Weniger Wasserdampf in der Stratosphäre bremst seit 2000 Klimaerwärmung

Veränderung der Sonneneinstrahlung auf die Erde durch Wasserdampf in der Stratospäre. Grafik: NOAA

Nach US-Klimaforschern ist hingegen ein Drittel der in den 90er Jahren gestiegenen globalen Temperaturen auf mehr Wasserdampf zurückzuführen

Die Klimaforschung ist weiter in Bewegung und macht das Bild komplizierter, wenn Daten genauer werden, mehr Wechselwirkungen und Komponenten in die Klimamodelle integriert werden. Das ist ganz normal angesichts der Komplexität des Klimasystems und hat mit den Ansichten der meisten Klimaskeptiker wenig zu tun, die sich ähnlich wie die Kreationisten nur herauspicken, was ihrer vorgefassten Meinung entspricht.

Susan Solomon vom Earth System Research Laboratory der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die für den letzten Bericht des Weltklimarats mit im Vorsitz war - und Kollegen haben nun in einer Studie herausgefunden, dass ein Teil des globalen Temperaturanstiegs in den 1990er Jahren vermutlich auf eine in den 1980er und 1990er Jahren steigende Wasserdampfkonzentration zurückzuführen ist. Das habe den Anstieg der Temperatur in den 1990er Jahren etwa um 30 Prozent gegenüber den Schätzungen erhöht, die diesen Effekt nicht berücksichtigen.

Die Auswirkungen von Wasserdampf auf das Klima sind bislang, so die Autoren, nicht ausreichend berücksichtigt worden. Unbekannt ist auch der Grund, warum die Konzentration in der Stratosphäre schwankt. In den 1980er Jahren konnten Daten über die Wasserdampfkonzentration in der Stratosphäre allerdings nur über Ballons, die an einer einzigen Stelle gestartet wurden (Boulder, Colorado) erhalten werden. Erst seit den 1990er Jahren gibt es genauere Satellitendaten, beispielsweise Haloe.

Während des letzten Jahrhunderts ist die globale Oberflächentemperatur um 0,75 Grad Celsius angestiegen, im wesentlichen aufgrund anthropogener CO2-Emissionen, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie schreiben, die in Science Express vorzeitig online erschienen ist. Pro Jahrzehnt war die Temperatur im Durchschnitt um 0,13 Grad gestiegen. Seit Ende der 1990er Jahren ist die Erwärmung geringer geworden – worauf Klimaerwärmungsskeptiker gerne hinweisen - , was damit zusammenhängen könnte, dass seit 2000 die Wasserdampfkonzentration überraschend wieder um 10 Prozent zurückgegangen ist. Das habe nach dem verwendeten Klimamodell (Bern 2.5CC) den durch CO2-Emissionen zu erwartenden Anstieg der Oberflächentemperatur um etwa 25 Prozent reduziert, etwa 0,04 Grad weniger als die erwartete Erwärmung für 2000-2009.

Wasserdampf in der Stratosphäre kühlt diese, während mit steigender Konzentration die Temperatur in der Troposphäre steigt. Das kann einen entscheidenden Einfluss auf die Oberflächentemperatur ausüben. Allerdings ist nicht klar, ob die Reduktion der Wasserdampfkonzentration in der Stratosphäre während der letzten 10 Jahr eine Folge der Klimaerwärmung ist oder nur eine Schwankung darstellt, die im Verlauf von Jahrzehnten auftreten kann. Vermutlich hat dies mit der Temperatur der Meeresoberfläche zu tun.

Bislang gingen die Klimamodelle davon aus, dass die Wasserdampfkonzentration sich nur geringfügig auf die globale Oberflächentemperatur auswirkt. Aber die Studie zeigt, dass der Einfluss erheblich sein könnte. Gefordert wird, künftig genauer die Folgen der Wasserstoffkonzentration in der Stratosphäre auf das Klima zu untersuchen. Falls der Rückgang der Wasserdampfkonzentration ein Effekt der Klimaerwärmung sein sollte, dann könnte dies, falls der Trend anhält, die Erwärmung etwas verlangsamen. (Florian Rötzer)

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