Wenn China Deutschland beim Umweltschutz überholt

Lernen aus Fehlern

Anders als im Westen, wo man sich üblicherweise beim Denken an einem linearen Zeitstrahl orientiert, ist in Fernost ein zirkulares Denken verbreitet, das sich einerseits kreisförmig wie die Zeiger einer analogen Uhr bewegt, andererseits bei jedem Durchgang in der dritten Dimension nach zunehmender Weisheit strebt.

Im Westen strebt man kontinuierlich nach mehr, also nach quantitativem Wachstum, während asiatische Denkweisen sich stärker auf eine kontinuierliche Verbesserung, was man auch als qualitatives Wachstum bezeichnet, konzentrieren.

Deutlich wird das Lernen aus Fehlern bei so manchem frühen chinesischen Investment in Deutschland wie der Norddeutschen Bleistiftfabrik (NBF), das schon nach wenigen Monaten scheiterte, weil man mit den deutschen Vorschriften nicht vertraut war.

Viele Investments später war man bei der Augsburger Kuka oder bei der Allgemeinbeleuchtungssparte der langjährigen Siemens-Tochter Osram, die jetzt auf den Namen Ledvance hört und im Besitz des chinesischen Lichtunternehmens MLS Co., LTD. ist, deutlich erfolgreicher.

Chinesische Unternehmen wurden in Deutschlandland so erfolgreich, dass man in Berlin glaubte, den chinesischen Firmenübernahmen einen Riegel vorschieben zu müssen, obwohl in umgekehrter Richtung 100-Prozent-Beteiligungen deutscher Investoren in China in fast allen Branchen schon länger erlaubt ist.

Wie schnell China sich auf neue Bedingungen einstellt, zeigt sich im Fahrzeugbereich, wo man aus dem Dilemma, bei den Verbrennern praktisch nicht aufholen zu können, mit den batterieelektrischen Automobilen die deutschen Hersteller zuerst im chinesischen Heimatmarkt überholt hat und jetzt mit Unterstützung der EU-Kommission den Weltmarkt ins Auge fasst.

Die deutsche FDP zweifelt am Siegeszug des E-Autos. Sie will unbedingt E-Fuels produzieren, die allerdings nur eine Marktchance haben, falls sie von Steuern befreit werden.

Die politischen Systeme in der EU scheinen bislang noch die Beharrungskräfte zu begünstigen.

Vom Denken in Zirkeln zur Kreislaufwirtschaft

Mit der Kreislaufwirtschaft, welche weg vom hohen Ressourcenverbrauch kommen will und langlebigere, haltbarere und somit nachhaltigere Produkte anstrebt, die den Absatz modischer, vom Marketing gehypter Produkte reduziert oder wenn möglich vermeidet, haben die Industrieländer des Westens noch so ihre Schwierigkeiten.

Es ist somit fast ausgemacht, dass schon bald einzelne Provinzen in China hierbei zum Vorreiter werden und die Industriestaaten unversehens überholen. (Christoph Jehle)