Wenig Selbsterziehungspotential

Studie: Männer tun sich noch immer schwer mit Hausarbeit

Mit dem Schmutz umgehen, kann sublim sein, weiß Linda Thomas, Hauswirtschaftsleiterin des Goetheanums in Dornach/Schweiz: „Putzen ist immer eine Liebeserklärung an die Gegenwart, weil kaum etwas im Resultat so vergänglich, so streng mit Verfallsdatum versehen ist, wie das Putzen. Jede/r kann lernen, diese Tätigkeit zu lieben und dabei sein Erziehungs- und Selbsterziehungspotenzial erkennen". Eine Liebeserklärung, die Männern schwer fällt.

Zwar beobachtet der deutsche Soziologe Hans Bertram, der als Berater der Familienministerin von der Leyen zur Zeit einige Aufmerksamkeit und Kritik von traditionalistischen Männern auf sich zieht, neue Tendenzen in deutschen Haushalten, wie er dem Spiegel verriet:

Man sollte positiv hervorheben, dass die heutigen Väter sehr viel mehr im Haushalt tun als ihre Väter. Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Vaters liegt heute bei 16 Stunden in der Woche, die einer Frau bei etwa 35 Stunden; in der Mitte der Sechziger war es ähnlich viel Zeit bei der Frau, aber nur eine Stunde beim Mann.

Doch trotz des gegenläufigen Trends ist hier deutlich zu erkennen, dass nach wie vor die Frauen den Großteil der Arbeit zuhause übernehmen. Wie eine Studie in England herausfand ist es nun nicht so, wie manche meinen, dass den Frauen von der Natur die Liebe zur Hausarbeit eingehaucht wurde, sondern dass sie diese Liebe wie alle anderen Menschen auch erst erwerben müssen.

Und die größte Hilfestellung scheint ihnen in diesem Fall von Männer zuzukommen. Solange Frauen nämlich alleine leben, investieren sie nur geringfügig mehr Zeit in ihrem Haushalt als Männer (10 Wochenstunden im Vergleich zu sieben). Sobald sie mit einem Mann zusammenziehen, verändert sich die Bilanz: die Männer arbeiten weniger zuhause und die Frauen mehr. 15 Stunden, so das Ergebnis der Studie (2000 Teilnehmer), sind angestellte (!) Frauen im Durchschnitt dann wöchentlich mit Hausarbeit beschäftigt. Bei ihren männlichen ebenfalls in Lohnarbeit stehenden Mitbewohnern sind es dagegen nur mehr fünf Wochenstunden im Schnitt.

Für Elke Rohmann, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, spezialisiert auf Gerechtigkeit in Partnerschaften, hat das Phänomen einen Namen: „Traditionalisierungseffekt“ - sobald Männer mit Frauen zusammenziehen, lassen sie sich in gelernte Muster zurückfallen - und eine Pointe: „Am wenigsten Haushaltsarbeit machen die Männer, deren Frauen ein Kind bekommen haben“.

Die „Umerziehung zum neuen Mann“ (vgl. Das bisschen Haushalt...) hat demnach noch mit einigen hartnäckigen Hindernissen zu rechnen, vielleicht hilft dabei die Hoffung, welche Rohmann in einem Grundsatzpapier zur Hausarbeit formulierte: „ (es) kann vermutet werden, dass mehr Fairness bei der Hausarbeit die Quote der Scheidungen und Trennungen verringert.“ (Thomas Pany)

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