Whose Black Lives Matter?

Rückzug der Staatsgewalt nach BLM-Protesten führt zum Ansteigen der Mordrate durch Gang-Kriminalität

Dem Motto und Namen der Bewegung "Black Lives Matter" kann in seiner Abstraktheit erst einmal nur widersprechen, wer wirklich einer "White Pride"-Ideologie verhaftet ist. Die Frage ist jedoch, inwieweit es die Vertreter der Bewegung mit ihrem eigenen Motto eigentlich wirklich ernst meinen.

Gegen Polizeigewalt zu demonstrieren ist grundsätzlich legitim und teilweise durchaus notwendig. Es gehört zu den Grundprinzipien der Bürgerrechte, sich gegen staatliche Übergriffe zur Wehr setzen zu können. Und selbstverständlich sind für Polizeibeamte in den meisten Fällen höhere moralische Standards anzusetzen als für andere Bürger - dazu verpflichtet sie schlichtweg ihre Berufswahl.

Die Bewegung beziehungsweise das Bündnis Black Lives Matter hat mittlerweile mehr als eintausend solcher Demonstrationen veranstaltet. Auf einer dieser Demonstrationen, die von dem Bündnis organisiert wurde, erschoss ein Heckenschütze fünf Polizisten und verletzte zahlreiche weitere zum Teil schwer. Nun zeigt sich, dass auch der dreifache Polizistenmord in Baton Rouge geplant war und die Opfer bewusst in einen Hinterhalt gelockt wurden.

"Das Massaker in Dallas hat die Bewegung in eine tiefe Krise gestürzt", heißt es in der Jungle World. "Mit seinem Verbrechen hat Johnson binnen weniger Stunden die Anstrengungen der BLM-Bewegung zunichte gemacht." Das Attentat in Dallas hat die BLM-Bewegung hingegen absurderweise eher gestärkt. Im Anschluss kam es auch in Europa zu Demonstrationen gegen eine rassistische Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten und dezidiert nicht zu Solidaritäts- oder Trauerbekundungen angesichts der ermordeten Polizeibeamten.

Die Bewegung Black Lives Matter (BLM), die nach eigener Aussage maßgeblich sowohl von der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung als auch der Black Power-Bewegung und nebenbei noch von den LGBT-, Panafrikanismus-, Occupy Wall Street-Bewegungen sowie dem Hiphop (!) beeinflusst worden sei, sieht schon lange die eigenen Widersprüche nicht mehr bzw. löst sie dezidiert zum Barbarischen auf. Die Mehrheit grenzt sich nämlich gerade explizit von der traditionellen Bürgerrechtsbewegung ab, der sie zu viel Nähe zum Establishment ( z.Bsp. der Bezug auf Rechtsstaatlichkeit) vorwerfen. Auf den übrigbleibenden Black-Power-Strang der ideologischen Tradition stützte sich jedoch auch der Attentäter von Dallas.

BLM ist vielmehr in weiten Teilen selbst "die tiefe Krise", in die die Bewegung angeblich gestürzt worden sei, was sich sowohl an ihrem Fokus, an ihrer Argumentation und den Resultaten ihrer Proteste ablesen lässt.

"Es gab immer wieder Momente, in denen die friedliche Black-Lives-Matter-Bewegung drohte, in Gewalt abzurutschen", hieß es umschmeichelnd in der Süddeutschen. Und "White silence is violence" (Weißes Schweigen ist Gewalt) lautet eine der mittlerweile zu Berühmtheit gelangten Kernparolen der Proteste. Was jedoch ist dann das schwarze Schweigen der Bewegung?

Hingewiesen hat darauf schon 2014 der Police Chief Edward Flynn aus Milwaukee in einer mitgefilmten Stellungnahme gegenüber Journalisten und in Richtung der BLM-Aktivisten. Er nennt hier den Tränen nahe statistische Zahlen für seinen Bezirk, die man durchaus einmal bundesweit betrachten kann, schon da die BLM-Bewegung gerne mit solchen Zahlen hantiert.

Sie berufen sich hierbei gerne auf das Missverhältnis der Rate schwarzer Opfer von Polizeigewalt und dem Anteil an der tatsächlichen Bevölkerung. Dieses Missverhältnis geht jedoch weit über diesen engen Rahmen hinaus. Eine solche Kontextualisierung würde jedoch der BLM-Bewegung ihre Argumentation deutlich erschweren, sofern sie sie nicht ganz verunmöglichen würde.

Gewalt, die von dem in kulturindustriellen Filmen und Hiphop-Liedern wie auch -Videos ohne Ende zelebrierten Gangwesen ausgeht

Nach einer Statistik vom US Departement of Justice für die Jahre zwischen 1980 und 2008 lag beispielsweise die Mordrate unter Schwarzen deutlich über jener der Weißen. In bereinigten Zahlen lag die Rate der schwarzen Täter bei dem siebenfachen Faktor weißer Täter und die der Opfer bei dem sechsfachen. Keineswegs handelt es sich hierbei um die Zahlen rassistischer Verfolgungen, sondern 93% der schwarzen Opfer wurden von Schwarzen ermordet - zum Vergleich: 84% der Weißen wurden von Weißen getötet. Prozentual werden ferner wesentlich häufiger Weiße durch Schwarze ermordet als andersherum. Diese Zahlen werden eben nicht in einen Zusammenhang gesetzt zu den Raten, der von Polizisten erschossenen Schwarzen. "Vertraue keiner Statistik, die du nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast", wäre hier das Bonmot abzuändern.

Ein riesiges Manko der BLM-Bewegung ist das programmatische Verschweigen der Gewalt, die von dem in kulturindustriellen Filmen und Hiphop-Liedern wie auch -Videos ohne Ende zelebrierten Gangwesen ausgeht. Die Verherrlichung solcher Rackets im Mainstream - von den Wild-West-Desperados über die Gangs der Five Points bis hin zur Mafia - erleichtert das Verschweigen des Gewaltpotenzials von heutigen schwarzen und Latino-Gangs.

Im Jahre 2011 zählten in den USA 33.000 Gangs um die 1,4 Millionen Mitglieder. Die Tendenz ist seit 2002 wieder stark steigend. Stärker steigt nur die Rate, der von diesen Gangs verübten Verbrechen und Morde. So sind die Gangs für nahezu 50% aller Gewaltverbrechen in den USA verantwortlich (und für zirka 90% der anderen Straftaten).

DMX - Bring Ya Whole Crew

Es handelt sich hierbei vor allem um Jugendbanden, deren Mitglieder meist um oder unter 20 Jahre alt sind. Die National Youth Gang Survey Analysis aus dem Jahre 2011 hielt fest, dass 46% der Gangmitglieder Hispanics bzw. Latinos waren, 35% Schwarze, 11.5% Weiße und 7% einen anderen ethnischen Hintergrund aufwiesen. Während der Anteil der Hispanics jedoch langsam aber stetig sinkt, steigt der Anteil schwarzer Gangmitglieder in den letzten Jahren ungebrochen und rasant an. Entgegen gewisser Klischees dominieren ferner schwarze Gangs nicht nur die Großstädte, sondern üben vor allem auch in den ländlichen Gebieten die Hegemonie aus. Beispielsweise werden um die 65% aller Drogenmorde von Schwarzen verübt.

Die Waffengesetze der Vereinigten Staaten verantwortlich zu machen, mag naheliegend erscheinen, verkennt jedoch gewisse Spezifika. Das inoffizielle und einigermaßen perfide Motto der National Rifle Association, also der größten Waffenlobbyorganisation, "Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen", unterschlägt zwar die Bedeutung, welche dem Besitz von Waffen für die Freisetzung regressiver Tendenzen in Menschen angesichts tatsächlicher oder vermeintlicher Ohnmacht zukommt, kann aber auch ein Fünkchen Wahrheit für sich verbuchen.

So ist beispielsweise New York der Staat mit den härtesten Waffengesetzen der US, aber "vierzig Prozent der Morde, die 2015 in der Stadt begangen wurden - in absoluten Zahlen: 130 - gehen auf das Konto von kriminellen Banden." Dabei ist New York längst kein Zentrum der Gangkriminalität mehr. Die eigentlichen Hotspots sind heutzutage eher Los Angeles, Oklahoma City, Long Beach, Oakland, Newark und neuerdings wieder in einem erheblichen Ausmaß Chicago.

Die absolute Mehrzahl der Morde wird mit illegalen Waffen verübt. Der Fokus muss sich also zumindest auch, wenn nicht sogar hauptsächlich auf die Motivation richten, sich solche zu beschaffen. Damit landet man jedoch wieder bei der Gangkriminalität.

Für Chicago hieß es im Jahr 2012: 20% der Toten gingen direkt auf das Konto von Gangs, 80% standen mit Gangaktivitäten in Verbindung und außerdem waren 80% der Opfer Afro-Amerikaner.

Nur allein im Januar 2016 gab es 51 Mordopfer und 242 Schießereien in Chicago (das kleiner als Berlin ist), die fast alle von Gangs ausgingen. Die Aufklärungsrate liegt aufgrund deren Verschwiegenheit bei nur rund 10 Prozent. 2015 gab es in der Stadt 470 Mordopfer und fast 3.000 Schießereien. Die meisten Opfer von Gang-Gewalt sind entgegen manchen Legenden oder sogar Hoffnungen keine verfeindeten Gang-Mitglieder, sondern Unbeteiligte oder sonstige Zivilisten, die in den Fokus bzw. wortwörtlich in die Schusslinie der Gangs gerieten. Und zwar in der Mehrzahl Schwarze.