Werden Migrantenkinder an der US-Grenze mit Zahlen auf den Armen markiert?

Screenshot des Videos von Cal Perry

Nachdem eine 8-jährige in Obhut der Grenzschutzpolizei gestorben ist und Donald Trump weiter für seine Mauer kämpft, erregen die Bilder der Kinder Entsetzen

Am 6. Dezember überquerten mehr als 160 Migranten in der Nacht die Grenze von Mexiko nach New Mexico. Der Grenzübergang war in der Nacht geschlossen, aber vier Angehörige der US-Grenzschutzpolizei hatten Dienst. Sie überquerten die Grenze nicht heimlich und stellten sich um 21:15 der Grenzschutzpolizei, wie das meist der Fall ist, um Anerkennung als Flüchtlinge zu finden. Die Polizisten bestellten einen Bus zum Abtransport. Unter den Migranten befanden sich auch die siebenjährige Jakelin Caal Maquin und ihr Vater aus Guatemala. Während der Fahrt zu einem Flüchtlingszentrum in Lordsburg am 7. Dezember am frühen Morgen bekam das Mädchen Krämpfe und hohe Temperatur. Sie erhielt angeblich medizinische Hilfe und wurde dann in ein Krankenhaus in El Paso gebracht, wo sie an Herzstillstand starb, wahrscheinlich durch Dehydrierung und septischen Schock. Sie soll Tage lang nichts getrunken haben, was allerdings ihr Vater bestreitet.

Das Heimatschutzministerium untersucht den Vorfall, die Grenzschutzpolizei (CBP) versichert, sie habe alles gemacht, damit das Mädchen überleben kann (CBP-Darstellung). Offenbar wurden die Migranten die Nacht über bis zur Ankunft des Buses in einer Art Garage mit Zementfußboden ohne Bänke, Decken oder irgend etwas anderes untergebracht.

Vom Heimatschutzministerium wurde der Tod des Mädchens zur Abschreckung verwendet. CBP-Chef Kevin K. McAleenan erklärte: "Wir können nicht genug die Gefahren betonen, die durch Reisen über große Entfernungen, in überfüllten Fahrzeugen oder durch entfernte Wüstengebiete ohne Lebensmittel, Wasser und andere Versorgung entstehen. Niemand sollte Verletzungen oder sogar den Tod durch illegales Überqueren unserer Grenze riskieren." Er habe gerade erst den Kongress aufgefordert, die Gesetze so zu verändern, dass die USA keinen Anreiz geben, "diesen gefährlichen Weg zu wählen".

Demokratische Politiker, die gerade im Clinch mit Donald Trump über den Bau der Mauer und den Shutdown der Regierung sind, nutzen den Vorfall als Anlass zur Kritik an den unmenschlichen Verhältnissen an den Grenzen, so Hillary Clinton am Freitag. Der Tod des Kindes war wieder Anlass, an die versuchte "Null-Toleranz"- oder Abschreckungspolitik durch einen Präsidentenerlass zu erinnern, Kinder beim Grenzübertritt von ihren Eltern zu trennen und in gesonderten Lagern unterzubringen. Eltern wurden oft auch alleine abgeschoben, die Kinder blieben in den Lagern (250 Immigranten-Kinder werden an der US-Grenze täglich von ihren Eltern getrennt). Das hatte im Sommer, nachdem Bilder von Lagern in Umlauf kamen, in denen Migranten und ihre Kinder in Käfigen gehalten wurden, einen Aufschrei hervorgerufen, Trump ruderte nach einem Urteil eines kalifornischen Gerichts zurück (Über 450 Immigranten-Eltern wurden ohne ihre Kinder abgeschoben).

Bild: CBP

Allerdings versuchte er heute wieder, die Praxis als notwendiges Abschreckungsmittel zu bekräftigen und die Demokraten gleichzeitig der Scheinheiligkeit zu bezichtigen: "Die Politik der Demokraten der Kindertrennung an der Grenzen während der Obama-Regierung war weitaus schlimmer, als wir dies handhaben. Man erinnere sich an das Bild aus dem Jahr 2014 von Kindern in Käfigen - die Obam Jahre. Wenn man sie jedoch nicht trennt, werden VIEL mehr Menschen kommen. Schmuggler setzen Kinder ein!"

Da dürfte der US-Präsiden schon von den Videos gewusst haben, die Migrantenkinder an der Grenze zeigen, an deren Armen wohl mit Filzstiften Nummern geschrieben wurden. Verständlich, dass dies vor allem in Israel Entsetzen und Erinnerungen an den Holocaust hervorrief. Zwar gibt es keinen Beleg, dass die amerikanische Grenzpolizei die Kinder so markiert hat, aber die Aufnahmen legen dies nahe. Ein Reporter von NBC hatte ein kurzes Video über seinen Twitter-Account verbreitet und erklärt, es stamme aus Juarez, wo Kinder in einer Reihe auf den Übergang warteten. Selbst 40 Tage alte Säuglinge trugen Nummern. (Florian Rötzer)

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