Wie war das noch mit dem Korea-Krieg?

Massenmord-Bombardement der USA über Nordkorea - mit "UNO-Mandat"

Es gibt also triftige Gründe, sich beim Thema "Wiederbewaffnung" auch den Korea-Krieg 1950-1953 näher anzuschauen! Hier musste ich vor zwei Wochen bei Vorbereitungen für einen Vortrag meine erschreckende Unkenntnis feststellen. Die "Basisdaten" des Kriegsschauplatzes habe ich in Publikationen etwa zu Vietnam durchaus korrekt wiedergegeben, doch seine wirkliche Bedeutung und die Opferdimensionen beharrlich übersehen. In diesem Beitrag möchte ich nur eine Problemanzeige formulieren, mehr nicht!

Historischen Ausführungen in eigenen Artikeln - ohne Fußnoten und Referat alternativer Positionen - würde ich am liebsten stets die Warnung vorausschicken: "Achtung, es handelt sich um eine Erzählung! Holen Sie eine Gegenmeinung ein oder verlegen Sie sich auf ein gründliches Eigenstudium des Themas!" Ich empfehle, mit Hilfe der gebräuchlichsten Suchmaschine eine Recherche zum Korea-Krieg zu beginnen. Da kommen Sie ins Staunen, wie selbstbewusst viele Autoren - auch in sogenannten renommierten Zeitungen - das Thema auf engem Raum als eine sonnenklare Sache präsentieren. Wer sich und anderen die Welt leicht erklären will, muss bekanntlich auf Demut und Skrupel verzichten. Was sich geschichtspolitisch in Jahrzehnten etabliert hat, braucht man nicht mehr in Frage zu stellen.

Abwurf von 1000-Pfund-Bomben über Nordkorea im August 1951. Bild: USAF

Eine typische hegemoniale Darstellung des Korea-Krieges, flockig aufbereitet für das Handydisplay angehender Abiturienten und angereichert mit einigen vertrauenserweckenden kritischen Randbemerkungen, kann man als Video in einer Reihe "Einfach Geschichte" abrufen. Darin wird eine "UNO-Intervention", die irgendwie mit "Verbrechen auf beiden Seiten" einherging, bedenkenlos in knapp 9 Minuten auf den einfachsten Nenner gebracht. Am Ende steht die schlaue Lehrerfrage: "Was denkt ihr: Warum hatte der Korea-Krieg nie die kulturelle Wirkung wie der Krieg in Vietnam?" Die Antwort darauf müsste auf schwarze Löcher des öffentlichen Geschichtsgedächtnisses verweisen und somit auf Tabus, die der flott daherkommende Clip selbst strikt befolgt.

Den Konsumenten solcher - von wem auch immer produzierten - "Instant History" sei zur Horizonterweiterung eine ZDF-Dokumentation empfohlen, die auf YouTube unter dem Titel "Der Korea Krieg - Vorgeschichte und Verlauf" eingestellt ist und immerhin bei einer Google-Suche zum Thema schon auf der ersten Seite auftaucht. Hier muss man fürs Zuschauen zehnmal mehr Zeit investieren, aber dafür lernt man drei Fachautoren kennen und kann am Ende zumindest die richtigen Fragen stellen.

Höchst problematisch ist in den komprimierten Koreakriegs-Erzählungen schon der zumeist obligate Einstieg über die am 25. Juni 1950 erfolgte Angriffsoffensive Nordkoreas. Die aus orthodox-linker Perspektive vorgetragene These, die gängige Darstellung dieses Kriegsbeginns sei quellenmäßig gar nicht seriös belegt und im Übrigen müsse ein vorhergehender Gesamtkomplex beidseitiger Aggressionen mit Grenzüberschreitung berücksichtigt werden, können wir hier getrost unbeachtet lassen. Es stellt sich nämlich schon für einen viel früheren Zeitpunkt die Frage, wie man gleichsam bei einer Kaffeepause im Pentagon willkürlich den 38. Breitengrad als Teilungslinie des selbst am Zweiten Weltkrieg gar nicht als Aggressor beteiligten Landes festlegen konnte und hierdurch gleichsam die Lunte für einen Bürgerkrieg legte.

Sodann blicken wir auf den aus den USA eingeflogenen Exil-Koreaner und "Christen" Syng-man Rhee. Wenn man konstatiert, dessen südkoreanisches Regime sei "nach heutigen Maßstäben nicht demokratisch gewesen", so trägt man eine Untertreibung vor, die einer Lüge gleichkommt. Rhee stand an der Spitze eines verbrecherischen Polizeistaates. Der von den Vereinigten Staaten protegierte Diktator ließ z.B. ab Jahresmitte 1950 hunderttausend oder gar zweihunderttausend Zivilisten in Südkorea ermorden (Korea-Krieg: Wahrheit und Versöhnung?). Soviel zur Überschrift "Sklaverei des Weltkommunismus oder freie Welt".

Gerne wüssten wir nun, ob das ohne Beteiligung der Sowjetunion zustande gekommene UNO-Mandat den US-General Douglas Mac Arthur wirklich dazu ermächtigte, nach Wiederherstellung des Status Quo im Oktober 1950 auch noch den 38. Breitengrad zu überschreiten und bis zur chinesischen Grenze vorzurücken. Die zumeist jungen und überwiegend US-amerikanischen Soldaten der UN-Truppen geraten durch die Entscheidung des Generals in ein Inferno und müssen sich wieder in den Süden zurückziehen. Etwa 40.000 von ihnen verlieren ihr Leben. Im Mai 1951 sind beide Großmächte, für deren Geltung in Korea die Menschen geopfert werden, zu Verhandlungen bereit. Doch ein Ende des Krieges ist noch lange nicht in Sicht ...

Ab August 1952 eskalieren die Bombardements der US-Luftwaffe über Nordkorea, exekutiert noch immer unter Berufung auf ein offenbar grenzenloses "Mandat der Vereinten Nationen". Die meisten Opfer sind für die Zeit der sich endlos lang hinziehenden Verhandlungen um einen Waffenstillstand zu beklagen. Es handelt sich um Zivilisten. Ein Fünftel oder gar ein Viertel der Bevölkerung Nordkoreas wird durch die US-Luftangriffe und ihre Folgen ausgelöscht. Diese engmaschige Todesmaschinerie über einem Territorium von 120.000 Quadratkilometern steht in der ganzen Militärgeschichte ohne Vergleich da. (Man fragt sich: Wie konnte die UNO, unter deren Label das Ganze ja gestellt worden war, so etwas überhaupt überleben?)

Die USA sind in Korea besonders stolz auf eine neue Erfindung, die wir sehr zu Unrecht nur mit Vietnam in Verbindung bringen: Napalm. Ein Spritzer dieser menschenverachtenden Waffe genügt, um einen Menschen - unentrinnbar - in die Hölle endloser Todesqualen zu befördern. In Korea wurde mehr Napalm eingesetzt als in Vietnam. Die USA sollen über Korea mehr als 400.000 Tonnen Bomben abgeworfen haben. Der Nordteil des Landes ist bei Abschluss des Waffenstillstandes im Juli 1953 nahezu vollständig eine Kraterlandschaft.

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