Weniger Pornokonsum zur Weihnachtszeit

Interaktive Landkarte der Pornhub-Zugriffe. Screenshot: Telepolis.

Pornhub veröffentlicht Zugriffsstatistiken

In drei Wochen wird der Online-Pornokonsum wahrscheinlich zurückgehen. Dieser Schluss lässt sich aus Statistiken ziehen, die der bekannte Erotikanbieter Pornhub Ende November auf einer interaktiven Landkarte veröffentlichte.

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Danach sank der Online-Pornokonsum Weihnachten 2012 in Deutschland um 28 Prozent. In Argentinien ging er sogar um 35 und in Australien um 33 Prozent zurück. Etwas weniger Einfluss hatten die Festtage auf Männer in Brasilien (minus 26 Prozent), Frankreich (minus 25 Prozent), Mexiko (minus 21 Prozent) die USA (minus 20 Prozent), Großbritannien und Italien (jeweils minus 16 Prozent). Keinen Rückgang gab es dagegen in Japan, wo das Fest der Geschenke weniger christlich und familiär geprägt ist.

Auch andere Feiertage haben Einfluss auf virtuelle Erotikdienstleistungen: Am letzten Freitag im November 2012 stiegen die Abrufzahlen in den USA beispielsweise um sieben Prozent, was wahrscheinlich weniger am Wetter als am US-Fest Thanksgiving lag, das (anders als der europäische Erntedank) am letzten Donnerstag des elften Kalendermonats begangen wird. Bisher brachte man den "Black Friday" allerdings weniger mit Erotik als mit Einkaufsexzessen in Verbindung, weil der US-Einzelhandel an diesem Tag mit werbewirksamen Preisnachlässen besonders viele Kunden in die Geschäfte lockt.

Ereignisse wie populäre Fernsehshows, Sportveranstaltungen oder wichtige Nachrichten beeinflussen den Online-Pornokonsum anscheinend ebenfalls: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London stieg er beispielsweise in den USA um zwei Prozent, während er in Großbritannien gleichzeitig um 27 Prozent zurückging. Erklärungen dafür muss sich jeder Leser selbst ausdenken. Wir präsentieren stattdessen noch ein paar Zahlen:

Am Tag als das iPhone 5 herauskam, sanken die Pornhub-Zugriffe mit minus neun Prozent am stärksten in Kanada. Deutsche, Japaner und Franzosen (jeweils minus sieben Prozent) scheinen sich für das neue Apple-Gerät stärker interessiert zu haben als US-Amerikaner und Briten (jeweils minus fünf Prozent). Als das iPad 1 erstmals zum Verkauf stand, stieg die Nachfrage in den USA dagegen um neun Prozent an. Pornhubs Erklärung: "Tablets Make it Easier to Take Porn to the Bathroom".

Zum Finale der Fußball-Europameisterschaft 2012 zeigte sich Europa hinsichtlich der Pornhub-Zugriffe tief gespalten: Während kontinentweit der Konsum um sieben Prozent anstieg, ging er in den Mittelmeerländern Italien und Spanien um 40 und 35 Prozent zurück. Die nach Occams Rasiermesser einfachste Begründung dafür liegt nicht etwa in einem Zusammenhang zwischen Pornokonsum auf die Haushaltsdisziplin, sondern darin, dass genau diese beiden Länder das Finale bestritten.

Als Osama bin Laden erschossen wurde, nahm der Pornokonsum in den USA kurzfristig um sieben Prozent ab. Am Tag von Barack Obamas Wiederwahl legte er dagegen um bis zu 22,5 Prozent zu. Pornhubs Fazit daraus: "Can You Watch Porn and Vote on the Same Day? Yes We Can". Die Pornhub-Server und die Pornhub-Software bewältigten den Ansturm damals problemlos – anders als Obamas staatliche Gesundheitsversicherung, die US-Amerikaner nun schon seit Monaten vor kafkaeske Situationen stellt. Der Videosharing-Dienstleister hat dem Präsidenten deshalb werbewirksam angeboten, seine eigenen erfahrenen Techniker zur Problemlösung zur Verfügung zu stellen. (Peter Mühlbauer)

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