Wie Pinguine die Eisbären vor dem Aussterben bewahren können

… und weniger realistische Projekte zur Senkung des Energieverbrauchs

Wie Spiegel Online am 6. Juni 2007 unter der Überschrift "Pinguine am falschen Ende der Welt" meldete, fand ein Fischer in Alaska einen Pinguin. Die gehören da nicht hin - denn schließlich weiß jedes Kind, dass Pinguine nur am Südpol wohnen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Seeleute den Pinguin als Haustier hielten und dann irgendwann aussetzten.

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Eisbär. Bild: MMS

Eine Überlebenschance habe er, so die Meldung, kaum gehabt. In Skandinavien um 1950 ausgewilderte Pinguine hätten das folgende Jahrzehnt aufgrund von „Krankheiten oder Übergriffe[n] von größeren Tieren“ nicht überstanden. Der Artikel zitiert dazu die Pinguin-Expertin Dee Boersma, nach der die Tiere "wenig Chancen hätten, in der nördlichen Hemisphäre zu überleben. Grund sei nicht die Kälte, sondern natürliche Feinde wie der Bär.“

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Linux erfreut sich der Bär, und – dank Knut – insbesondere der Eisbär, deutlich größerer Beliebtheit als der Pinguin. So dient er mittlerweile unter anderem als Aufhänger für Klimaschutzkampagnen wie die von einem Solarstrom-Anbieter und United International gesponserte Aktion www.rettet-die-eisbaeren.de. Auch FOCUS SCHULE betitelt einen Energiesparartikel mit "Rettet die Eisbären!". Leider sind die dort gegebenen Tipps weder geeignet, Eisbären zu retten, noch, den CO2-Ausstoß merklich zu senken: Rund 90% des Energieverbrauchs bei Privathaushalten entfällt auf Heizung und Warmwasserbereitung, nur 10% auf Strom. Wer seinen Stromverbrauch halbiert, hat 5% Energie gespart, die dank Nuklear-, Wasserkraft- und Erneuerbare-Energien-Strom zu mehr als einem Drittel (genau genommen: zu 39%) ohnehin CO2-neutral gewonnen wurde. Wer stattdessen etwas unternimmt, um seine Heizkosten zu verringern – Hausisolierung, bessere Wärmepumpen, intelligente Bedarfsmess-Systeme, oder schlichtweg Pullover-Tragen im Winter – kann sehr wahrscheinlich einen weitaus größeren Anteil seines Gesamtenergiebedarfs einsparen.

Pinguine. Bild. NSF

In diesen Kontext passt auch die Meldung, dass es in Deutschland bis 2015 keine normalen Glühlampen mehr geben soll. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um ein Gesetz, sondern um einen Beschluss der europäischen Lampenindustrie. Ob man dort an den CO2-Verbrauch denkt oder doch mehr an die um ein Vielfaches höheren Abgabepreise von Energiesparlampen? In jedem Fall kann diesen Beschluss nur bejubeln, wer keine praktische Erfahrung mit Energiesparlampen hat. Sie brauchen nämlich ein Weilchen, bis sie hell werden. Wer als eingefleischter Energiesparer gewohnt ist, das Licht ein- und sofort wieder abzuschalten, wo er es nicht benötigt (etwa im Gang, in der Abstellkammer oder im Treppenhaus), der wird sich ärgern, dass er gar nichts mehr sieht - weil die Energiesparlampen bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie endlich hell leuchten, längst wieder abgeschaltet sind. In diesem Bereich wird ein Verschwinden von Glühbirnen also sehr wahrscheinlich dazu führen, dass man viele Lampen lieber brennen lässt, statt sie abzuschalten.

Aber solche Wahrheiten passen nicht in die Welt der Pingus und Knuts – denen wir uns gleich wieder zuwenden: Eigentlich sieht es für die bedrohte Tierart des Eisbären schlimm aus - aber die Pinguin-Meldung zeigt einen Ausweg. Denn im Gegensatz zur Arktis ist die Antarktis Festland. Würde man also eine zur Fortpflanzung ausreichende Eisbären-Population in der Antarktis auswildern, dann hätte die nicht nur die Gewissheit, dass ihr nicht der Boden unter den Füßen wegschmilzt, sondern auch genug Futter. Denn viele Pinguinarten sind im Gegensatz zum Eisbären nicht vom Aussterben bedroht. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die in, oder vielmehr: „auf“ der Antarktis leben. Und so könnten sich die Knuts die Pingus noch eine Zeit lang schmecken lassen – zumindest so lange, bis auch diese ausgestorben wären.

Ein unrealistischer Vorschlag? Vielleicht. Aber er stützt sich immerhin auf mehr Fakten als viele Appelle, Vorschläge und Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs.

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(Peter Riedlberger)

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