Wie man der AfD nicht hilft

Vorschläge im Zusammenhang mit dem kommenden Bundesparteitag der rechten Politschlümpfe

Ein weiser Chinese hat einmal gesagt: "Nichtstun kann viel Unheil verhindern." Und obwohl das beste Nichtstun überhaupt immer noch das Nichtstun der AfD wäre, ist dieser Ratschlag manchmal auch für ihre Gegner bedenkenswert.

Warum möchte die AfD in den Bundestag? Diäten, Abgeordnetenbüros, Wahlkampfkostenerstattung wirken so anziehend auf Parteien wie Koks, Prostituierte und Champagner auf Libertins; die AfD ist da keine Ausnahme. Und dann sind da ja auch noch die "politischen Gestaltungsmöglichkeiten", der Einfluss, die parlamentarisch legitimierte Macht, die von der AfD eher als eine Lizenz zum Quälen interpretiert werden würde.

Mit anderen Worten: So schnell wie möglich zu den Eliten gehören, zu denen da oben, die man angeblich bekämpft, das "System" so hart melken wie es geht, und parallel dazu Deutschland die Moral- und Ordnungsvorstellungen von 1953 (oder früher) aufzwingen. Gewählt von armen Lichtern, die das alles für eine Alternative zum Bestehenden halten. Das war der Plan.

Es gibt nur ein Problem. Der Hauptkniff der AfD, der Fremdenhass, zahlt sich für die Partei nicht mehr so aus wie noch vor kurzem. Das liegt unter anderem daran, dass sich die "Systemparteien" des gleichen Kniffs immer professioneller bedienen - was die AfD kann, können sie ja schon lang und mit viel besserem Gewissen dazu. Die Umfragewerte der AfD sacken ab.

Geht der Trend so weiter, dann wackelt der schon für sicher gehaltene Einzug in den Bundestag, aber je mehr er wackelt, desto notwendiger wird er: Für vier Jahre auf Bundesebene durch Diäten, Abgeordnetenbüros und Wahlkampfkostenerstattung abgesichert, könnte die Partei überleben und "Politik" à la 1953 (oder früher) machen.

Der Feind von außen

Mit anderen Worten: Der Bundestag würde für die AfD zu einer Art organisatorisch-institutionellem Führerbunker, in dem sie auf bessere Zeiten warten könnte. Also zum Beispiel auf katastrophale islamistische Anschläge, eine neue Flüchtlingswelle oder andere Anlässe, die die Deutschen zum Anlass nehmen könnten, etwas so Absurdes wie die AfD zu brauchen.

Der Bundesparteitag in Köln, geplant als Feierstunde, bei der die Beute im Voraus verteilt wird, droht unter diesen Umständen zu einem düsteren Krähenfrühling zu werden, bei dem sich die Aasfresser der parlamentarischen Demokratie um Nistplätze und Futter streiten; durchaus bereit, einander die Augen auszuhacken. Nichts käme da gelegener, als ein Feind, der von außen einigt.

Auftritt: die Antifa. Die Antifa hat ja Verdienste, die kaum eine andere gesellschaftliche Gruppierung für sich beanspruchen kann. In den Worten von Sebastian Leber:

Sie gelten als Krawallmacher, Störenfriede, Chaoten. Dabei ermöglichen sie uns ein Leben, in dem Rechtsextreme die Rolle spielen, die ihnen zusteht: Nämlich keine. (…) Gäbe es den Widerstand nicht, hätten Rechtsextreme bald keine Hemmschwelle mehr, in der Öffentlichkeit zu agieren. (…) Sie könnten Druck ausüben und anderen ihre Werte aufzwingen. Mich stört es schon, dass ich zu Hause in der Bergmannstraße ständig von Umweltschützern angesprochen werde, die mich zu einer Mitgliedschaft überreden wollen. Ich bin dankbar, dass es keine Rechtsextremen sind, die über den Holocaust diskutieren möchten.

Sebastian Leber

Und das gilt natürlich nicht nur für Berlin. Danke, liebe Antifa.

Aber gerade das bringt uns wieder zu der Sache mit dem Nichtstun. Die zweitbeste Art des Nichtstuns wäre ja ein Generalstreik in Köln, der die beste Art des Nichtstuns erzwingen würde, nämlich das Nichtstun der AfD selbst. Damit ist in Deutschland seit dem Kapp-Putsch nicht mehr zu rechnen.

Um so wichtiger die drittbeste Art des Nichtstuns. Wenig könnte der AfD momentan mehr als schaden, als ihr die Ruhe zu gönnen, die sie braucht, um sich selbst zu zerfleischen.

Wenig könnte ihr mehr nützen, als Bilder von brennenden Autos, zerschlagenen Fensterscheiben und verletzten Polizisten (die verletzten Demonstranten würden wie üblich unter den Teppich gekehrt werden). Oder entschlossene Versuche zur Verhinderung des Parteitags. Je heftiger die Krawalle wären, desto leichter ließe sich daraus die Botschaft destillieren, dass nur eine Partei wie die AfD wirklich für Recht und Ordnung sorgen kann, und so was zieht in Deutschland immer, auch bei Wahlen.

Den Alternativschlümpfen würde ein Opfer-Narrativ frei Haus geliefert, wie sie es sich selbst nicht schöner zusammenschmieren könnten. Mit anderen Worten: So sehr manche bei der Antifa auch Lust auf Straßenmilitanz in Köln haben mögen - die AfD hat mehr Lust darauf. Sie braucht ein Ersatzsprungbrett in den Bundestag; die anderen sind möglicherweise morsch, halten möglicherweise nicht, was sie versprechen.

Und daher, liebe Antifa: Stell dir vor, es ist Bundesparteitag der AfD, und keiner geht hin. Möge die Kraft des Nichtstuns am 22. und 23.4. in Köln mit dir sein. (Marcus Hammerschmitt)