Wer nichts zu verbergen hat...

Tickets für die WM2006

Am letzten Sonntag schaltete der Bundesinnenminister Otto Schily, gemeinsam mit Franz Beckenbauer, medienträchtig auf der CeBit die offizielle Internetseite der Bundesregierung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 frei. "Wir sind alle von Vorfreude erfasst auf das Ereignis" meinte Otto Schily und ignorierte dabei, dass nicht alle diese Vorfreude empfinden bzw. diese doch durch Datenschutzbedenken getrübt wird.

Bundesinnenminister Otto Schily und OK-Präsident Franz Beckenbauer: Anstoß für die WM-Homepage. Foto: Guido Bergmann/RegierungOnline

Nicht nur Bürgerrechtler monierten die Datenschutzbestimmungen bei der Ticketverlosung, auch vom Datenschutzzentrum kam scharfe Kritik. Dass der Fußballfan einerseits benachteiligt und andererseits durchleuchtet werden soll, schon bevor er überhaupt ein Ticket sein Eigen nennt, machte weiterhin auch den Aktiven Fans zu schaffen. Zusammen mit dem Foebud wurde auf dem jährlichen Treffen über Möglichkeiten nachgedacht, den gläsernen Fan in der Orwell-Arena zu verhindern. Die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder forderten in einer gemeinsamen Entschließung eine Überarbeitung der Ticketvergabe, es steht jedoch zu befürchten, dass auch dieser Ruf ungehört verhallt.

Denn nicht nur die Datensammlung bei der Ticketverlosung ist kritisch zu bewerten, weitaus bedenklicher ist, dass das Organisationskomitee (OK) die Datenschutzbedenken nicht einmal ernstnimmt und weiterhin wenig Strategien für Probleme mit der neuen Technik entwickelt.

Auf die von Datenschützern kritisierte Abgabe der Personalausweisnummer von uns angesprochen, bemüht sich das OK zunächst zu versichern, dass die Sicherheitsauflagen nicht vom OK selbst ausgedacht wurden, sondern vielmehr Auflagen seien, die die Sicherheitsbehörden verlangt hätten. Allerdings seien diese auch Usus bei Sportgroßveranstaltungen. In Deutschland sei überdies sowieso eine Mitführungspflicht in Bezug auf den Personalausweis gesetzlich verankert. Der Unterschied zwischen Besitz- und Mitführungspflicht wird als "Wortklauberei" abgetan.

Und auch sonst zeigt man sich unbeschwert, was die WM2006 angeht. Natürlich würden nicht alle Personalausweise überprüft und so die Daten auf dem RFID-Chip im Ticket und im Personalausweis verglichen - man nehme nur Stichproben vor. "Eine 100%ige Sicherheit gibt es eben nicht", lautet die Antwort auf die Frage, wie denn dann eine Sicherheit durch die Personalausweisnummer hergestellt werden soll. Warum dann überhaupt Personalausweisnummern gespeichert bzw. abgefragt werden sollen, bleibt offen. "Die Daten werden sowieso nur bei einer akuten Gefahrenlage verwandt", beschwichtigt das OK. Freundlich fügt man noch hinzu: "Aber wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann macht Ihnen das doch nichts aus."

Wenn der glückliche Fußballfan nun aber sein Ticket hat und sich seine Daten verändern - was dann? Hier gibt es immerhin eine Lösung, denn der Ticketinhaber kann online seine Daten verändern. Hierfür werde er ein Passwort zugesandt bekommen. Die Problematik bezüglich verschenkter oder weiterverkaufter Karten ist da schon schwieriger. Hier unterscheidet das OK nämlich ganz konkret: Beim Verschenken sieht man keine Probleme ("Wenn ich z.B. für meinen Fußball begeisterten Vater ein Ticket kaufen will, dann kann ich doch leicht seine Personalausweisnummer herausbekommen..."), der Weiterverkauf jedoch ist prinzipiell untersagt. Dies sei auch bei Konzertkarten ganz normal, beruhigt das OK, außerdem sei dies notwendig um den Schwarzmarkt einzudämmen.

Da MasterCard offizieller Sponsor der WM2006 ist, kann ein Kreditkartenbesitzer auch nur dann seine Karte einsetzen, wenn es eben eine solche MasterCard ist. Auch dies wird vom OK als völlig normal angesehen. Schließlich hätte man in Griechenland die gleiche Situation mit der Visa Card gehabt, hierüber jetzt also zu klagen, sei einerseits typisch deutsch und würde über kurz oder lang dazu führen, dass keine Sportgroßveranstaltungen mehr in Deutschland stattfinden könnten.

Die größte Lässigkeit herrscht jedoch in Bezug auf die Anwendung der umstrittenen RFID-Technik. Kein Konzept gibt es für den Fall, dass RFID-Chips defekt sind. Hier vertraut man einfach, so die Auskunft, auf die Technik. Diese habe man auch deswegen ausgewählt, weil sie die fälschungssicherste Technik sei. Zudem gebe es ja "Troublecenter", an die man sich wenden könne - insofern sei auch dieser "konstruierte" Fall eines defekten RFID-Chips kein Problem. Und, beeilt sich das OK noch zu erwähnen, all diese Maßnahmen dienen natürlich nur dem Schutz des Kunden. (Twister (Bettina Winsemann))

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