West-Ost- und Stadt-Land-Kluft

Grafik: GfK

Eine Karte über Kaufkraft im Online-Shopping für Lebensmittel macht die ungleichen Lebensverhältnisse sichtbar

Letzte Woche hat GfK GeoMarketing eine ganz interessante Grafik veröffentlicht. Es ging wieder einmal um eine Kaufkraftstudie, die anzeigen soll, wo wieviel Geld von Konsumenten für was ausgegeben wird. Damit sollen die lukrativen Regionen gezeigt werden, die spezifische Investitionen von Händlern und Herstellern begünstigen können. Als Kehrseite gibt es dann natürlich auch die Regionen, in denen sich das nicht lohnt, weil da wenig zu holen ist.

Es werden als im Geomarketing Gewinner und Verlierer ausgemacht. Natürlich ist die Lage nicht so einfach. Denn wo bislang wenig für bestimmte Güter und Dienstleistungen ausgegeben wird, kann es sich auch lohnen zu investieren, weil es da noch wenig Konkurrenten gibt - zumindest wenn überhaupt Kaufkraft vorhanden ist.

Aber zurück zu der Grafik, zum "GfK Bild des Monats für September", das die "regionale Verteilung der Online-Kaufkraft für den Foodbereich in Deutschland im Jahr 2019" darstellen soll. In welchen Regionen werden also am meisten Lebensmittel online geordert und dann per Fahrzeug ausgeliefert?

Man könnte sich - rein theoretisch - vorstellen, dass im Grunde Menschen auf dem Land oder in Kleinstädten, sofern sie einen zufriedenstellenden Internetanschluss haben, mehr online bestellen könnten, weil sie hier eine größere Auswahl haben und auch Produkte bestellen können, die sie vor Ort eher nicht finden. In einer Großstadt gibt es hingegen in naher Entfernung eine größere Auswahl an Geschäften, so dass man auch hier nicht gängige Massenprodukte finden sollte.

Wie die Grafik aber zeigt, werden vor allen in Großstädten und deren unmittelbare Umgebung und in den reicheren Regionen am meisten Lebensmittel online geordert, die GfK nennt das "Kreise mit zunehmendem Urbanisierungsgrad", die "eine vergleichsweise hohe Sortimentskaufkraft für den Online-Handel aufweisen". In München werden am meisten Lebensmittel online eingekauft, gefolgt von Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf, wo im Übrigen auch am meisten im "stationären" Lebensmittelhandel ausgegeben wird. Auch in den Städten Berlin, Nürnberg, Stuttgart und Köln oder in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen.

Grafik: GfK

Aber dann gibt es große Gebiete, vor allem im Osten Deutschlands, die insgesamt eine geringere Kaufkraft besitzen und auch online wenig bestellen, was nicht nur Lebensmittel, sondern etwa auch Kleidung betrifft. Die wird online im Norden und Osten kaum gekauft, sondern vor allem um Frankfurt, Stuttgart und München.

Natürlich liegt dies auch daran, dass die Auslieferung in Großstädten und deren Umgebung am schnellsten erfolgen kann. Man kann nur nutzen, was auch da ist. Wer Lebensmittel bestellt, will sie möglichst schnell haben, zumindest wenn sie frisch sind. Aber das kann man hier nicht sehen. Aber vermutlich liegt die Zurückhaltung in weiten Gebieten nicht nur daran, dass Lebensmittel in ländlichen Regionen kaum ausgeliefert werden, weil ja auch andere nicht verderbliche Produkte wie Kleidung hier weniger eingekauft werden. Es hat wohl auch mit einer Mentalitätshaltung zu tun, die in Stadt und Land, im Westen und Osten, im Norden und Süden verschieden sind.

Was man sagen kann, ist jedenfalls, dass Online-Shopping keiner Notwendigkeit entspringt, sondern es wird die Gelegenheit genutzt, auch zusätzlich online zu kaufen, vermutlich weil man seltener das eigene Auto nutzt und noch keine Lastfahrrad besitzt. Selbst wenn der nächste Supermarkt um die Ecke liegt, zieht man es vor, nicht selbst in einem Geschäft einkaufen zu gehen, sondern sich die Produkte bringen zu lassen.

Vielleicht hat man auch keine Zeit, wiederholt damit jedenfalls die Zeit, als die Bürgerlichen noch von Dienern umgeben waren. Werden Geschäfte zu Orten, in denen man sich nicht mehr sehen lässt, weil das den Status des Wohlhabenden untergraben könnte, der sich Diener leisten kann? Und haben die anderen nur weniger Kaufkraft, wollen sie vielleicht auch nicht darauf verzichten, selbst in die Konsumräume zu gehen, die noch eine minimale Möglichkeit bieten, mit anderen Menschen zu interagieren, die nicht nur Diener sind? Erleichtert dadurch, dass man in ländlichen Räumen keine Parkplatzprobleme hat. Schließlich will man seine Konsumlast nicht über längere Entfernungen tragen, auch wenn man das Fahrrad nutzen könnte. (Florian Rötzer)