Wenn die Fußball-App auf dem Handy spioniert

Die spanische Datenschutzbehörde verhängt Geldstrafe gegen eine Spionage-App der Fußballliga

Die spanische Datenschutzbehörde (AEPD) hat LaLiga mit einer Geldstrafe von 250.000 Euro belegt, weil sie eine Handy-App zur Spionage benutzt habe. Das Ziel war es herauszufinden, welche Kneipe, Bar oder Restaurants die Fußballspiele im Fernsehen zeigen, ohne dafür die entsprechenden Lizenzgebühren zu bezahlen. Es ging offiziell also darum, Pay-TV-Betrug festzustellen. Wird die App aktiviert, erhält sie Zugriff auf das Mikrofon und die Geolokalisierung von Nutzern. Damit wurde ermittelt, welche Bar die Spiele übertragen.

Einige Zeitungen wie Eldiario.es hatten schon vor einem Jahr davor gewarnt, dass die App des Sportverbands RREF (Real Federación Española de Fútbol) zur Spionage eingesetzt werde. Demnach werde das Mikrofon einmal pro Minute von außen geöffnet, ohne dass das die zahllosen Nutzer wussten, während Spiele im Fernsehen übertragen werden. Dann werden Aufnahmen gemacht, um sie mit denen aus übertragenen Spielen zu vergleichen. Über die Geolokalisierung wird dann festgestellt, wo sich der Fußball-Fan aufhält und damit kann ermittelt werden, ob die Kneipe Lizenzgebühren bezahlt.

Doch mitgeschnitten wird natürlich alles, auch persönliche Gespräche, womit nach Ansicht der AEPD sensible persönliche Daten betroffen sind. LaLiga lehnt die Argumentation natürlich ab und will Rechtsmittel gegen die Geldstrafe einlegen. "Wir glauben ernsthaft, dass nicht ausreichend geprüft wurde, um zu verstehen, wie diese Technologie funktioniert", argumentieren die Verantwortlichen. Es werde nicht auf die aufgenommenen Audiofragmente zugegriffen. Die Aufnahmen würden automatisch in einen binären Code umgewandelt. Damit, so wird behauptet, würden keine Gespräche von Menschen aufgezeichnet. Das klingt einigermaßen absurd, wobei klar ist, dass die Möglichkeit besteht, Gespräche aufzuzeichnen.

Komisch ist auch, dass gerade jetzt angekündigt wurde, dass am 30. Juni das System zur Aktivierung des Mikros abgeschaltet wird, was nach Aussage der Verantwortlichen allerdings angeblich nichts mit dem Vorgang zu tun haben soll. Das Beispiel zeigt jedenfalls, welche Möglichkeit zur völligen Überwachung man mit einem modernen Smartphone mit sich herumträgt. (Ralf Streck)