sich das Blatt in den USA?

Nach einer aktuellen Umfrage festigt sich der Vorsprung der demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Kerry, die Mehrheit spricht sich gegen eine Wiederwahl von George W. Bush aus

Überraschend hat sich bereits bei der Vorwahl in Iowa der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry an die Spitze gesetzt. Nach der neuesten Umfrage von Newsweek ist der Vietnamveteran und Liberale weiterhin an der Spitze, gefolgt von John Edwards. Howard Dean (Der Herausforderer) scheint hingegen zurück zu fallen und liegt gleichauf mit Wesley Clark (Der General). Im Augenblick zumindest scheint auch George Bush die Stimmung entgegen zu schlagen.

Nach der Newsweek-Umfrage würde Senator Kerry, wenn jetzt gewählt würde, am ehesten George Bush schlagen können. Befragt wurden für Newsweek eine repräsentative Auswahl von registrierten Wählern. Auch innerhalb der Demokraten gilt Kerry als derjenige, der im Augenblick die größten Chancen auf das Präsidentenamt hätte. Dean ist derzeit der Loser. Selbst die Kombination Kerry-Dean überzeugt nicht so recht, eher schon wird einem Gespann Kerry-Edwards oder Kerry-Clark Erfolg prophezeit. Der Vorteil von Kerry dürfte bislang sein, dass er wenig Profil hat. Verheiratet mit Teresa Heinz, der Dollar-schweren Erbin des Ketchup-Imperiums, hat er jedoch für amerikanische Wahlkämpfe Wichtiges aufzuweisen: eigenes Vermögen. Doch der Wahlkampf hat gerade erst wirklich begonnen.

Überraschend ist jedoch, dass der Stern von George W. Bush wieder einmal zu sinken scheint. Der Erfolg der Festnahme von Hussein (US-Regierung erneut im Propagandakrieg?) scheint zu verblassen, die Raumfahrt-Mission ("Wir werden Ressourcen auf dem Mond oder dem Mars entdecken, die unsere Vorstellungskraft übersteigen") nicht recht zu ziehen und die State-of-the-Union-Rede (Amerika hat eine Mission) nicht viel Überzeugendes geboten zu haben. Sie scheint eher Misstrauen geweckt zu haben, dass die Ausgabefreudigkeit des Präsidenten dem Land schaden könnte, das auf ein wachsendes Defizit zusteuert.

Über die Hälfte der registrierten Wähler, nämlich 52 Prozent, sagt, dass sie Bush nicht mehr als Präsidenten haben wollen, und 47 Prozent sind stark gegen eine Wiederwahl. Von einer Woche auf die andere ist die Zahl derjenigen, die Bush weiter im Amt sehen wollen, von 48 auf 44 Prozent gefallen. Noch aber glaubt die überwiegende Zahl der Befragten, dass Bush vermutlich die Wahl gewinnen wird. Nur 10 Prozent setzen dagegen. Da müsste also noch viel geschehen. Wie allerdings Bush mit der Presse umgeht, dürfte ihm letztlich auch nicht zugute kommen.

Allerdings sehen die Werte bei einer (nicht repräsentativen ) Online-Umfrage anders aus. Hier sind gerade einmal 28 Prozent für eine Wiederwahl von Bush, während sich 69 Prozent dagegen aussprechen. Interessanterweise hat auch hier Dean keinen Internetbonus mehr. Auch die Behauptung der Bush-Regierung, dass unabhängig von allen anderen Begründungen der Krieg gegen den Irak und der Sturz des Hussein-Regimes die Welt sicherer und besserer gemacht habe, scheint nicht mehr wirklich zu verfangen. Bei der Telefonumfrage waren 44 Prozent dieser Meinung, bei der Webumfrage nur 32 Prozent.

In seiner State-of-the-Union-Rede hatte zwar Bush versucht, nicht mehr alles auf die bislang erfolgreiche Karte des Antiterror-Kampfes zu setzen, gleichwohl war sie immer noch dominant. Für die Wähler aber ist das eigene Wohlergehen am wichtigsten - und da rutscht die Angst vor dem Terrorismus weiter nach hinten. Entscheidend für den Wahlausgang ist nach den Befragten an erster Stelle die Wirtschaft und die Arbeitsplätze, darauf folgt die Gesundheitsversorgung und dann erst der Irak, der Kampf gegen den Terrorismus und der Schutz des Landes. Während Bush mit seinen Kriegen und der Aufrechterhaltung der Angst relativ leicht punkten konnte, ist das mit der Wirtschaft schon wesentlich komplizierter.

Allerdings stehen hinter Bush weiterhin über 80 Prozent der Republikaner, während ebenso viele Anhänger der Demokraten gegen ihn eingestellt sind. Zu erwarten ist, dass das Rennen wieder äußerst knapp werden wird. Nur durch Gerichtsentscheid hatte George Bush überhaupt die Wahl gewinnen und zum Präsidenten werden können.

Doch allmählich scheint sich die Bush-Regierung in den eigenen Fallstricken zu fangen. Niemand glaubt mehr wirklich, dass es im Irak noch Massenvernichtungswaffen gibt, auch wenn Vizepräsident Cheney dies noch immer behauptet. Sollten tatsächlich nach dem von Bush-Vater und Cheney als Verteidigungsminister geführten Krieg gegen den Irak und mit dem Beginn der UN-Waffeninspektionen die vorhandenen Massenvernichtungswaffen zerstört und die Programme eingestellt worden sein, so wäre auch das immer wieder beschworene Argument für das Handeln ohne Übereinstimmung mit der UN hinfällig.

The world is changing for the better. The world is getting more free and peaceful and less dangerous. Recently, Moammar Qadhafi made a wise decision to show and get rid of his weapons of mass destruction programs. The British government and the American government worked for nine months to convince in negotiations with Qadhafi about what to do with his programs. You want to remember, I want to contrast that with the 12 years of diplomacy that took place at the United Nations, when nothing happened. I mean, we had resolution after resolution after resolution just totally ignored by Saddam Hussein. Sometimes not ignored, but played with, is a better way to describe it. Nine months of intense discussions with Qadhafi worked because the word of the country -- word of this country matters. When you say something, you better believe it. People now trust the word of America. People now understand.

US-Präsident Bush am 22. Januar

(Florian Rötzer)

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