Wiederkehr des Gleichen: Die Reichen werden immer und immer schneller reicher

Verkauft wird die wachsende Ungleichheit weiter durch die Trickle-Down-Ideologie - offenbar erfolgreich

Jahr für Jahr sind es dieselben Nachrichten, es ändert sich nichts. Die Reichen werden immer reicher. Es gibt zwar auch mehr Reiche, aber der Anteil des Reichtums, der den weiterhin wenigen Reichen gehört, wächst weiterhin. Dabei handelt es sich oft um leistungslosen Wohlstand. Es "arbeitet" das Geld auf den Märkten, in den Briefkastenfirmen, mit den Schlupflöchern und illegalen Praktiken. Und der Zug wird immer schneller.

2017 wuchs das persönliche Vermögen gegenüber 2016 um 12 Prozent mehr als in den letzten Jahren, vor allem weitaus mehr wie die Zunahme der Löhne, geschweige denn die der sozialen Leistungen. Nach der Boston Consulting Group war im letzten Jahr das persönliche Vermögen weltweit auf 201,9 Billionen US-Dollar angestiegen.

Während die Millionäre und Milliardäre 2012 "nur" 45 Prozent des persönlichen Vermögens besaßen, sind es nun bereits fast 50 Prozent, dementsprechend sinkt der Anteil des Großteils der Weltbevölkerung. In den USA besitzen 42 Prozent des Kapitals Menschen, die ein investierbares Vermögen von mehr als 5 Millionen US-Dollar besitzen, Immobilien etc. nicht eingeschlossen, nur Kapitalvermögen.

Dass Unternehmen wie die Boston Consulting Group solche Zahlen publizieren, mag seltsam erscheinen. Eigentlich sollten sie damit den Unmut der Menschen befördern, die vom Reichtum ausgeschlossen sind, der sich selbst heckt, wie Karl Marx sagen würde. Aber solch ein Ranking ist natürlich auch immer ein Lockmittel, dazu gehören zu wollen. Und trotz der Zahlen, die deutlich machen, dass ein kleiner Anteil der Menschen immer mehr besitzt, was bedeutet, dass im Verhältnis der Großteil immer weniger besitzt und abgehängt wird, wird versucht, das den Abgehängten in Form der Trickle-Down-Ideologie schmackhaft zu machen, wie das Anna Zakrzewski, die Autorin des BCG-Berichts. gegenüber Bloomberg machte:

Die Tatsache, dass der von Millionären gehaltene Reichtum als Anteil des gesamten Vermögens wächst, bedeutet nicht, dass die Armen ärmer werden. Es bedeutet, dass jeder reicher wird. Im Besonderen glauben wir, dass die Reichen schneller reicher werden.

Wenn man derartige Fake News unverfroren verbreiten will, ist das schon bezeichnend. Soll die Argumentation die Armen oder die Reichen beruhigen. Man wird wohl annehmen dürfen, dass die Reichen bedient werden, die sich nicht so viel um ihren schnellen Zuwachs des Reichtums und das Zurücklassen der Armen kümmern sollen, weil doch alles gut läuft.

Die Gesellschaft ist eine Win-Win-Situation, wird suggeriert. Wenn die Reichen auch schneller reich werden, so geht es dem Rest halt etwas weniger schnell besser. Aber wehe, so der Unterton, es wird etwas verändert, dann würde das Wenige, das die Armen durch den schnell wachsenden Reichtum der Reichen erhalten, also das, was hinuntertröpfelt, aber nicht fließt, gefährdet werden. Es soll eben bestenfalls nur zum Stillhalten tröpfeln, wenn es fließen würde, beispielsweise durch steuerliche Umverteilung, würde der Reichtum der Wohlhabenden weniger schnell wachsen - und das ist nicht gut, so die Botschaft. Und die Menschen scheinen dies weiterhin zu glauben, geht man von den Wahlergebnissen aus. Die Entscheidung für den Milliardär und Oligarchen Trump in den USA ist dafür paradigmatisch.

China steht nun in Konkurrenz mit den USA im Hinblick auf das finanzielle Vermögen und wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren die USA überholen. Das wird auch bedeuten, dass die Ungleichheit weiter zunimmt. Das scheint auch für Osteuropa zuzutreffen, wobei der Nahe Osten trotz aller Kriege und Unruhen den größten Anteil an investierbarem Kapital besitzt, nämlich 3,1 Billionen von insgesamt 3,8 Billionen. Das ist Macht, soft power, die sich auszahlt.

Boston Consulting geht von einem jährlichen Wachstum des persönlichen Vermögens von 7 Prozent bis 2017 aus, "Börsenkorrekturen" und "geopolitische Ungewissheiten" könnten dies auf 4 Prozent drücken. Eine schwere Wirtschaftskrise könnte das globale Wachstum des Vermögens auch auf ein Wachstum von nur 1 Prozent drücken. Das wird schon weitgehend als Katastrophe dargestellt, obwohl der Wohlstand ja zunehmen würde, wenn auch nur langsamer. (Florian Rötzer)

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