Wie sinnvoll ist ein Kopftuchverbot, um dem Kopftuchzwang entgegenzuwirken?

In Österreich möchte die Bundesregierung ein Kopftuchverbot an den Schulen und Kindergärten einführen

Alle paar Monate kommt es in Österreich zur Kopftuchdebatte. Es wird darüber diskutiert, ob man dieses Kleidungsstück im öffentlichen Raum verbieten soll oder nicht. Die österreichische Bundesregierung möchte nun das Tragen des Kopftuches untersagen und zwar jenen Kindern, die unter zehn Jahre alt sind. Doch dies ist erst der Anfang. Das Verbot möchte man auch an den österreichischen Universitäten durchsetzen.

Bundeskanzler Kurz begründet das Vorgehen damit, dass die Regierung keinesfalls die Diskriminierung von Frauen tolerieren würde. Solch eine Diskriminierung führe laut Kurz zu Parallelgesellschaften, und er fügt hinzu: "Österreich ist ein Land der Freiheit und nicht der Unterdrückung." Es wird somit von der Regierung pauschal davon ausgegangen, dass jedes Mädchen (sei es an der Schule oder im Kindergarten) vom Vater oder von Verwandten gezwungen wird, das Kopftuch zu tragen.

Die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich protestiert dagegen und möchte die Durchsetzung eines solchen Verbots nicht einsehen. Ibrahim Olgun, ein Vertreter der islamischen Glaubensgemeinschaft, sieht keinen Unterschied zwischen einem Vater, der seiner Tochter ein Kopftuch aufzwingt, und einer Regierung, die durch Verbote das Ablegen erzwingt.

Hier könnte man entgegenstellen, dass es aus religiöser Sicht im Islam doch gar nicht Pflicht ist, in solch einem jungen Alter (sprich: vor der Pubertät) ein Kopftuch zu tragen. Darüber ist man sich nämlich in allen islamischen Rechts- und Denkschulen einig. Wozu also die Aufregung?

Viele Muslime befürchten hierbei eine Ungleichbehandlung und ein starrhafte Fixierung auf die Kleiderordnung von Musliminnen. Wenn man das Kopftuch in Kindergärten und Schulen verbieten will, müsste dies dann nicht genauso mit anderen religiösen Symbolen geschehen, wie beispielsweise dem Kreuz oder der Kippa?

Die israelitische Kultusgemeinde in Wien hat sich hierbei ebenfalls zu Wort gemeldet und das Tragen der Kippa verteidigt. Das Tragen der Kippa sei nämlich laut dem Judentum eine religiöse Pflicht, die männliche Juden (ab dem dritten Lebensjahr) betreffe und dies stehe unter dem verfassungsgemäßen Schutz der Religionsfreiheit.

Doch wieso sollte man ausgerechnet Muslimas anders behandeln als Juden, Christen oder Anhänger anderer Religionen? Ist es nicht die Aufgabe eines säkularen Staates die Grenzen der Religionsfreiheit für alle Religionen gleichermaßen zu ziehen?

Sofern also nicht von einem absoluten Verbot von religiösen Symbolen an öffentlichen Schulen ausgegangen wird (wie es im laizistischen Frankreich der Fall ist), ist es auch nicht fair, einzig und allein das Kleidungsstück von Muslimas zu verbieten. Schon gar nicht, wenn es um ein Verbot an Universitäten geht, wo es um erwachsene Studentinnen geht, was FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache anstrebt.

Denn die Pflicht des Staates ist es, sich allen Religionen gegenüber neutral zu verhalten und sie gleich zu behandeln, egal ob es sich um die Kippa eines Juden, den Turban eines Sikhs oder das Kopftuch einer Muslima handelt.

Zweifelsohne gibt es jene Väter, die ihre Töchter zwingen, einen Hijab zu tragen, und ihnen einbläuen wollen, dass dies zu ihren religiösen Pflichten gehört. Allerdings kann man dies nicht pauschal jeder Familie, in der es ein kopftuchtragendes Mädchen gibt, unterstellen. Einige Mädchen möchten womöglich lediglich das Aussehen der Mutter nachahmen, die sie als Vorbild betrachten, und tragen den Hijab somit aus freien Stücken.

Mit welcher Motivation nun eine gewisse Tat oder Handlung (in diesem Fall das Tragen eines Kopftuches) verübt wird, sollte zunächst für den Staat irrelevant sein, solange sie im rechtlichen Rahmen bleibt. Es ist nämlich äußerst fragwürdig, ob es nachweisbar ist, welches Mädchen nun unter Zwang und welches aus eigenem Antrieb das Kopftuch trägt. Feststeht, dass beide Situationen Realitäten sind, doch konkrete Probleme, die existent sind, anzusprechen und pauschale Stereotypisierungen zuzuschreiben, sind zwei Paar Schuhe.

Letzteres ist nämlich genauso falsch und unfair, wie das Aufzwingen bestimmter Kleidungsvorschriften von Seiten extremistischer Familienmitglieder. Man sollte hierbei nicht außer Acht lassen, dass Muslime keine homogene Gruppe sind und unterschiedliche Hintergründe und Interessen haben. Die jeweiligen Fälle sind individuell zu betrachten und deshalb kann ein pauschales Verbot auch nicht zielführend sein. (Elias Feroz)

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