"Wie steht es um die Sicherheit dieser Webseite?"

Infowar: Internet-Mudschahedins fürchten Infiltration

Dass islamistischen Terroristen das Internet als Tool für Propaganda, Rekrutierung und Ausbildung nutzen, bringt die Formel von der „offenen Universität des Dschihad“ (vgl. Das Trainingscamp zuhause) auf den Punkt. Nicht selten ist vom Katz-und Mausspiel zwischen Online-Fahndern und Dschihadisten, welche die Adressen ihrer Webseiten täglich ändern, die Rede und von ominösen arabischen Foren und Chatrooms, in denen sich mutmaßliche Mitglieder von bekannten Terrororganisationen ihrer Taten brüsten, Anschläge ankünden oder den anderen Forenteilnehmern das heilige Licht aufstecken.

Für den westlichen Normaluser, der die arabische Sprache nicht beherrscht, sind diese Webseiten und Foren so zugänglich wie Mekka. Man ist auf Webseiten angewiesen, die sich darauf spezialisiert haben, die Aktivitäten von radikal-islamischen Terroristen im Netz ans Licht zu bringen (vgl. Die Online-Miliz, Terror.net: "Online-Terrorismus" und die Medien). Allgemeiner befasst sich das Weblog des englischen Fachmanns für „Islamic Studies“, Gary R.Bunt, mit dem Einfluss des Internet auf den gegenwärtigen „Islam“.

Dort stellt er Neuigkeiten und Forschungsergebnisse über „Islam in the Digital Age“ vor und von dort stammt eine "News", die ein interessantes Licht darauf wirft, wie „ambivalent“, der Gebrauch von Internetforen für Terroristen sein kann.

Folgt man dem Überblick einer Diskussion in einem bekannt radikalen islamistischen Forum des Autors Stephen Ulph, so sind Al-Qaida-Mitglieder, die sich im Netz mit dem Anschlag auf die saudische Ölverarbeitungsanlage Abkaik Ende Februar (vgl. Nightmare on Ethyl Street) brüsteten, dadurch in „Rekordzeit“ von den saudischen Behörden ausfindig gemacht und getötet worden.

Das Bekennerschreiben der "al-Qaeda in the Arab Peninsula" für den (vereitelten) Anschlag auf den Kontenpunkt der saudischen Ölindustrie wurde am 25.Februar, einen Tag nach dem Anschlag, im al-Hesba-Dschihadi-Forum veröffentlicht, das – laut Stephen Ulph – von Mudschahedins als Referenz-Seite angesehen wird, von der viele Dschihadisten-Foren Material beziehen. Am 26.Februar gab es im Forum weitere Informationen zum Abkaik-Anschlag, diesmal mit Details, welche Rückschlüsse auf die Identität der Planer zuließen.

Einen Tag nach der Veröffentlichung wurden von saudischen Sicherheitskräften fünf Verdächtige in einem Viertel in Riad ausfindig gemacht und erschossen, darunter ein Mann, der auf der Liste gesuchter al-Qaida-Mitglieder ganz oben stand.

Was in der internationalen Presse – schon bei der Vereitelung des Anschlags – als Ausweis einer beachtlichen Kompetenz des saudischen Sicherheitsapparats gewertet wurde, ist im Tadschid-Forum nun Anlass zu größter Vorsicht gegenüber der Sicherheit in vermeintlich sicheren Enklaven des Netzes. So postete ein Umar bin Hanif im Namen der Qaida:

Wir würden gerne wissen, wie es um die Sicherheitsmaßnahmen auf dieser Seite steht. Gerade hatten unsere Brüder das Bekennerschreiben im Namen der Media Front ins Netz gestellt, als sie entdeckt wurden. Und danach erschien ein neuer Name für die Media Front, einer, der auf der Seite gerade seit zwei oder drei Tagen registriert war. Mudschahedins im Land der zwei heiligen Stätten, passt auf, passt auf! Wir (al-Hesba) sind infiltriert worden, bis zu den Knochen.. Cut down your efforts on the internet!

Ein Propagandatrick der saudischen Behörden, wer weiß....Anscheinend gehört das Infowar-Tool nicht mehr nur der einen Seite. Für Analytiker der fehlgeschlagenen Abkaik-Bombenattacke ist jedenfalls klar, dass die Infrastruktur der al-Qaida-Organisation in Saudi-Arabien durch das rigide Vorgehen der Sicherheitskräfte ziemlich beschädigt ist. Anders könne man sich nicht erklären, dass der Anschlag so leicht vereitelt werden konnte, die Attacke nur minimal vorbereitet wurde und dennoch hochrangige Mitglieder federführend beteiligt waren. (Thomas Pany)