Wikipedia: Zu groß, um zu überleben?

Einflussnahmen des politischen Establishments der USA auf die Inhalte

Die großen Konzerne und ihre Stiftungen überweisen Millionenbeträge auf das Konto von Wikimedia. Bis jetzt hat die Lexikon-Stiftung etwa zwanzig Millionen steuerbefreite Dollars aus der Wirtschaft erhalten.

Unter den Sponsoren finden sich: die Alfred Sloan-Stiftung des früheren General-Motors-Chefs; der Suchmaschinengigant Google, der die Wikipedia-Artikel bei fast jeder Suchanfrage großzügig unter die ersten zehn Antworten platziert; die Hewlett-Stiftung des Begründers der gleichnamigen Büromaschinenfabrik.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Ford Foundation, die nicht nur die Sesamstraße finanziert hat, sondern nach dem Zweiten Weltkrieg als Tarnbriefkasten von Geldbeträgen des US-Geheimdienstes CIA ideologische Vorposten der USA in Europa finanziert hat 3.

Jedoch die Einflussnahmen des politischen Establishments der USA auf die Inhalte von Wikipedia sind noch viel handfester und sind nur aus der engen persönlichen Verflochtenheit amerikanischer Entscheidungsträger zu erklären. Das folgende Beispiel ist eine Dreiecksgeschichte: da ist zum einen die Stanton Foundation. Diese Stiftung wurde vom ehemaligen Generaldirektor des Medienmultis CBS, Frank Stanton, im Jahre 1991 gegründet. Stanton war zugleich jahrelang Direktor von RANDCorp, einem Thinktank aus der Rüstungsindustrie.

Da Frank Stanton keine Nachkommen hatte, überschrieb er sein Vermögen auf das Ehepaar Graham und Elizabeth Allison. Frau Allison wurde Kuratoriumsmitglied der Stanton-Stiftung. Ihr Ehemann Graham wiederum ist Politikprofessor an der Universität Harvard, dort im Belfer Center, einer Forschungseinrichtung der John F. Kennedy School of Government.

Zugleich ist Graham Allison führendes Mitglied im elitären New Yorker Council on Foreign Relations als deren Präsident er auch einmal im Gespräch war; zudem Mitglied in der Trilateral Commission sowie der Brookings Institution. Allison ist also ein wichtiges Verbindungsglied der transatlantischen Gravitationszentren.

Gekaufte Redaktionsarbeit bei der Online-Enzyklopädie

Nun hat Frau Allison im Jahre 2011 eine Spende von nicht weniger als 3.6 Millionen Dollar an die Wikimedia Foundation in San Francisco von der Stanton Foundation überweisen lassen. Zuvor waren bereits 1.15 Millionen Dollar von Stanton gespendet worden.

Von diesen Spendengeldern entnahm die Wikimedia Foundation 53.000 Dollar, um damit die Stelle eines Wikipedians in Residence zu finanzieren.

Auch dies ist eine in der Öffentlichkeit wenig bekannte Position im Wikipedia-Kosmos. Der Residenz-Wikipedianer arbeitet für eine gewisse Zeit bei einer Institution, und redigiert Wiki-Artikel im Sinne dieser Institution, und erhält dafür entweder von Wikimedia oder von der Gastgeber-Institution ein ordentliches Gehalt. Dieser Resident im Belfer Center hieß Timothy Sandole und hatte zuvor noch nie einen Wikipedia-Artikel redigiert.

Für ein Jahr sollte er mit seinem Gehalt Wikipedia-Artikel in den Bereichen Sicherheits-, Außen- und Geopolitik im Sinne des Belfer Centers "verbessern". Auffällig oft hat Sandole dabei Texte von Graham Allison und seiner Freunde aus der transatlantischen Elite in die Wiki-Texte eingeflochten und deren Sichtweise importiert.

Gregory Kohs hat eine Wikipedia-kritische Blogseite eingerichtet, auf der er unzählige solcher Fälle von gekaufter Redaktionsarbeit bei der Online-Enzyklopädie akribisch nachgezeichnet hat. Nicht alle Fälle sind derart spektakulär wie der gerade beschriebene. Man kann sich allerdings wundern, wie plump manche versteckten PR-Schreiber zu Werke gegangen sind. Die Macher des Kartenspiels "Cards against Humanity" spendeten 70.000 Dollar an Wikimedia. Der Erfinder des Spiels heißt Josh Dillon.

Zufälligerweise wurde der Wiki-Artikel über das makabre Kartenspiel von einem gewissen "Jsdillon" redigiert. So ziemlich alle Konzerne spenden an die Wikimedia Foundation. Auch der Flugzeugbauer Boeing mit kleinen Beträgen.

Nun schreibt seit Jahren ein User mit dem Pseudonym "Finlayson" Wikiartikel über Boeing-Flugzeuge, aber auch über den Konkurrenten McDonnell-Douglas. Der eifrige Flugexperte heißt im bürgerlichen Leben Jeff Finlayson und ist Structural Analyst bei Boeing, sagt Krohs, und Finlayson hat nicht widersprochen.

Krohs stellt zudem fest, dass viele Unternehmen bei Wikipedia Erwähnung finden, die aufgrund der aufgestellten Relevanzkriterien eigentlich dort nichts zu suchen hätten. Aufgrund des immensen Traffics auf den Wikipedia-Seiten ist eine Platzierung bei Wikipedia unter diesen Umständen eine sehr preisgünstige Werbefläche.

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