Wer kämpft gegen wen im Norden von Aleppo?

Ein kurzer Überblick

1. Das Syrische Regime. Es wird unterstützt von Hisbollah und von anderen schiitischen Milizen. Dieser Block wird unterstützt von dem Iran und der russischen Luftwaffe.

2. Der "Islamische Staat" (IS). Er wird unterstützt (nicht mehr offen) von der türkischen Regierung. Der IS wird hauptsächlich von Kurden (YPG) und den Syrian Democratic Forces (SDF) bekämpft. Auch das syrische Regime bekämpft den IS. Der IS wird sowohl von der amerikanischen als auch von der russischen Luftwaffe angegriffen.

Flaggen der syrischen (Regime) Armee, der Al Nusra-Front, des IS und der SDF. Bild: K. Sido

3. "Moderate Islamisten" wie al Nusra-Front, Ahrar Al Sham, Jaish Al Islam, Jaish Al Mujahidin, Islamische Front... Diese Gruppen werden von der Türkei, Saudi-Arabien, Katar und einigen westlichen Regierungen offen unterstützt. Es kommt hin und wieder zu Kämpfen innerhalb dieser Gruppen. Selten kommt es auch zu Kämpfen zwischen dieser oder jener Gruppe einerseits und dem IS andererseits. Diese Gruppen kämpfen für die Errichtung eines angeblich "moderaten" islamischen Staates in Syrien. Sie werden von der russischen Luftwaffe angegriffen.

4. Syrian Democratic Forces (SDF), YPG... Diese Gruppen bekämpfen hauptsächlich den IS und andere Radikalislamisten. Auch wenn es zeitweilig zu Kämpfen mit dem Regime kommt, herrscht de facto eine Art Waffenstillstand mit dem Regime. Diese Gruppen werden militärisch durch die amerikanische Luftwaffe massiv unterstützt. Sie erhalten auch Waffen von den USA. Indirekt erhalten diese Gruppen Unterstützung auch von der russischen Luftwaffe. Politisch und diplomatisch werden diese Gruppen von Russland unterstützt.

Von den regionalen Mächten ist die Türkei, wegen der Nähe der YPG zu der PKK, der Hauptgegner dieser Gruppen. Diese Gruppen kämpfen für die Errichtung einer demokratischen, dezentralen (föderalen) Syrische Republik, die die Rechte aller Ethnien und Religionsgemeinschaften sowie Frauenrechte garantieren soll.

Die vielen Gerüchte, die von der syrischen islamistischen Opposition und der türkischen Regierung über eine Kooperation von Kurden (YPG) und ihren arabischen sowie turkmenischen Verbündeten mit Assads Truppen im Norden von Aleppo verbreitet werden, entbehren jeglicher Grundlage. Die Kurden (YPG) kämpfen vielmehr gegen die Radikalislamisten, die seit 2012 die Kurden, Yeziden und andere Minderheiten angreifen, entführen und die Zufahrtsstraße nach Afrin blockieren. Der Vormarsch der YPG im Norden von Aleppo erfolgt in der Regel in enger Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung.

Kamal Sido ist Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und in Afrin geboren.

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