Widerstände gegen Aufsichtspflicht bei Corona-Schnelltests an Schulen

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? - Viele Lehrkräfte sehen das anders und plädieren für Selbsttests zuhause. Auch zum eigenen Schutz

Zur Corona-Testpflicht für den Präsenzunterricht an Schulen gibt es mehr als zwei Meinungen. Lehrkräfte beschäftigt zur Zeit vor allem das "Wie": Manche befürchten eine Übertragung beim Beaufsichtigen von Kindern und Jugendlichen, die sich Teststäbchen in die Nase schieben. Oder sie geben zu bedenken, dass es für Dritte schon zu spät sein könnte, wenn eine Infektion erst nach der Anfahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln festgestellt wird. Andere gehen davon aus, dass in Familien mit Schulpflichtigen, die nicht in Quarantäne wollen, zu viel geschummelt wird, wenn die Abstriche zu Hause gemacht werden dürfen.

Noch wurde nicht in jedem Bundesland eine Testpflicht nach den Osterferien beschlossen - der Berliner Senat will beispielsweise am Donnerstag darüber beraten; Die Linke will dort lieber für einen weiteren Monat den Präsenzunterricht aussetzen - der Schulstart in der Hauptstadt steht somit auf der Kippe. Wenige Kilometer entfernt in Brandenburg steht fest, dass es ab dem 19. April eine landesweite Testpflicht geben wird.

Ungeschult und ungeschützt

Ab Mitte März hatte das Land bereits einen Test pro Woche angeboten. Lehrer sahen sich hier bereits unter Druck gesetzt, ohne entsprechende Schulung und Schutzkleidung medizinische Maßnahmen durchführen oder beaufsichtigen zu müssen. "Besorgte Lehrkräfte an über 900 Schulen sollen Testkits an Schülerinnen und Schülern besorgter Eltern ohne Ausbildung, Fortbildung oder Einweisung ausprobieren", kritisierte der Landesrat der Lehrkräfte in einem Brief an Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Im Ernstfall müssten die Lehrkräfte sogar dagegen remonstrieren, hieß es auf der Homepage des Landesrats.

Auch in Nordrhein-Westfalen wurden schon vor den Osterferien Erfahrungen im Beaufsichtigen von Schnelltests an Schulen gesammelt; eine landesweite Testpflicht wurde dort vergangene Woche beschlossen. Der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs in NRW lehnt zumindest für dort beschulte Altersgruppe eine Beaufsichtigung ab: "Testungen sind wichtig, nur die gewählte Methode scheint für die meist erwachsenen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ungeeignet", erklärte der Verband am Dienstag und plädierte für Selbsttests zu Hause.

Häufig seien die Anfahrtswege der Betroffenen lang, die Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Schule könne durch Selbsttests zuhause reduziert werden. Außerdem gehe sonst zu viel Unterrichtszeit verloren. Schulen parallel zum Wechselunterricht mit weiteren logistischen und organisatorischen Aufgaben wie den Testungen auf Covid-19 zu belasten, sei unangemessen und nicht nachvollziehbar. Betroffene Lehrkräfte sehen zum Teil auch nicht ein, warum sie sich privat an strenge Kontaktbeschränkungen halten müssen, um dann 25 Personen bei den Tests zu beaufsichtigen.

In Rheinland-Pfalz wehrt sich auch der Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gegen das Prozedere: "Die GEW Rheinland-Pfalz lehnt entschieden ab, dass die Testungen der Schülerinnen und Schüler unter Beaufsichtigung der Lehrkräfte an den Schulen stattfinden sollen", erklärte der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer am Dienstag in einem offenen Brief an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

GEW-Landesverbände uneinig

Bundesweit gibt es dazu in der GEW geteilte Meinungen: Die Landesvorsitzenden hätten diesbezüglich noch keine gemeinsame Position gefunden, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe am Mittwoch gegenüber Telepolis. Konsens sei aber, dass alle Lehrkräfte ein Impfangebot bekommen müssten, bevor ihnen dergleichen abverlangt wird. Unstrittig sei auch: "Wir wollen, dass viel getestet wird", so Tepe. Ob in diesem Fall Vertrauen gut und Kontrolle besser ist, darüber wird in der GEW noch diskutiert.

Kritik gibt es aber auch am Umgang mit positiv getesteten Kindern - beziehungsweise daran, dass er bisher ungeregelt ist. "Die Mitteilung einer Diagnose ist immer eine sensible Angelegenheit und bedarf eines geschützten Rahmens - auch im Falle einer Sars-CoV-2-Infektion", schrieben der Arzt, Psychotherapeut und Neurowissenschaftler Joachim Bauer und der Schulpsychologe Klaus Seifried Anfang März in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Sie forderten dafür geschützte Räume und eine durchdachte Kommunikationsstrategie für die Testkampagnen, um Kinder und Jugendliche, die das Virus in der Regel nicht in Lebensgefahr bringt, vor "psychischen Kollateralschäden" wie Schocks, Angstzuständen und möglichen Stigmatisierungen zu schützen. Dafür sei aber bisher einheitliche Regelung gefunden worden, sagte GEW-Chefin Tepe am Mittwoch.

(Claudia Wangerin)