Wer fertig ist, kann gehen

Immer mehr Japaner sterben an Arbeit

It's only work'n work but I like it: Karoshi (Tod durch Überarbeitung) heißt das in Japan, wenn man zu viel arbeitet und daran stirbt, ein Phänomen, das erstmals 1987 bemerkt wurde und mittlerweile auch juristisch als haftungspflichtige Todesart anerkannt wird.

Nach einem vom japanischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Report sind, wie die Nando Times berichtet, letztes Jahr 143 Karoshi-Tote registriert worden, Männer und Frauen, darunter vor allem Büroarbeiter, Fließbandarbeiter und Fahrer. Obwohl diese Zahl einen traurigen Rekord darstellt, könnten es inoffiziell noch viel mehr gewesen sein, eine Schutzvereinigung geht von 10 000 Karoshi-Toten aus. Der Todesarten gibt es mehrere, nicht nur durch Stress bedingte Herzinfarkte, sondern auch Selbstmorde und andere Kollapse, manche schlafen einfach in der U-Bahn ein und wachen nicht mehr auf. Dass es die Arbeit war, die den Sensemann rief, wird nachträglich geprüft. Dabei müssen die Hinterbliebenen dem Arbeitsministerium beweisen, dass das Karoshi-Opfer am Tage seines Ablebens extrem belastende Arbeit hinter sich hatte. Im Karoshi-Manual ist dazu verzeichnet, dass Überarbeitung als Todesursache in Frage kommt wenn der Betreffende am Tag seines Ablebens mindestens 24 Stunden (!) gearbeitet hat oder in der Woche vor seinem Tod jeden Tag mindestens 16 Stunden. Wenn er in der Woche vor dem Zusammenbruch einen Tag frei hatte, ist es schon kein Karoshi mehr und Unterhaltsforderungen greifen ins Leere.

Karoshi könnte typisch für eine neue Gruppe von Syndromen sein, welche die Japaner gourika -byou nennen, "Rationalisierungskrankheiten", die mit den Produktionsmethoden des späten 20.Jahrhunderts aufkamen. Fallstudien legen nahe, dass der Grund für die selbstaufopfernde Vielarbeit eher im japanischen Produktionsmanagement als im Kopf der Arbeitenden angelegt ist. 88 Prozent aller Firmen rechnen fest mit Überstunden. So warb ein Pharmakonzern mit dem Slogan "Sind Sie bereit, 24 Stunden für ihre Firma zu kämpfen?" für ein neues Power-Getränk. All work and no play: Dabei zerfressen die Konzerne mit den von Kritikern "Toyota's human management method" oder "corporate fascism" genannten Methoden die Identität ihrer Angestellten anscheinend so gründlich, dass diese teilweise ihre Namen aufgeben und sich im täglichen Umgang unter dem Namen des Konzerns als bloße Anhängsel desselben vorstellen und anreden.

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