Wenn Fake-News und unbeherrscht twitternde Politiker zusammenkommen

Bild: Andreas Eldh/CC BY 2.0

Auf eine Falschmeldung reagierte der pakistanische Außenminister mit einem Tweet, der das angeblich drohende Israel erinnert, dass auch Pakistan Atomwaffen besitzt

Fake News, also auch gezielt gestreute Meldungen, die Unruhe erzeugen oder einfach täuschen sollen, gab es immer schon. Sie gehören zur Politik ebenso wie zur psychologischen Kriegsführung. In der Vergangenheit sprach man bei solchen in die Irre führenden Meldungen, die scherzhaft oder auch boshaft verbreitet wurde, von Hoaxes. Dass sie durchaus zu diplomatischen Problemen oder gar gefährlich werden können, zeigt der jüngste Vorfall, der sich zwischen Ländern ereignet hat, die beide über Atomwaffen verfügen. Wirklich brisant wird es, wenn unbedachte Politiker mit den Online-Möglichkeiten schnell auf Fake-News meinen reagieren zu müssen.

Der pakistanische Außenminister Khawaja Asif drohte in Reaktion auf eine Falschmeldung auf einer Newssite Israel mit einem Atomanschlag. In der News stand, dass das israelische Verteidigungsministerium Pakistan wegen dessen Rolle in Syrien mit einem Atomwaffenangriff drohen würde. Asif nutzte, wie es mehr und mehr üblich zu werden scheint, Twitter, um persönlich in Trump-Manier und wahrscheinlich aus der Hüfte, um den starken Mann zu markieren, einen Tweet auszusenden, anstatt die offiziellen Kanäle zu verwenden, so dass auch keine Mitarbeiter zur Korrektur oder Mäßigung eingreifen konnten: "Israel vergisst, dass auch Pakistan ein Atomstaat ist", so der Außenminister erbost. Zurückgezogen hat der Minister seinen Tweet bislang nicht.

Die Falschmeldung bezog der Minister von einer als unsicher geltenden Website Awdnews.com am 20. Dezember, nach der der israelische Verteidigungsminister Ya'alon am vergangenen Dienstag erklärt haben soll, dass Israel pakistanische Bodentruppen mit Atomwaffen angreifen würde, sofern solche unter welchem Vorwand auch immer nach Syrien entsendet würden. Die "Nachricht" stand neben anderen Artikeln, einer trug etwa den Titel: "Clinton is staging a military coup against Trump".

Asif las offenbar so hastig, dass er nicht einmal merkte, dass Ya'alon schon seit Mai nicht mehr Verteidigungsminister ist und Avigdor Liberman den Posten eingenommen hat. Und obwohl allen bekannt ist, dass Israel Atomwaffen besitzt, hat das Land dies weder offiziell zugegeben noch explizit mit deren Einsatz gedroht. Asif neigt allerdings dazu, schnell mal die pakistanischen Atomwaffen ins Spiel zu bringen. Erst im September hatte er damit Indien gedroht.

Am 24. Dezember antwortete das israelische Verteidigungsministerium auf den Tweet und erklärte, dass die Ya'alon zugeschriebe Drohung niemals geäußert wurden. Es wurde bekräftigt: "reports referred to by the Pakistani Def Min are entirely false."

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