Wenn die Waschmaschine mit den Stromhändlern spricht

Smart Home - was nutzt es dem Verbraucher?

Die Smart-Home-Idee dümpelt jetzt schon seit Jahren im Verbund mit anderen smart Dingens durch die Lande und keinem der bislang vorgestellten Konzepte gelingt auch nur ansatzweise der Durchbruch. Das lag in der Vergangenheit sicher auch - aber nicht nur - an der babylonischen Sprachenverwirrung bei den eingesetzten Protokollen.

Beim 1. Plugfest der EEBus-Initiative im Offenbacher VDE-Institut konnten 15 Anbieter von Hard- und Software für das, was sie unter Smart Home verstehen, beweisen, dass sie sich technisch aufs Beste verstehen. Dabei hat die EEBus-Initiative keine neue Sprache entwickelt, sondern gewissermaßen ein Übersetzungssystem, das zwischen den einzelnen Protokollen simultan dolmetscht.

Bei der Veranstaltung am 25. und 26. März, die an eine LAN-Party vergangener Zeiten erinnerte, wurde auch das im Rahmen des BMWi-Förderprojektes "Zertifizierungsprogramm Smart Home + Building" entwickelte technologie-neutrale Prüfsystem des VDE zur automatisierten Prüfung der Interoperabilität zwischen den Produkten und Komponenten unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Damit will man eine weitere Grundlage für das Hochfahren des Smart-Home-Marktes realisiert haben. Mit dem Test-System soll Anbietern und Kunden die Sicherheit gegeben werden, dass der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Produkten, auch im Anwendungsalltag funktioniert.

Vor lauter Freude, dass die Technik problemlos arbeitet und dass man diese über internationale Kooperationen künftig auch jenseits der Landesgrenzen anbieten kann, hat man bislang auf jeden Ansatz für eine gemeinsame Vermarktung verzichtet. Dieses Versäumnis mag zudem auch der Tatsache geschuldet sein, dass die EEBus-Initiative staatlich gefördert ist und die Ergebnisse daher nicht zu marktnah sein dürfen.

Und so konnte beim Pressetermin zum Plugfest keiner der anwesenden Vertreter der beteiligten Anbieter vermitteln, welchen konkreten Nutzen ein Verbraucher durch ein Smart Home haben soll. Die einzige Äußerung zum Thema Marketing war die Absicht, dass man den Markt nicht proprietären System von Google oder Apple überlassen wolle und sich mit einem offenen System gegen die US-Anbieter in Stellung bringen wolle. Die reine Abgrenzung von Unternehmen mit beachtlicher Marketing-Power, wie sie den Konzernen jenseits des Atlantiks zur Verfügung steht, ist weit entfernt von der benötigten "Killer-Applikation", die den entscheidenden Kaufimpuls auslöst.

Alle 15 Minuten durch eine SMS informiert zu werden, wie viel Strom der Kühlschrank gerade verbraucht, wird schnell so langweilig wie die App, welche es ermöglicht, die Kaffeemaschine morgens vom Bett aus zu starten oder der Kühlschrank, der mit den Barcodes gefüttert werden muss und dann selbständig nachordert. Spätestens nach der dritten Pizza Hawaii entfällt auch hier der Spaßfaktor.

Überhaupt hat sich die Beeinflussung des Strombedarfs durch IT-Techniken bei den Kunden nicht durchsetzen können und selbst bei Modellversuchen mit ausgewählten Verbrauchern konnten maximal 8 % des Stromverbrauchs durch tarifliche Gestaltungen zeitlich verschoben werden. Berücksichtigt man die nackten Zahlen, so verwundert dies nicht: Der durchschnittliche Stromverbrauch für eine Ladung Wäsche liegt in der Größenordnung von 50 Cent. Verglichen mit dem Wert der Wäsche ist das vernachlässigbar und das Einsparpotenzial ist so gering, dass der Kunde dies verständlicherweise nicht berücksichtigt.

Auch die Meldung, dass die Kühlschranktüre nicht geschlossen sei und so den Stromverbrauch erhöht, ist jetzt sicher nicht Grund genug, in die sogenannte Hausautomatisierung zu investieren. Man könnte jedoch anhand des Stromverbrauchs ermitteln, ob die Polystyrol-Dämmung des Kühlschranks inzwischen degradiert ist und an Wirkung verloren hat. Ein entsprechendes Modul, das erkennt, dass die Dämmung des Kühlschranks so stark abgebaut ist, dass der Kühlschrank den Weg zum Recyclinghof antreten sollte, hat es jedoch nicht auf den Markt geschafft, weil dies den Gerätepreis zu sehr angehoben hätte.

Bei den Kühlschränken ist der Preisdruck inzwischen so hoch, dass die langlebige Vakuumdämmung, welche Panasonic vor Jahren präsentiert hatte, in Europa wieder vom Markt verschwunden ist, obwohl sie deutlich haltbarer war als die üblichen Dämmmaterialien. Auch seit Jahren angedachte Module, die beispielsweise anhand des veränderten Stromverbrauchs einer Waschmaschine erkennen können, dass deren Heizelement verkalkt ist, sind bislang offensichtlich dem harten Preiswettbewerb bei der Weißen Ware zum Opfer gefallen.

Das in der Vergangenheit immer wieder als sinnvolles Beispiel für den Sicherheitsaspekt der Smart-Home-Technik angeführte Bügeleisen ist in der Zwischenzeit jedoch so intelligent geworden, dass es auch ohne Smart Home erkennt, ob es gerade sachgerecht bedient wird oder im eingeschalteten Zustand vergessen wurde und schaltet sich selbst aus, bevor es auf dem Bügelbrett dahinschmilzt.

So beschränken sich viele Smart-Home-Systeme auf die Komfortschiene und bieten Lichtsteuerungen, die vorprogrammierte Lichtstimmungen bereitstellen, oder Rolladen-, bzw. Jalousiesteuerungen. Doch diese Bausteine sind bislang ein eher mageres Verkaufsargument. Und eine beachtliche Investitionszurückhaltung herrscht sogar bei cleveren Systemen, die keine kostentreibende zusätzliche Verkabelung benötigen.

Wenn E.on Deutschland jetzt seinen Kunden eine Box andienen will, mit der man seinen Stromverbrauch mit dem des Nachbarn vergleichen kann, hat man wohl übersehen, dass sich solche Spielchen zwar in Dänemark leicht etablieren, bei den Deutschen jedoch gleich die Angst vor Spionage aufkommen lassen. Der Stromversorger könnte ja erkennen, was der Verbraucher wäscht oder noch schlimmer, welches Fernsehprogramm er sieht. Dabei stammt der Mythos von der Nachvollziehbarkeit des Fernsehkonsums anhand des Stromverbrauchs noch aus der TV-Zeit der Braunschen Röhre und ist heute technisch nicht mehr möglich.

Zudem kann der Verbraucher hierzulande den eigenen Stromverbrauchs ganz einfach mit einem Tool der Energieagentur NRW mit dem durchschnittlichen Verbrauch moderner Geräte vergleichen. Ein gravierendes, bislang wenig beachtetes Problem besteht in der Sicherheit bei digitalen Zugangskontrollen und Schlüsselsystemen. Die dabei eingesetzte Hardware wird immer schneller und gleichzeitig immer preiswerter. Genügt die Rechenleistung heute für die schnelle Verarbeitung eines digitalen Schlüssels, so lassen sich in wenigen Jahren in der gleichen Zeit alle entsprechenden Algorithmen durchrechnen - und da wird der passende Schlüssel auch dabei sein. Um auf der sicheren Seite zu sein, müsste man die Verschlüsselung regelmäßig durch eine verbesserte ersetzen. Ein Aufwand, den der durchschnittliche Anwender mit Sicherheit scheut. (Christoph Jehle)