Wetterkriege und neue Atomwaffen

Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 4: Biowaffen, Mikrowellen, Klima-Beeinflussung und Erdpenetratoren

In Spielbergs Kinoproduktion "War Of The Worlds" (USA 2005) verfügen die außerirdischen Invasoren über ein ganzes Arsenal futuristischer Militärtechnologie. Dazu gehören riesige Kampfroboter, organische Krakenarme, pulverisierende Strahlenwaffen und geschmeidige Mechanik-Quallen, die mit ihrer Kameratechnologie jeden Winkel von Unterschlüpfen erkunden können. Schutzschirme aus Energiefeldern (wie in "Independence Day"), Methoden zur Lahmlegung der gesamten Elektrizität und faktische Instrumente der Wetterkriegsführung (Blitze verursachen einen Flugzeugabsturz) zeigen sehr bald, wie begrenzt die Verteidigungsmöglichkeiten des US-Militärs sind. Am Ende besiegt - ganz unbeabsichtigt oder durch göttliche Vorsehung - der Biotop "Planet Erde" die Außerirdischen mit biologischer Kriegsführung.

"War Of The Worlds", ©UIP

Was ist die Botschaft dieses Science-Fiction-Films? Will Spielberg uns vielleicht darauf aufmerksam machen, wie kurzsichtig das Vertrauen in einen technologisch haushoch überlegenen Kriegsapparat ist? Der Hightech-Panzer des extraterrestrischen Militärs scheint undurchdringbar zu sein und jede Gegenwehr aussichtslos. Doch wie in der Siegfried-Legende gibt es einen verborgenen wunden Punkt, an den niemand gedacht hat und der doch alles zum Einsturz bringt.

Diese wohlwollend konstruierte, kritische "Lesart" dürfte die Rezeption kaum bestimmen. Die erste von mittlerweile drei Verfilmungen der klassischen Science-Fiction-Vorlage von H. G. Wells (1898) im Jahr 1953 leitete zusammen mit ähnlichen Werken eine ganze Welle außerirdischer Invasionen im Kino ein. Die Gesellschaft rüstete sich damals für den Kalten Krieg, und entsprechend versuchte man auch ganz selbstverständlich, die Außerirdischen mit einem Atompilz unschädlich zu machen. Im Jahr 2005 will der Feind keine herkömmlichen Rohstoffe mehr (wie in der Literaturvorlage), sondern Menschenblut. Spielberg beschwört mit seinem Remake eine unberechenbare Bedrohung: einen völlig unerwarteten "Krieg der Welten". Pentagon, U.S. Army, U.S. Marine Corps und U.S. Air Force haben ihm umfangreiche Schützenhilfe gewährt.

"Outbreak", ©Warner Bros

Die Pentagon-Filmförderung unter der Leitung von Captain Philip Strub unterstützt jedoch nicht jede x-beliebige Science-Fiction-Produktion. Besonders auch solchen Kooperationsprojekten, die neue Waffentechnologien und Methoden der Kriegsführung thematisieren, sollten wir Aufmerksamkeit schenken. Eine Absage des Pentagon erfolgte nach Mitteilung von David L. Robb beim Film "Outbreak" (USA 1995) von Wolfgang Petersen1. Dem U.S. Department of Defense missfiel, dass im vorgelegten Drehbuch der Ausbruch einer aggressiven Virus-Seuche als Resultat des militärischen Interesses an der Entwicklung von Biowaffen dargestellt wurde.

Im Film "Twelve Monkeys" (USA 1995) von Terry Gilliam gelingt es einem der wenigen Überlebenden einer globalen Virusepidemie, im Jahr 2035 eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Quelle der Katastrophe, die er dort aufdecken will, liegt offenbar auch hier in US-Forschungen über Biowaffen. Am Ende stellt sich heraus, dass ein einzelner Psychopath aus der Belegschaft einer entsprechenden Forschungseinrichtung die Epidemie in Gang gesetzt hat. Das Thema war zuvor schon von der Stephen-King-Verfilmung "The Stand" (USA 1994, TV) behandelt worden. In diesem Endzeitthriller nimmt das Unheil, eine tödliche Virusseuche mit Spitznamen "Captain Trips", ebenfalls seinen Ausgang in einem Labor der US-Army. Das Virus unterscheidet bei seiner Wirtssuche nicht zwischen bösen oder guten Menschen, doch einige Personen scheinen immun zu sein. Alle, die für das in der Johannes-Offenbarung angekündigte letzte Gefecht auserwählt worden sind, bleiben verschont.

Einen beunruhigenden Blick auf Technologien zur Verbreitung von Krankheitserregern und anderen Kleinstteilchen gewährt die Rüstungsfabrik in der Comic-Verfilmung "Batman Begins" (USA 2005). In Batmans väterlicher Firma ist nämlich ein Mikrowellensender2 "Wayne Enterprise 47-b, 1-ME" entwickelt worden. Dessen ursprüngliche Bestimmung liegt darin, feindliche Wasservorräte zum Verdampfen zu bringen. Dies wird offenbar noch als gute Militärtechnologie betrachtet. Allerdings gibt es auch illegale Versuche, mit Hilfe dieses Gerätes in Wasser gelöste Chemikalien überall in der Luft zu verteilen. Genau für einen solchen perversen Missbrauch von "Enterprise 47-b, 1-ME" hat eine "Gesellschaft der Schatten" auf pflanzlicher Basis einen chemischen bzw. pharmakologischen Kampfstoff hergestellt. Dieser Stoff wird zunächst in das gesamte Trinkwasser geleitet und soll dann verdampfen. Es handelt sich um ein halluzinogenes Inhalationsgift, das nach Einatmung Panik bzw. psychotische Zustände auslöst. In Batmans Firmenlabor wird das passende Gegenmittel zu diesem "waffenfähigen Halluzinogen" entdeckt. Der Held benutzt es nicht nur für den Eigenbedarf, sondern lässt es zum Schutz der Bevölkerung serienmäßig produzieren.

"12 Monkeys" ©Concorde

Im Actionfilm "Blast" (USA 2004) sind elektromagnetische Wellen der Schlüssel für eine neue Methode der Kriegsführung. Ein vermeintlicher Ökoterrorist, der in Wirklichkeit Repräsentant des organisierten Verbrechens ist, will von einer Bohrinsel aus einen "Elektromagnetischen Impulsgenerator" (EMP) in Gang setzen bzw. "abschießen". Dadurch würde es zu großflächigen Stromausfällen bzw. sogar zu einem neuen "Elften September in ganz Kalifornien" kommen. Bloßer Stromausfall ist allerdings nicht das anvisierte Ziel. Die EMP-Bombe soll in einem großen Radius vielmehr alle elektronischen Geräte unbrauchbar machen. Die Kriminellen haben - ähnlich wie in "Swordfish" (USA 2001) - durch das Einloggen in Bankcomputer illegale Transaktionen auf ihr Konto in Milliardenhöhe vorgenommen. Durch die besagte Sabotage würde es unmöglich gemacht, diesen virtuellen Geldfluss zu rekonstruieren bzw. näher unter die Lupe zu nehmen. Voraussetzen muss man wohl, dass die elektronischen Überweisungen auf Konten außerhalb des EMP-geschädigten Gebietes gegangen sind. - Im Science-Fiction-Genre wird rein virtuellen Geldgeschäften schon jetzt keine große Zukunft bescheinigt. Im Jahr 2149, so zeigt der Film "Velocity Trap" (USA 1997), ist man nach allerlei schlechten Erfahrungen wieder ganz auf ein materielles Zahlungsmittel umgestiegen und auf die Bindung der Währung an schweres Gold. - Als Mittel zur Sabotage an Informationstechnologien und menschlichen Hirnfunktionen ist die militärische Erzeugung elektromagnetischer Felder übrigens auch Gegenstand philosophischer Betrachtungen.3

In Spielbergs "War Of The Worlds" (2005) wird nicht ganz deutlich, ob die Lahmlegung der gesamten Elektrizität nur ein Nebeneffekt oder ein beabsichtigtes Ziel der außerirdischen Kriegsführung ist. Sehr klar liegen hingegen die Verhältnisse im Science-Fiction-Klassiker "The Day The Earth Stood Still" (USA 1951) von Robert Wise. Zur Demonstration ihrer technologischen Fähigkeiten unterbrechen außerirdische Besucher auf der Erde die Stromversorgung bzw. die Funktionstüchtigkeit elektrischer Geräte. Doch dabei gehen sie im wahrsten Sinne des Wortes sehr menschenfreundlich vor. Die Übung ist auf eine halbe Stunde beschränkt und klammert alle lebenswichtigen elektrischen Apparaturen - z.B. in Krankenhäusern - aus. Dieser wichtige Film gehört zu jenen Fiktionen über Außerirdische, die ausnahmsweise einmal nicht die Bewohner ferner Galaxien als feindselig und kriegerisch denunzieren. Die Menschen haben die Atombombe entwickelt und machen obendrein große Fortschritte in ihren Raumfahrtprogrammen. Diese Mischung beunruhigt andere Bewohner des Weltalls, zumal sie um die wenig überzeugende Geschichte der menschlichen Zivilisation wissen und nun auch noch - trotz aller Diplomatie - auf völlige Ignoranz bei den Lenkern der Erde stoßen. Von Einsprüchen dieser Art wäre mehr zu wünschen. Was berechtigt uns, das menschliche Programm "Krieg" ins gesamte Universum zu exportieren?

Kriegsführung mit Methoden der Wetterbeeinflussung ist nach Meinung von Prof. Michael Chossudovsky kein Objekt nur für realitätsferne Spekulationen4:

"The Strategic Defense Initiative, (Star Wars), not only includes the controversial 'Missile Shield', but also a wide range of offensive laser-guided weapons with striking capabilities anywhere in the world, not to mention instruments of weather and climatic warfare under the High Altitude Auroral Research Program (HAARP). Recent scientific evidence suggests that HAARP is fully operational and has the ability of potentially triggering floods, droughts, hurricanes and earthquakes. From a military standpoint, HAARP is a weapon of mass destruction. Potentially, it constitutes an instrument of conquest capable of selectively destabilizing agricultural and ecological systems of entire regions."

Michael Chossudovsky

Einen kritischen Beitrag zum Thema "Wetterkriegsführung" hat Roland Emmerich im Kino mit seinem frühen Film "Das Arche Noah Prinzip" (BRD 1983) vorgelegt: Nach einem politischen Umsturz bei den arabischen Verbündeten der USA sollen Flugzeuge nach Riad fliegen und dort US-amerikanische Geiseln befreien. Aus diesem Grund wünscht das US-Militär, dass die Mitarbeiter einer Raumstation Bestrahlungen über dem Indischen Ozean vornehmen. Danach wäre, so die Absicht, der Himmel über Saudi-Arabien wetterbedingt abgeschirmt. Die Rettungsaktion aus der Luft könnte unbemerkt erfolgen. Ein europäischer Wissenschaftler auf der Weltraumstation versucht, sich der Ausführung des Befehls zu widersetzen. Er beklagt den Missbrauch neutraler wissenschaftlicher Arbeit: "Die USA haben aus einer friedlichen wissenschaftlichen Arbeit eine Waffe gemacht. Ich habe immer an die positiven Aspekte der Wetterbeeinflussung geglaubt. [...] Was ist aus unseren Leitsätzen geworden, die wir an den Anfang unserer Forschungsarbeit gesetzt haben?" Die Folgen der Operation INVASION zur Wetterkriegsführung sind verheerend: "Die Mikrowellenstrahler waren bis zuletzt in Betrieb, und als die Amis merkten, was sie damit anrichten, war leider nichts mehr zu ändern. Die Monsunregen Indiens haben zu früh eingesetzt. Die Überschwemmungskatastrophe ist unbeschreiblich." Die unbequemen europäischen Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens werden nach ihrer Rückkehr zur Erde vom Geheimdienst in Gewahrsam genommen. Das Fernsehen berichtet sehr bald darauf von ihrem Tod. Die Dankesliste der Produktion lässt auf unabhängige Filmförderrichtlinien der Raumfahrt Anfang der 1980er Jahre schließen. Darin tauchen ESA (European Space Agency), NASA und Siemens auf.

"The Core" ©UIP

Das Thema "Wetter- und Klimakriegsführung" haben danach Filme wie "The Avengers" (USA 1998), "Die Another Day" (USA/GB 2002) und "The Core" (USA 2003) ausdrücklich oder indirekt weiterverfolgt. Im Kinotitel "The Avengers" (USA 1998) - nach der TV-Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" - geschieht das trotz düsterer Wetteraussichten auf humorvolle Weise: Sir August Winter, einst Wissenschaftler im geheimen Wetterforschungsprogramm "Prosperos" des britischen Militärs, bündelt in der Londoner Firma "Wonderland Weather" alle Fähigkeiten zur Klimamanipulation. Am Ziel angekommen, setzt er seine "Wetterwaffe" profitträchtig zur Erpressung ein. Alle Regierungen der Welt sollen - gegen zehn Prozent des jährlichen Bruttosozialproduktes - das Wetter bei ihm einkaufen.

Besonders sticht der Umgang mit dem Thema im pentagongeförderten Film "The Core" (USA 2003) ins Auge: Der äußere Erdkern hat sich aufgrund der Erprobung eines neuartigen Waffensystems der USA zur künstlichen Erzeugung von Erdbeben von seiner Eigendrehung verabschiedet. Da dies zur Zerstörung des die Erde umgebenden Magnetfeldes führt, droht unserer Zivilisation ein rasches Ende. Alle Lebewesen des Planeten könnten schon bald schutzlos den tödlichen Teilchenstrahlungen der Sonne preisgegeben sein. Für den Drehbuchschreiber ist dies alles jedoch kein Grund, sich mit prinzipieller Kritik an militärischen "Wetterexperimenten" aufzuhalten. Das Gegenmittel wird schließlich auch vom US-Militär bereitgestellt. Es besteht aus der Zündung von Nuklearsprengsätzen tief in der Erde.

Bei einer Recherche über Wetterwaffen stößt man im Netz auf allerlei dubiose Quellen, die einem das Gefühl geben können, der Suchmaschine ein nicht besonders seriöses Stichwort eingegeben zu haben5. Bezogen auf unerklärliche Wetterphänomene über Norddeutschland kursierten vor einiger Zeit im Internet militärische Erklärungshypothesen. Am 4.4.2006 stellte der Abgeordnete Ralf Briese (Grüne) dazu sogar eine Anfrage im niedersächsischen Landtag. Die Landesregierung konsultierte daraufhin das "Bundesministerium für Verteidigung" und antwortete am 24.5.2006: "Die Luftwaffe verfügt über keine elektronischen Stör- oder Täuschverfahren, die ein Phänomen dieser Dimension [...] verursachen könnten. [...] Die Bundeswehr führt keine Experimente durch, die ein solches Phänomen hervorrufen könnten."

Im frühen Science-Fiction-Kino sahen schon die Zuschauer des Films "When Worlds Collide" (USA 1951) die Erde durch einen auf sie zurasenden Kometen bedroht. Durch die Dinosaurier-Forschung erhielten Spekulationen über Meteoriteneinschläge neue Nahrung. In der Forschung wurden tatsächlich Modelle zur nuklearen Kometenabwehr erwogen. Der gesamte Komplex gelangte ins Katastrophenkino. In einer Reihe von späteren Abwandlungen des ursprünglichen Plots blieb das nukleare Lösungsmodell erhalten, während die Bedrohungsquelle ins Erdinnere verlegt wurde. Ein frühes Beispiel für die Kometenvariante ist "Meteor" (USA 1979). Viel später folgten mehrere Filmproduktionen, bei denen das Pentagon und z.T. auch die Raumfahrtbehörden kooperierten: die NBC-Serie "Asteroid" (USA 1997), "Armageddon" (USA 1998), "Deep Impact" (USA 1998) und "The Core" (USA 2003). Das "Wissenschaftliche" wurde in diesen Titeln mannigfaltig durch "Biblisches" oder "Spirituelles" angereichert. Im Bereich der B-Movies zeigt daneben der Katastrophenfilm "Deep Core" (USA 2000), wie nach gefährlichen Tiefbohrexperimenten gezielte Atomsprengungen zur Rettung der Erde unerlässlich sind. In "Scorcher" (USA 2002) müssen die USA im Untergrund der Erde "thermonuklear" intervenieren, weil unterirdische Atomtests Chinas den gesamten Planeten in Unordnung gebracht haben. In der TV-Produktion "Descent" (Kanada 2005) wird ein Projekt "Deep" verantwortlich gemacht für die Entfesselung von Vulkanen. Das angeblich zivile Energieprojekt ist in Wirklichkeit ein Rüstungsforschungsprogramm. Zur Verhinderung einer Katastrophe müssen 25 Meilen unter der Erdoberfläche Nuklearsprengsätze gezündet werden. Für dieses Rettungsunternehmen steht eine eindringende Technologie zur Verfügung, wie es sie nie zuvor bei Bergbaubohrungen gegeben hat.

"Armageddon" ©UIP

Das Ende des Kalten Krieges hat in militärischen Filmen die Suche nach neuen Bedrohungsszenarien und eine Hinwendung zum Katastrophenfilm begünstigt. Hypothesen über Kometeneinschläge sind Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Forschung, und damit zusammenhängend hat man über Raumfahrtmissionen zur atomaren Sprengung von "angreifenden" Asteroiden wirklich nachgedacht. Gleichwohl halte ich an einer These fest, die ich bereits im Rahmen einer ausführlichen Darstellung6 der drei militärisch geförderten Filme "Armageddon" (USA 1998), "Deep Impact" (USA 1998) und "The Core" (USA 2003) publiziert habe: Filme dieser Art sind nichts anderes als eine massenkulturelle Vorbereitung und Bewerbung von Atomwaffen einer neuen Generation, für deren Entwicklung und Einsatz man seit Jahren alle Hindernisse aus dem Weg geräumt hat.

Im Science-Fiction-Film "War Of The Worlds" (USA 1953) erschien ein Atompilz als ungefährlich für die sich rettende Menschheit. In "Battlefield Earth" (USA 2000) sind die Menschen einer fernen Zukunft angesichts der Besetzung der Erde durch außerirdische Rohstoffimperialisten vom Planeten Psychlo dankbar, dass ihre Vorfahren vor langer Zeit ein nunmehr sehr nützliches Atomwaffenarsenal zusammengestellt haben. In "Independence Day" (USA 1996) wird vorausschauend eine Lanze gebrochen für "kleine" Hightech-Kernwaffen (euphemistisch: Mini-Nukes). In der besagten, militärisch gesponserten Katastrophentrilogie geht es jedoch ganz gezielt um nukleare Erdpenetratoren. Die Botschaft aller drei Filmtitel lautet: Wir brauchen, um gegen die schlimmsten Katastrophen gefeit zu sein, unbedingt Atombomben, die tief ins Erdreich bzw. in Gesteinsschichten eindringen können. In allen Fällen spielen technologische Eindringhilfen, wie sie auch die neuen "Robust Nuclear Earth Penetrators" erhalten sollen, eine wichtige Rolle. In "Deep Impact" erweist sich die Bohrtechnologie für den tiefen Einsatz von Nuklearsprengköpfen als noch unzureichend. In "Armageddon" liefert die Ölförderindustrie die passende Hightech für eine Bohrtiefe von 300 Metern, und in "The Core" stehen fünf Jahre später perfekte Laser-Anwendungen zur Verfügung, die viele tausend Meter bis zum Mittelpunkt der Erde vordringen! Nunmehr kann es dem Kinozuschauer glaubwürdig vermittelt werden, dass atomare Bunkerbrecher bzw. Erdpenetratoren nicht nur im Weltall das Überleben sichern und dass sie mit Blick auf die bewohnte Oberfläche unseres Planeten niemandem Sorge bereiten müssen. Während die laut Auskunft der Experten nur minimale Eindringtiefe der neuen Atomwaffengeneration real eine riesige Bedrohung darstellt, gibt es auf der Leinwand schon vorweg die Entwarnung: Die radioaktiven Strahlungen bleiben tief im Erdreich unter Verschluss.

Der Krieg als Vater menschenfreundlicher Technologien? Damit wird eine unheilvolle Tradition der massenkulturellen Erinnerungspolitik im Atomzeitalter durch die offensive Bewerbung neuer militärischer Nukleartechnologien in aufwändigen Kinoproduktionen fortgesetzt, während wichtige kritische Beiträge aus der Filmgeschichte schon fast vergessen sind. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei maßgeblichen militärischen "Innovationen" vor allem auch um neue Massenvernichtungstechnologien handelt, wirkt das auf Nebenschauplätzen abgegebene Versprechen zu neuen "menschenfreundlichen" Kriegen mit so genannten "Non-Lethal Weapons" etc. wenig glaubwürdig.

Da der Mensch im Gegensatz zu den Tieren schier unbegrenzt Waffentechnologien erfinden kann, ist er auf Kulturfähigkeiten zur Eindämmung und schließlich Überwindung der daraus resultierenden Übel zwingend angewiesen7. Im Zeitalter der in immer kürzeren Intervallen erfolgenden Technologieschübe gilt: Die zivilisatorische Errungenschaft des Internationalen Rechts muss, da unser kulturelles Erfahrungswissen und unsere gesamte Kulturentwicklung schon lange nicht mehr Schritt halten, vergangenen Lernprozessen der Weltgesellschaft "Dauer" verleihen und große Defizite ausgleichen. Im Endergebnis heben jedoch gerade die Visionen der "Revolution in Military Affairs" die Konzeption eines Völkerrechts, das die Menschheit gemäß UN-Charta (1945) von der "Geißel des Krieges" befreit, aus den Angeln8. Wer allmächtig ist und alles kontrolliert, den kann niemand mehr kontrollieren. Dass der Krieg "Vater aller Dinge" sein soll, wie der griechische Philosoph Heraklit einst meinte, können wir im Atomzeitalter nicht länger wie eine ewige Wahrheit hinnehmen. Dass der Krieg insbesondere auch weiterhin der "Vater" aller zukunftsweisenden Technologien bleiben soll, stellt die Fortdauer unserer gesamten Zivilisation in Frage. "Für Michael Geyer, Professor für Gegenwartsgeschichte an der University of Chicago, Spezialgebiet moderne Militärgeschichte, zeigt sich in der Militärdoktrin 'der genuine amerikanische imperiale Traum: die Verbindung von Technologie, Utopie und amerikanischer Superiorität, als Selbstdefinition im Zeitalter der einen Weltmacht.'9" Ein Großteil des populären Science-Fiction-Kinos besteht darin, der nicht nur in Washington angesagten Militärutopie argumentative Beihilfe zu leisten und sie ästhetisch aufzuwerten. Das hat mit Wissenschaft und kreativer Geistespotenz wenig zu tun, aber sehr viel mit Ideologie. In der laufenden UNO-Dekade für eine Kultur der Gewaltfreiheit bräuchten wir dringend intelligente Science-Fiction, die den Spuren seriöser Wissenschaft folgt.

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