Wikipedia an der Propagandafront gegen Historiker

Grafik: TP. Wikipedia-Logo: Nohat (concept by Paullusmagnus) / Wikimedia / CC-BY-SA-3.0

Das berühmte Online-Lexikon wird häufig für politische Interessen instrumentalisiert. Qualität und Ausgewogenheit der Lexikonartikel bleiben dabei auf der Strecke

Es gibt de facto nur noch ein einziges Lexikon auf dieser Welt. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat es geschafft, alle anderen Lexika, seien sie nun als haptische Bücher oder seien sie als digitale Netze verfügbar, komplett zu verdrängen.

Als einem Monopolisten kommt nunmehr Wikipedia eigentlich eine ganz besondere Verantwortung zu, allen Seiten gerecht zu werden und das Objektivitätsgebot besonders streng umzusetzen. Denn Schüler und Studierende auf der ganzen Welt greifen auf die geistige Instantnahrung von Wikipedia zurück.

Ja, es steht die Bedrohung ins Haus, dass so genannte Soziale Netzwerke von ihren Betreibern auf politischen Druck ihren Traffic nach fake-news durchkämmen, und sich dabei von den Wahrheitsdefinitionen der Wikipedia leiten lassen. Es entstünde auf diese Weise eine schaurige Variante von Orwells berüchtigtem "Wahrheitsministerium".

Nun sind in letzter Zeit zahlreiche empirische Beweise vorgelegt worden, dass es Wikipedia nicht nur an der gebotenen Objektivität mangelt, sondern dass interessierte Redakteure die digitale Enzyklopädie als Kampfinstrument nutzen, um politische Gegner durch vermeintlich sachliche Aussagen zu diskreditieren.

Zu Hilfe kommt ihnen die Immunität durch Anonymität: Kein Wikipedia-Redakteur oder Hierarch muss sich durch Nennung seines Klarnamens überprüfbar und kritisierbar machen lassen. Zudem befindet sich der Sitz der Wikimedia Foundation als Rechtssubjekt in den USA. Ein juristisches Vorgehen gegen Autoren unausgewogener Wikipedia-Artikel ist somit für den Normalbürger nahezu unmöglich.

Es ist bekannt, dass clevere Werbeprofis sich die Anonymität der Wikipedia zunutze machen, um Lexikonartikel im Sinne ihrer Auftraggeber aus der Industrie so umzuschreiben, dass sie Produkte in einem möglichst positiven Licht darzustellen. Oder Produkte ihrer Konkurrenten schlecht zu machen. Auch politische Interessengruppen haben Wikipedia-Autoren dafür bezahlt, bestimmte Artikel im Sinne ihrer Weltsicht umzuschreiben.

Die investigativen Journalisten Markus Fiedler und Dirk Pohlmann sehen deshalb in der Offenbarung der wahren Identität der Wikipedia-Autoren eine wesentliche Grundlage eines redlichen, transparenten Umgangs mit Daten und Fakten. Die beiden Forscher haben bereits drei Wikipedia-Redakteure "enttarnen" können.

Jetzt gelang ihnen die De-Anonymisierung eines weiteren Wikipedia-Autors. Hinter dem Pseudonym "Feliks" verbirgt sich der Ingolstädter Rechtspfleger Jörg Egerer, der nach seiner Konversion zum jüdischen Glauben den Namen Jörg Matthias Claudius Grünewald angenommen hat.1

Das Gebaren des Jörg Egerer alias Grünewald belegt eindeutig, dass im Fachbereich Politik und Zeitgeschichte der deutschsprachigen Wikipedia Personen den Ton angeben, die die Enzyklopädie für eigene politische Zwecke instrumentalisieren. Jörg Egerer-Grünewald diente bei der Bundeswehr als Oberleutnant der Reserve, nachweisbar bis 2015, und war zeitlich begrenzt in den israelischen Streitkräften als Angehöriger der Freiwilligeneinheit Sar-El aktiv.

Egerer-Grünewald betätigt sich in der Linken-Partei, war dort Landesschatzmeister, wobei es nach internen Berichten der Linken Unregelmäßigkeiten mit Spendenquittungen gab, was nach seinem Rücktritt untersucht wurde.

Nach Auffassung des Autors dieses Beitrags verstößt Egerer-Grünewald alias Feliks eklatant gegen das Neutralitätsgebot der Wikipedia-Satzung. Als ausgewiesen "antideutsches" Mitglied der Linkspartei verfasste und redigierte er bisher Artikel über 51 Politiker der Linkspartei, wobei politische Gegner mit herabsetzenden Einträgen bedacht werden, wenn möglich im Kontext der Begriffe "antizionistisch" oder gar: "antisemitisch".

Gerne kritisiert wurden auch angebliche "Querfront"-Neigungen. Parteifreunde, die ihm genehm sind, können dagegen mit aufwertenden Kommentierungen rechnen. "Feliks" editierte obendrein etwa 150 Einträge zu Themen Israel betreffend, wobei er stets darauf achtete, möglichst positive Einträge zu platzieren. Während andererseits jene Linkspartei-Abgeordneten, die sich kritisch gegenüber Netanyahu und seinen politischen Weggenossen geäußert haben, in Bausch und Bogen verurteilt werden.

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